Österreichs früherer Bundeskanzler Sebastian Kurz hat Gerüchte dementiert, er plane eine Rückkehr in die Politik. In einer über Facebook und Instagram verbreiteten Botschaft schrieb der 39 Jahre alte Unternehmer unter einem Bild, das ihn telefonierend in einer New Yorker Straße zeigt, er wolle das wiederholen, was er schon oft gesagt habe und was „im Gegensatz zu den Spekulationen“ die Realität sei: „Meine Zeit in der Politik habe ich sehr genossen, aber ich möchte nicht mehr in die Politik einsteigen.“Kurz blickt trotz seines noch jungen Alters bereits auf eine beachtliche Karriere zurück. 2013 wurde er mit 27 Jahren österreichischer Außenminister, übernahm 2017 die Führung der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und führte sie in vorgezogene Wahlen, in denen er das Kanzleramt nach fast elf Jahren für die Konservativen zurückholte.Verfahren gegen Kurz laufen weiterSeine Koalition mit der rechten FPÖ endete schon im Mai 2019 im Zuge der sogenannten Ibiza-Affäre. Nach dem Intermezzo einer Expertenregierung gewann Kurz auch die nächste vorgezogene Nationalratswahl und bildete 2020 eine Koalition mit den Grünen. Im Oktober 2021 trat Kurz jedoch im Zuge der „Inseratenaffäre“ zurück.Hintergrund ist ein Verfahren der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), die ihm vorwirft, in der Frühphase seiner politischen Laufbahn positive Medienberichterstattung durch Inserate erkauft zu haben, die mit öffentlichen Geldern finanziert wurden. Die Ermittlungen laufen bis heute, haben aber noch zu keiner Anklage geführt. In einem weiteren Verfahren wurde Kurz nach einer ersten Verurteilung wegen Falschaussage schließlich rechtskräftig freigesprochen.Als Investor erfolgreichNach seinem Rückzug aus der Politik hatte Kurz zunächst für eine Investmentgesellschaft des deutschstämmigen Paypal-Gründers Peter Thiel gearbeitet, der immer wieder für seine rechtslibertären Ansichten kritisiert wird. 2022 gründete Kurz mit dem israelischen Investor Shalev Hulio „Dream Security“, ein Unternehmen, das Lösungen zum Schutz vor Cyberangriffen vor allem für Regierungen oder die Betreiber kritischer Infrastruktur anbietet.Nach einer letzten Finanzierungsrunde im Juni wurde Dream, an dem Kurz 15 Prozent der Anteile hält, mit drei Milliarden Dollar bewertet. Dennoch war in Österreich in den letzten Monaten immer lauter über eine Rückkehr von Kurz in die Politik spekuliert worden, vor allem, nachdem er sich im Juni mit FPÖ-Chef Kickl im Nationalrat getroffen und die Gründung einer eigenen Denkfabrik verkündet hatte.Beobachter merkten an, dass Kurz auffallend positiv über die FPÖ spreche und sich im Gespräch halte. Eine Theorie geht in die Richtung, dass er sich für den Fall eines Scheiterns der derzeitigen Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS bereithalte, um die ÖVP dann in ein rechtes Bündnis mit der FPÖ zu führen. Innerhalb der ÖVP hat Kurz weiterhin viele Anhänger, die sehnsuchtsvoll an die erfolgreichen Zeiten unter dem einst jungen Kanzler zurückdenken. Allerdings liegt die FPÖ aktuell mit rund 37 Prozent fast uneinholbar vor der Volkspartei, die bei rund 20 Prozent stagniert.Kurz schreibt, er „bleibe ein politischer Mensch“Andere Spekulationen gingen in die Richtung, dass Kurz die Gründung einer eigenen Partei erwäge, sollte er innerhalb der ÖVP keine Chance mehr haben. Sogar eine Kandidatur von Kurz bei der nächsten Bundespräsidentenwahl wurde als Möglichkeit gehandelt.Alldem trat der Angesprochene nun selbst entgegen. „Für alle, die es genauer interessiert: Ich bin jetzt mal für einige Zeit in den USA und freue mich dann auf den Urlaub mit meiner Familie“, schrieb er in den sozialen Netzwerken. Nach dem Sommer gehe es „mit viel Engagement“ bei Dream weiter.Zur Politik betonte er: „Meine politische Heimat ist die Volkspartei.“ Er sei zehn Jahre Spitzenpolitiker gewesen und „bleibe ein politischer Mensch“. Daher habe er auch „immer wieder Kontakt zu ehemaligen Weggefährten, vor allem in der Volkspartei, aber auch außerhalb.“ Er wünsche allen einen schönen Sommer.