Der Platzverweis gegen Embolo wiegt zu schwer: Die Schweizer Fussballer verlieren den WM-Viertelfinal gegen Argentinien 1:3Die Schweizer Auswahl hält sich gegen den Weltmeister gut und kommt dem Halbfinal-Glück nahe. Sie gleicht den frühen Rückstand zum 1:1 aus und kann sich zu zehnt zwar in die Verlängerung, nicht aber ins Penaltyschiessen retten.12.07.2026, 06.21 Uhr5 LeseminutenTeamkollegen trösten Breel Embolo nach dem Platzverweis.Reed Hoffmann / APViel läuft für die Schweizer Fussballer, der erste WM-Halbfinal scheint bisweilen sogar zum Greifen nahe. Sie geraten zwar früh 0:1 in Rückstand, bleiben aber im Spiel und schaffen nach 67 Minuten den 1:1-Ausgleich. Dan Ndoye, ein Aktivposten für Unberechenbarkeit und Schnelligkeit im Schweizer Team, spielt sich mittels Doppelpass mit Ricardo Rodriguez im gegnerischen Strafraum durch und trifft.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Jubel ist gross, auf dem Rasen im Stadion in Kansas City, aber auch vor zahlreichen Bildschirmen in der Schweiz. Es ist nach 4 Uhr in der Schweiz, als man mitten in den Städten und mitten in der Nacht Schreie hört. Kollektiv, aus vielen Hälsen.Doch die bleiben wenige Minuten nach dem Ausgleich in den Hälsen stecken, als der Stürmer Breel Embolo des Feldes verwiesen wird. Was ist passiert? Nach einem Zweikampf an der Seitenlinie mit Leandro Paredes zuckt es durch den Körper Embolos, er fliegt, fällt und wälzt sich. Das vermeintliche Foul des Argentiniers hat eine Verwarnung zur Folge. Richtig. Denkt man. Doch in der Wiederholung ist zu sehen, dass Embolo simuliert. Von einem Foul kann keine Rede sein.Breel Embolo wird des Feldes verwiesenSo schaltet sich der Videoschiedsrichter ein, und nach Konsultation der Bilder nimmt der Referee die Verwarnung gegen Paredes zurück und gibt diese sozusagen an Embolo weiter. Das ist neu im Regelwerk: Der Schiedsrichter kann eine fälschlicherweise festgelegte Verwarnung anders adressieren. Innerhalb des betroffenen Teams – oder an den Gegner.Die verhängnisvolle Szene nach etwas mehr als 70 Minuten: Breel Embolo fliegt durch die Luft, ohne berührt worden zu sein.Ashley Landis / APGenau das geschieht in dieser für die Schweiz verhängnisvollen Szene. Da Embolo bereits verwarnt ist, sieht er die zweite gelbe Karte. Die Schweizer spielen ab der 72. Minute mit einer Kraft weniger, und das in einem WM-Viertelfinal. Gegen den Weltmeister von 2022, der in 18 WM-Qualifikationsspielen nur 10 Gegentore zugelassen hat. Mission (fast) impossible.Nachdem Embolo das Terrain im Tränenmeer verlassen hat, wird schnell deutlich, dass das Spielgeschehen nicht attraktiver wird. Der Schweizer Trainer Murat Yakin nimmt mehrere Wechsel vor, Denis Zakaria spielt neu im Zentrum, das Team agiert neu in einem 5:3:1-System und kann fast nur noch das Ansinnen haben, das Penaltyschiessen zu erreichen. Das scheint nicht unmöglich, weil der Gegner trotz dem grossen Namen und trotz Messi, der minutenlang von der Bildfläche verschwindet, keinen guten Match bietet.Álvarez schiesst in der Verlängerung ein TraumtorEr rennt gegen die rote Schweizer Mauer an, spielt sich den Ball zu, hat aber wenig Torchancen, was die Schweizer Hoffnung am Leben erhält. Doch dann folgt in der Verlängerung die 112. Minute, der Moment, der den Viertelfinal entscheidet, ein Moment, der für sich spricht und in dem der Schweizer Torhüter Gregor Kobel dem Ball nur noch hinterherschauen kann. Julián Álvarez, der Stürmer von Atlético Madrid, schiesst, halblinks vor dem Strafraum stehend, und der Ball fliegt in einem Bogen in die rechte hohe Torecke. Ein Traumtor, schöner geht’s fast nicht.Erst in der 121. Minute und nach einem Ballverlust Granit Xhakas werden die Schweizer (Penalty-)Träume Schäume. Lautaro Martínez schliesst den argentinischen Konter mit dem 3:1 ab. Das ist ein guter Lohn für einen Weltmeister, der nicht zu überzeugen vermag. Und die Schweizer werden noch lange Gedanken wälzen, was an diesem Tag in Kansas City möglich gewesen wäre, wäre Embolo nicht des Feldes verwiesen worden.Ein einziger Schweizer Schrecken: Rote Karte gegen Embolo, ab der 72. Minute nur noch zu zehnt – und das im WM-Viertelfinal.Ed Zurga / APErdrückend ist es nicht, was da im WM-Viertelfinal in Kansas City auf die Schweizer Fussballer zukommt. Auch wenn sich der Gegner Weltmeister nennt und in seinen Reihen den 39-jährigen Lionel Messi weiss, der in den USA bereits 8 Tore beigesteuert hat. Sie stehen über weite Strecken gut, halten dagegen und den Match offen, aber etwas ist gleichwohl anders. Anders, als in allen WM-Spielen zuvor, anders, als in zahlreichen Spielen vor der WM: Sie rennen schon früh einem Rückstand hinterher.Messi ist wie gehabt zuweilen kaum zu sehen, foutiert sich um defensive Aufgaben, ist dann aber gleichwohl an einer Tempoverschärfung beteiligt, die nach zehn Spielminuten eine Corner-Doublette zur Folge hat. Den zweiten, abermals von Messi getretenen Cornerball köpfelt im Schweizer Strafraum Alexis MacAllister mit bemerkenswertem Timing in die hohe Torecke, nachdem sich Djibril Sow vergeblich hochgesprungen ist – der Schweizer Goalie Gregor Kobel hat keine Abwehrchance.Der frühe Rückstand ist neu für die SchweizerSo etwas kann immer passieren, zumal gegen einen solchen Widersacher. Aber das macht für die Schweizer Auswahl die Aufgabe nicht einfacher, erstmals einen WM-Halbfinal zu erreichen, der weitherum Aufsehen erregen und dem Schweizerischen Fussballverband weit mehr als 20 Millionen Schweizerfranken Rekordeinnahmen bescheren würde. Aber daran mag in diesem Moment niemand denken.Und wieder jubeln Lionel Messi und Argentinien.Agustin Marcarian / ReutersWer nun wegen der frühen 0:1-Hypothek im Stadion in den USA oder vor den vielen Bildschirmen in der Schweiz die Befürchtung hegt, dass sich für den Aussenseiter ein schwieriger Match entwickeln würde, sieht sich bald getäuscht. Das Team von Trainer Murat Yakin steht gut und zeigt mit mehreren Aktionen, dass der Ausgleich nicht unmöglich ist. Das wird sich bewahrheiten. Aber eben: Das Verdikt gegen Embolo wird zur schweren Last.Am Ende ist es das, was erwartet worden ist: Ein enges, umkämpftes Spiel, in dem der Aussenseiter aus der Schweiz durchaus mitzuhalten vermag. Aber eben: Zuerst der Jubel über den verdienten 1:1-Ausgleich, dann der Platzverweis. Den gibt's nur, weil Paredes verwarnt wird. Wäre das nicht passiert, wäre kein Bild konsultiert und wäre Embolo für seine Unsportlichkeit nicht bestraft worden. Bitter für ihn, bitter für die Schweizer Fussballer, bitter für alle, die in der Schweiz die Nacht zum Tag gemacht haben.Ernüchterung beim Public Viewing. Hier in Bonaduz.Gian Ehrenzeller / KeystonePassend zum Artikel
Fussball-WM: Zehn Schweizer verlieren den Viertelfinal gegen Argentinien 1:3
Die Schweizer Auswahl hält sich gegen den Weltmeister gut und kommt dem Halbfinal-Glück nahe. Sie gleicht den frühen Rückstand zum 1:1 aus und kann sich zu zehnt zwar in die Verlängerung, nicht aber ins Penaltyschiessen retten.











