Nahezu unscheinbar wirkt das Gebäude in der Wiener Innenstadt, kaum zu erahnen, dass sich darin das Büro des ehemaligen Bundeskanzlers Sebastian Kurz verbirgt. Im Foyer prangen diskret seine Initialen auf der Klingeltafel des Hauses. Der 39-Jährige ist nach zehn Jahren Spitzenpolitik heute erfolgreicher Tech-Unternehmer, mit weiteren Büros in Tel Aviv, Abu Dhabi und Zürich.

Schon beim Eintreten ist ein Start-up-Vibe spürbar. Während draußen eine Hitzewelle Wien mit 40 Grad überrollt und die Stadt lähmt, ist es drinnen kühl, minimalistisch und modern; helle Räume, klare Linien, nichts erinnert mehr an die Schwere eines Amtssitzes.

Herr Kurz, vor knapp neun Jahren saßen Sie im Kanzleramt, heute sind Sie KI-Unternehmer in Wien. Mit Blick auf den technologischen Umbruch, in dem wir uns gerade befinden: Vor welchen Herausforderungen stehen wir aktuell? Es ist insgesamt eine interessante und teilweise herausfordernde Zeit, in der wir leben. Geopolitisch hat sich gerade vieles verändert, vieles, was wir für selbstverständlich gehalten haben, ist ins Wanken geraten, etwa die innere Sicherheit oder der Frieden in Europa. Das ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Die größte Veränderung werden wir aber in den nächsten Jahren durch die Transformation erleben, die die Künstliche Intelligenz mit sich bringt, und zwar in allen Lebensbereichen, von der Schule bis zur Wirtschaft, wo allen voran der Arbeitsmarkt auf den Kopf gestellt werden wird.