Man könnte den kleinen Laden in der Schwanthalerstraße auch für das gemütliche Wohnzimmer eines Bücherliebhabers halten: Die Wände sind in einem warmen Gelb gestrichen, auf den Tischen stehen bemalte Keramikvasen. Dicht an dicht reihen sich hohe Regale aneinander, darin unzählige Bücher mit Titeln in filigraner, fließender Schrift. Unwillkürlich kommt der Wunsch auf, die arabischen Buchstaben lesen zu können, um in die vielen Bücher einzutauchen – am liebsten, wenn man es sich dazu auch noch mit einem Stück Kuchen bequem machen kann.Bei Parse Books ist beides möglich: sowohl persische Literatur als auch Kulinarisches entdecken. Behdad Ghaffari kombiniert in seinen kleinen Räumen einen Buchladen mit einem Café. Parse, das bedeutet auf Persisch so viel wie „herumstreifend“. Damit ist aber nicht nur physisches Wandern gemeint, es bezieht sich auch darauf, Eindrücke aufzusaugen, Gedanken und Ideen zu sammeln. Genau das passiert auch, wenn man Bücher liest.Den Online-Shop gibt es schon seit 2023. Ghaffari wollte damit zunächst ein Netzwerk schaffen, um persische Literatur zu teilen. Den Laden eröffnete er dann im September 2025. Parse Books sollte mehr sein als ein Ort, an dem Bücher verkauft werden, sagt er. Seine Vision: Menschen sollen dort zusammenkommen, ihre Ideen teilen und sich auf verschiedene Perspektiven einlassen. „Es soll ein Ort sein für Dialog und Verständnis.“ Das sei zwar nicht unbedingt eine ultimative Lösung dafür, wie Menschen in Frieden zusammenleben können. „Aber ich glaube, sich gegenseitig zu verstehen und praktikable Kompromisse zu finden, ist der realistischste und bedeutsamste Weg.“Die Kombination aus Buchladen und Café sei in Iran insbesondere in den vergangenen fünf Jahren immer üblicher geworden, sagt Ghaffari. Das hat nicht nur kulturelle Gründe, sondern auch finanzielle: Der Verkauf von Kaffee und Gebäck zusätzlich zu den Büchern hilft dabei, das Geschäft am Laufen zu halten.Und für Bücherfreunde ist es umso schöner, umgeben von den Regalen auch kulinarisch etwas zu genießen. Zum Beispiel Sharbat: Das kühle Getränk ist unter anderem in Iran zur Erfrischung verbreitet. Im Parse gibt es verschiedene Varianten. Sharbat Bidmeshk etwa schmeckt leicht süß und nach Rosen, eine kleine Blüte schwimmt auf den Eiswürfeln (4,50 Euro). Klassischen Cappuccino (3,50 Euro) und Espresso (2,50 Euro) gibt es auch.Der Großteil der Bücher, die bei Parse zum Verkauf stehen, ist persische Literatur. Robert HaasDas Safran-Eis im Karottensaft ist hausgemacht, dazu gibt es beispielsweise Walnusskuchen. Robert HaasWer Pistazien liebt, kommt zum Beispiel mit dem Pistazien-Tiramisu (5,50 Euro) oder dem Cheesecake mit Pistaziencreme (4,20 Euro) auf seine Kosten. Ansonsten bekommt man unter anderem hausgemachtes Safran-Eis (4,50 Euro), Safrankuchen (4,20 Euro) oder Karotten-Walnusskuchen mit Eis (5,50 Euro).Ein Besuch lohnt sich also auch dann, wenn man bisher noch keine Berührungspunkte mit Iran hatte – oder vielleicht gerade dann. Vereinzelte Bücher gibt es im Laden auch auf Englisch oder Deutsch. Ghaffari glaubt daran, dass ein Ort wie Parse eine „Brücke zwischen verschiedenen Kulturen“ sein kann. Er will damit den Dialog und das gegenseitige Verständnis zwischen Menschen mit verschiedenem Hintergrund und Perspektiven fördern. „Die Herausforderung ist, Koexistenz in echten Austausch zu verwandeln.“In Zukunft möchte er daher gerne Diskussionsveranstaltungen auf Englisch organisieren, bei denen Menschen über Themen sprechen können, die ihnen wichtig sind.Parse Books, Schwanthalerstraße 137, Öffnungszeiten: Montag 12.30 Uhr bis 20 Uhr, Dienstag bis Samstag von 10 bis 20 Uhr.
Cafés In München: Parse Books im Westend im Test
Bei Parse Books im Westend kann man sowohl persische Literatur als auch Geschmäcker entdecken.







