Unter seiner Ägide, so Daum, werde die Software des US-Konzerns bei der Bundeswehr keinen Zugriff auf nationale Geheimdokumente erhalten. Diese Daten dürften den deutschen Hoheitsbereich nicht verlassen – im Fall von Palantir aber würden sie auf ausländischer IT-Infrastruktur verarbeitet. Klarer lässt sich eine rote Linie kaum ziehen.Anthropic-Sperrung: Der Weckruf für EuropaWas der Premier meinte, hatte gerade erst Europas Politik, Verwaltung und Wirtschaft alarmiert: Am 12. Juni hatte die US-Regierung das KI-Unternehmen Anthropic, einen der wichtigsten Branchenakteure weltweit, angewiesen, ausländischen Staatsangehörigen den Zugang zu dessen neuesten KI-Modellen Fable 5 und Mythos 5 zu sperren. Anthropic kappte daraufhin den Zugriff außerhalb der USA. Die Sperrung traf Europa ohne Vorwarnung und machte sichtbar, wie abhängig der Kontinent von amerikanischen KI-Diensten ist. Wer auf fremde Infrastruktur setzt, ist erpressbar. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber sie ist so aktuell und brisant wie selten.Anthropic-Sperre Wie tief Europas KI-Abhängigkeit wirklich reicht Die USA demonstrieren mit der Sperre neuer Anthropic-Modelle ihre Marktmacht bei Künstlicher Intelligenz. Ein Schock? Europa ist besser positioniert, als es auf den ersten Blick scheint. von Thomas Kuhn und Konrad FischerDeutschland: Sicherheit vs. AbhängigkeitDie Beziehung zwischen Frankreich und Palantir war nie eine Liebesgeschichte, bestenfalls eine Zweckehe. Rund ein Jahrzehnt lang nutzte die französische Inlandsaufklärung die Datenanalyseplattform des 2003 vom deutsch-amerikanischen Tech-Milliardär Peter Thiel mitgegründeten Konzerns. Eine Software, die unterschiedliche Datenquellen zusammenführt, in Echtzeit auswertet und Entscheidungen in sicherheitskritischen Fragen unterstützt. Unter anderem bei den Olympischen Spielen in Paris war sie im Einsatz. Noch im Dezember hatte Palantir eine Vertragsverlängerung mit dem DGSI verkündet. Laut einer aktuellen Erklärung bleibe dieser Vertrag formal in Kraft. Faktisch aber ist die Entscheidung in Frankreich gefallen, ihn künftig ruhen zu lassen.Überwachungssoftware „Das Festhalten an Palantir irritiert massiv“ Grünen-Geheimdienstexperte Konstantin von Notz kritisiert den Einsatz der Überwachungssoftware Palantir in Deutschland. Grund sind neue Erkenntnisse aus der Schweiz. von Max BiederbeckIn Deutschland ist Palantir seit Jahren ein Politikum. Die Software wird von Sicherheitsbehörden in Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen eingesetzt – und wird dort sowohl verteidigt als auch heftig bekämpft. Befürworter, darunter Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Innenminister einiger unionsgeführter Länder, loben die Analysefähigkeiten der Plattform als unverzichtbar für Verbrechensbekämpfung und Terrorabwehr.Celonis und Deepset: Europas GegenpolWährend die Politik debattiert, handeln europäische IT-Unternehmen. In Deutschland stehen mehrere Anbieter in den Startlöchern, Palantir bei Sicherheitsbehörden ganz oder teilweise abzulösen. Aktuell aufhorchen lässt ein Bündnis, das in dieser Woche öffentlich wurde: Die deutschen Softwarespezialisten Celonis und Deepset bündeln ihre Kräfte für eine gemeinsame, souveräne KI-Plattform, für Unternehmen, aber explizit auch ausgerichtet auf Behörden, Verteidigung, Polizei und kritische Infrastrukturen.Celonis, 2011 als Spin-off der TU München gegründet und heute mit rund 13 Milliarden Dollar bewertet, ist Weltmarktführer im sogenannten Process Mining. Die Plattform macht sichtbar, wie Prozesse in Organisationen tatsächlich ablaufen – und wo Reibungsverluste entstehen. Deepset, 2018 in Berlin gegründet, steht hinter Haystack, einem der global meistgenutzten Open-Source-Werkzeuge für komplexe KI-Anwendungen mit großen Sprachmodellen in Unternehmen.
Europas Flucht vor Palantir: Frankreich und Deutschland suchen KI-Souveränität
Der amerikanische KI-Bann zeigt Europas US-Abhängigkeit bei IT. Frankreich reagiert und ersetzt Palantir beim Geheimdienst. In Deutschland wird die Software auch zur Souveränitätsfrage.













