Von «Gott mischt sich nicht in den Fussball ein» bis «Was für ein schlechtes Fussballspiel!» – das denkt die Welt über den Viertelfinal-Einzug der SchweizDie Medien nennen das Spiel gegen Kolumbien zäh bis grauenhaft. Entsprechend gelassen sieht Argentinien dem Viertelfinal gegen die Schweiz entgegen.Niels Bossert, Ines Häfliger08.07.2026, 11.57 Uhr3 LeseminutenDen Abnützungskampf gegen Kolumbien goutierten nicht alle Medien gleichermassen.Ercin Erturk / ImagoWeltweit sind sich die Medien in einem Punkt besonders einig: Der Achtelfinal zwischen der Schweiz und Kolumbien war kein fussballerischer Leckerbissen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«The Athletic» bezeichnet das Spiel als das «wahrscheinlich bisher schlechteste Spiel der K.o.-Phase – und eines der ereignislosesten des gesamten Turniers». Die «Gazzetta dello Sport» spricht von einem «äusserst hässlichen Spiel», mit langsamen Tempo und vielen Fehlern auf beiden Seiten. Die «Sun» fand sogar das Penaltyschiessen langweilig.Und das öffentlich-rechtliche norwegische Radio und Fernsehen schreibt: «Meine Güte, was für ein schlechtes Fussballspiel!»Shakira sagt, dass Gott sich nicht in den Fussball einmischeImmerhin: Nahezu jedes Medium wartete mit dem Fakt auf, dass die Schweiz mit dem Viertelfinal-Einzug nach 72 Jahren Historisches geschafft hatte. Ruben Vargas wird als entscheidender und kaltblütiger Penaltyschütze gefeiert, Gregor Kobel habe mit der Parade gegen Cucho Hernández die Grundlage für den Sieg gelegt.Teilweise bestätigte sich aber auch das Image der Schweiz als graue Maus, die im Weltfussball gerne übersehen wird. Sogar bei den Nachbarn aus Deutschland: Die «Süddeutsche Zeitung» widmete ihre Textabschnitte lieber den gelben Trikots der Kolumbianer, «die Tränen trocknen müssen», als den Spielern in den roten Shirts, die feierten. Vielleicht auch aus Neid?Währenddessen hebt man die denkbar knappe Niederlage in Kolumbien selbst auf eine göttliche Ebene. Wie könnte es anders sein, im vom Bürgerkrieg und Drogengewalt gebeutelten Land, in dem sich viele am Glauben und am Fussball klammern. Umso grösser die Enttäuschung, dass der Traum vom Weltmeistertitel bereits im Achtelfinal geplatzt ist.«El Tiempo», die grösste kolumbianische Zeitung, schreibt vom bisher ausgeglichensten Spiel, das die kolumbianische Nationalmannschaft an der WM bestritten habe. Das Spiel gegen die «pragmatische Schweiz» sei «mit einem 4:3 und Tränen geendet». Und holte dann zu viel Pathos aus: «Wieder einmal wendet uns Cristo den Rücken zu. (..) Dann wurde die Geschichte geschrieben: Vargas gegen Vargas – und der Schweizer gewann. Auf Wiedersehen, Weltmeisterschaft. Die Hoffnung war tot.»Auch Shakira, die kolumbianische Sängerin aus der karibischen Stadt Barranquilla, deren Sommerhit «Dai Dai» die WM beschallt, zeigte sich fassungslos. Auf Instagram betrauerte sie das Ausscheiden der «Cafeteros»: «Es ist klar, dass Gott sich nicht in den Fussball einmischt, denn sonst hätten sie es in den Viertelfinal geschafft.» Und fügte noch ein «Te amo» an.Während die Kolumbianer die Niederlage erst noch verarbeiten müssen, herrscht am südlichen Zipfel Südamerikas, in Argentinien, Verwunderung über den Viertelfinal-Gegner. Man rechnete mit Kolumbien, mit Spannung wurde das südamerikanische Duell erwartet. Die argentinische Tageszeitung MDZ titelt nach dem Schweizer Sieg: «Sorpresa!» – Überraschung!Die Zeitung «La Nacion» mit Sitz in Buenos Aires beschreibt die Schweiz als «harten, defensiveren und weniger vertrauten Gegner – ein körperlich stärkeres Team mit weniger Talent.» Die Schweiz punkte mit erfahrenen, spielintelligenten Spielern aus Top-Ligen und mit einer soliden Defensive. Und doch ist man sich sicher: Argentinien sei «zweifellos» die grössere Hürde für die Schweiz als Kolumbien.Man will Manzambi – das Schweizer TaschenmesserDie internationale Presse wünscht sich für den Viertelfinal von der Schweiz wohl wieder mehr Inspiration in der Offensive – nicht zuletzt durch Johan Manzambi. Der beste Schweizer Skorer dieser WM wurde in fast allen Berichten zum Kolumbien-Spiel erwähnt und schmerzlich vermisst. Manzambi droht jedoch auch das Spiel gegen Argentinien zu verpassen.Nach seinem Auftritt gegen Algerien hatte der «Guardian» ihn noch mit überbordenden Wortspielen gefeiert: mal als Schweizer Uhr, mal als Taschenmesser, das durch die Abwehrreihen schneidet. Der Autor endete die Lobeshymne auf die Schweiz mit: «Auf in die Alpen und die Nacht durchjodeln. Wir stehen im Achtelfinal – sicherer und geschützter als ein Tresorraum einer Zürcher Bank.»Nach der ernüchternden Partie gegen Kolumbien blieben die kreativen Ergüsse aus. Immerhin der französischen «L’Équipe» sah sich zu einem Sprachbild genötigt: «La Suisse fait sauter la banque» – sinngemäss: Die Schweiz hat mit dem Viertelfinal-Einzug die Bank gesprengt und den Jackpot geknackt.Passend zum Artikel