Sebastian Kurz: Der frühere Bundeskanzler ist jetzt ein ambitionierter KI-UnternehmerSein Unternehmen entwickelt KI-Lösungen für Geheimdienste, Armee oder Banken, die von amerikanischer Technologie unabhängig machen sollen. Das Kapital dafür stammt jedoch aus den USA.18.06.2026, 16.38 Uhr3 LeseminutenSebastian Kurz in der ARD-Talkshow Maischberger.Manfred Behrens / ImagoSebastian Kurz ist ein Mann mit vielen Talenten. Die vielleicht grösste Gabe des früheren Bundeskanzlers von Österreich besteht darin, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und das ist derzeit die KI-Branche.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das von Kurz mitgegründete Unternehmen Dream Security, als dessen Präsident er auch amtet, konnte sich soeben eine Finanzierungsrunde über 260 Millionen sichern. Mit dieser steigt der Unternehmenswert des dreieinhalbjährigen Unternehmens massiv, auf neu 3 Milliarden Dollar. Das macht Kurz, der noch knapp 15 Prozent der Aktien hält, zu einem reichen Mann.KI-Nationalismus der USA hilftUnd es gibt kaum eine bessere Werbung für das Geschäftsmodell von Dream Security als der neue KI-Nationalismus der USA. Die Regierung Trump verwehrt seit kurzem Ausländern den Zugang zu den fortschrittlichsten KI-Modellen von Anthropic, angeblich aus Sicherheitsgründen.KI sei mittlerweile Teil der kritischen Infrastruktur eines Landes, sagt Kurz im Gespräch mit der NZZ. Und die USA hätten gerade der ganzen Welt vorgeführt, dass sie den Zugang zu KI-Modellen über Nacht abstellen könnten.«Deshalb suchen Regierungen und Firmen mit sensiblen Daten nach KI-Lösungen, die sie selber besitzen, selber betreiben und selber kontrollieren können. Bei denen es keine Abhängigkeiten und keinen Datenabfluss gibt.»KI-Lösung in einer BoxDieses Produkt bietet das Unternehmen von Kurz an: Eine KI-Lösung in einer Box inklusive der Hardware. «Die wird übergeben und danach haben wir keinen Zugriff mehr darauf und natürlich auch kein anderes Unternehmen oder gar ein Staat», sagt Kurz.«So wie es undenkbar wäre, die Kontrolle über Verteidigung, kritische Infrastruktur oder die innere Sicherheit aus der Hand zu geben, wird es künftig undenkbar sein, keine vollständige Kontrolle über die eigenen KI-Systeme zu haben»: Mit dieser Aussage wird in der Medienmitteilung auch Shalev Hulio zitiert, der CEO von Dream Security.Der Israeli hatte zuvor schon das umstrittene Sicherheitsunternehmen NSO gegründet, dessen Spionagesoftware Pegasus manchmal gegen Oppositionelle, Menschenrechtsaktivisten oder Journalisten eingesetzt wurde.Ironischerweise lässt sich Dream Security die Entwicklung eigener KI-Modelle, die zur Unabhängigkeit von US-Technologie führen sollen, hauptsächlich durch amerikanische Wagniskapitalgeber finanzieren. An der sogenannten Series-C-Runde haben sich namhafte Investmentfonds aus den USA beteiligt: Bicycle Capital, Group 11, Bain Capital oder Tru Arrow Partners.Alternative zu PalantirBemerkenswert ist zudem, dass sich das Unternehmen als Alternative zur Firma Palantir positioniert, deren Software insbesondere bei Geheimdiensten, Armeen und Strafverfolgungsbehörden beliebt ist. Das Produkt «Atlas» von Dream Security richtet sich ebenfalls an dieses Klientel: «Es verknüpft hochsensible Daten, strukturiert Informationen und erlaubt es so kritische Entscheidungen zu treffen – in einer völlig souveränen und sicheren Umgebung», so die Firma.Nach seinem Abgang aus der österreichischen Politik heuerte Kurz Anfang 2022 zuerst bei Thiel Capital an, der Investmentfirma des US-Milliardärs Peter Thiel, dem Mastermind hinter Palantir.Dass Kurz nur kurze Zeit später eine eigene Firma ins Leben rief, die ein Produkt für genau dieselbe Zielgruppe baut, hat eine gewisse Brisanz. Das Unternehmen macht sich die wachsende Angst von Regierungen rund um den Globus zunutze, die Hoheit über die eigenen Daten zu verlieren. Palantir ist tief im US-Sicherheitsapparat verwurzelt. Dream Security positioniert ihre «souveräne KI» als Gegenentwurf.Die Firma startete eigentlich mit Cybersicherheit und verdient laut Kurz bereits genug, um die laufenden Kosten zu decken. Die Expansion ins KI-Geschäft sei allerdings sehr kapitalintensiv. Zudem wolle man sich auch geografisch breiter aufstellen, namentlich in Nord- und Südamerika.Kleine Sprachmodelle für konkrete AnwendungenDie kleinen Sprachmodelle der Firma müssen zwar nicht alles können, wie die von Anthropic oder Open AI. Sie werden für konkrete Anwendungsfälle entwickelt. «Überall dort, wo es um sensible Daten geht, und Regierungen, Banken oder kritische Infrastrukturbetreiber KI nutzen wollen», erklärt es Kurz. Solche Organisationen täten sich rechtlich oder faktisch schwer damit, ihre Daten auf eine Cloud zu laden oder sie mit amerikanischen Unternehmen zu teilen.Doch auch die Entwicklung von kleinen Sprachmodelle ist teuer. Das Kapital stellen jetzt amerikanische Geldgeber zur Verfügung. Kurz kann sein politisches Netzwerk nutzen, um Regierungen von der Notwendigkeit für souveräne KI und Sicherheitslösungen zu überzeugen. Die Gelegenheit ist günstig.Passend zum Artikel
Sebastian Kurz entwickelt jetzt KI-Systeme für Geheimdienste und Banken
Sein Unternehmen entwickelt KI-Lösungen für Geheimdienste, Armee oder Banken, die von amerikanischer Technologie unabhängig machen sollen. Das Kapital dafür stammt jedoch aus den USA.











