Das Café verströmt eine enorme Behaglichkeit, einen ganzen Tag lang könnte man hier verweilen. Sollte Langeweile aufkommen: In hohen Regalen stehen etliche Bücher zum Lesen – ob „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, Andersens Märchen, ein Kochbuch von Paul Bocuse oder das Guinness-Buch der Rekorde 1996. Auch das ist eine nicht unbedingt zusammenpassende, aber sympathische Mischung.Das Little West gehört zum Café „Lost Weekend“ an der Ludwig-Maximilians-Uni und dem „A Little Lost“ am Hauptbahnhof. Während das Lost Weekend auch auf Konzerte setzt, das Little Lost vor allem auf Frühstück, legt das Little West den Schwerpunkt auf vegane Kuchen und Snacks.Bestellt wird an der Theke, wo die kleine Karte aushängt und das Gebäck in einer Glasvitrine ausliegt. Es gibt jeden Tag selbst gebackene Kuchen von Betreiberin Tanya Naughton, die früher als Patissière im Werneckhof arbeitete. An diesem Vormittag zum Beispiel: Orange Kardamom, Lemon Blueberry oder Matcha Coconut. Letzterer (5,20 Euro) schmeckt saftig und cremig, die zwei besonderen Zutaten harmonieren sowohl in der Creme als auch im Teig hervorragend, ohne sich aufzudrängen.Ob Avocado-Sandwich, Kuchen oder Cookie – die Speisen werden frisch zubereitet. Catherina HessDer Hummus-Bagel ist angereichert mit Pinienkernen, getrockneten Tomaten und Gurkenstückchen. Das Avocado-Sandwich wird nicht mit Vollkornbrot, sondern mit Baguette gereicht und hat noch ein paar Blätter Rucola abbekommen. Die Gerichte (jeweils 7,80 Euro) werden im Little West nicht aufwendig drapiert, schmecken aber wunderbar, da sie frisch zubereitet und stimmig sind. Zu trinken gibt es Espresso (2,20 Euro), Caffè latte mit Hafer- oder Sojamilch (4,80 Euro) oder frisch gepressten Orangensaft (4,60 Euro).Bereits wenige Wochen nach der Eröffnung ist das Café zu einem beliebten Treffpunkt im Viertel geworden. Sobald die Sonne scheint, setzen die Gäste sich auch an die Tische im ruhigen Innenhof. Ein Eichhörnchen springt vom Baum hinunter, Singvögel flattern vorbei, in einem Blumentopf dreht sich ein Windrad. Zudem wird in dem Lokal einmal im Monat ein Stricktreffen organisiert, auch das hat sich bereits herumgesprochen. Bilder auf dem Instagram-Account zeigen, dass beim letzten Mal jeder Tisch belegt war. Man selbst möchte beim nächsten Besuch unbedingt den Platz mit dem grünen Lehnsessel bei dem großen Lampenschirm ergattern. Lisa SonnabendA Little West, Westendstraße 87, 80339 München, Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 9 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen geschlossenEtisch: Zufällig auch veganDas Mega Superfood Müsli ist nur eine der vielen Frühstücksoptionen im Etisch. Stephan RumpfEs mag vielleicht nicht allen bekannt sein, doch in München gibt es einen Melting Pot. An der Schwanthalerhöhe, dort, wo sich Ganghoferstraße und Kazmaierstraße kreuzen, befindet sich Münchens kulinarischer und kultureller Schmelztiegel. Sein Name: Etisch. Beim Betreten des Cafés ist nicht ganz klar, worauf man sich hier einlässt. Ein Blick nach rechts führt zu den eindringlichen Augen eines Zebra-Gemäldes, ein Blick nach links gibt Anlass zur Frage, ob man nicht doch im Botanischen Garten gelandet ist, und auf dem Weg zur Bestell-Theke ist dort als Schutzsymbol das prangende Auge von Nazar nicht zu übersehen.„Einmal einen FSK bitte!“, sagt ein junger Mann in blau-weiß-gemustertem Hemd. Er bestellt damit keine freiwillige Selbstkontrolle, sondern einen „Fancy Schmäncy Kaffee“ – eine Kreation aus Chai, Kakao und Espresso gemischt mit Milch (6,50 Euro). Die heilige Dreifaltigkeit also. Fehlt nur noch der Matcha. Aber den gibt es selbstverständlich auch, er wird ganz charmant in einem Marmeladenglas serviert.Der Star der Speisekarte ist definitiv das „König:innen Frühstück Serpme“, das es allerdings nur am Wochenende gibt. Mit 19,90 Euro hat das königliche Frühstück zwar auch einen königlichen Preis, aber das royale Gefühl ist garantiert. Das Wort „Serpme“ kommt aus dem Türkischen und bedeutet so viel wie „verstreut“. Viele kleine Schälchen gefüllt mit einem Edelnuss-Mix, Tofu-Scramble, Paprika-Hummus, Sesamkringel, Oliven, Tomaten und Tahin-Pekmez stehen – verstreut – auf dem Tisch.Das süße Gebäck, das ebenfalls auf der Karte steht, schmeckt wie frisch aus einer Pariser Boulangerie, der Börek wie vom türkischen Basar in Istanbul. Das Mega Superfood Müsli (9,90 Euro) hält, was es verspricht und ist mit Chia-, Lein- und Hanfsamen ein wahrer Segen für die Darmflora. Falls es bei dem gustatorischen Spektakel doch langweilig werden sollte, gibt es eine kleine Auswahl an Büchern – von tibetischen Sagengeschichten bis zu Kafkas „Die Verwandlung“. Ebenso wie das Menü funktioniert die komplette Einrichtung des Cafés offenbar nach dem Mix-and-Match-Prinzip.Inhaberin Aylin Kunt hat Etisch im Februar 2024 eröffnet – zuvor befand sich dort das ebenfalls vegane Lokal Lono Vegan Deli. Stephan RumpfDie Inhaberin des Lokals ist die in Pasing geborene Aylin Kunt. Sie ist das menschliche Pendant zu Etisch. Sie lebte zehn Jahre lang in New York und hat sich ihr gastronomisches Wissen durch viele helfende Hände angeeignet, eine gastronomische Ausbildung hat sie nicht. Und braucht sie auch nicht, findet Kunt: Sie will das Lokal zusammen mit den Kundinnen und Kunden verändern. Der einzigartige Fancy Schmäncy Kaffee etwa entstand auf Anregung eines Stammkunden.Im Etisch kommen, wie der Name schon erahnen lässt, nur „ethische Gerichte“auf den Tisch. Bedeutet: Alles ist vegan. Die Inhaberin Kunt möchte sich dieses Merkmal allerdings nicht auf die Stirn schreiben. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass dies Menschen unnötig abschrecke. „Ich wollte einen Raum schaffen, wo es leckeres Essen gibt, das halt zufällig auch vegan ist.“Übrigens: Kunt selbst ist ausgebildete Yogalehrerin, weshalb sie im Etisch neben Speis und Trank auch verschiedene Arten von Yoga anbietet. Das passt perfekt zum nicht vorhandenen Konzept. Lena MittermayrEtisch, Kazmaierstraße 38, 80339 München, Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag 10 Uhr bis 16.30 Uhr, Mittwoch Ruhetag, Samstag 10 bis 16 Uhr, Sonntag und Feiertage 11 Uhr bis 16 UhrGood Greens Deli: Gesund und trotzdem leckerNeben den üblichen Kaffeevariationen stehen im Good Greens Deli auch Proteinshakes, frisch gepresste Säfte und Matchas auf der Karte (von links). Catherina HessSobald genug Fahrgäste zusammengekommen sind, dreht das Riesenrad gegenüber vom Good Greens Deli im Werksviertel seine Runden. Doch anders als die Touristenattraktion füllt sich das Café am Tag des Besuchs schnell. Da ist die junggebliebene Freundesgruppe, eine Familie, Freundinnen, die einander von den vergangenen Wochen berichten.Im Außenbereich hat sich das Good Greens Deli mit Metallstühlen dem Industriecharme des Werkviertels angepasst, die Innenrichtung mit weißen Tischen und den hellen Stühlen aus Holz ist schnörkellos und dabei doch nicht ungemütlich. Auf den Tischen stehen frische Tulpen, die Küche ist offen, gibt den Blick frei auf all die Gerichte, die man noch gerne bestellen würde. Zum Frühstück sind das vor allem verschieden belegte Brote. Hier ist, wie bei vielen anderen Gerichten der Name des Cafés übrigens Programm: Gesund, das beweist das Good Greens Deli, muss nicht weniger Geschmack bedeuten.Das hübsch angerichtete „Benedict O Mega Bread“ (13,90 Euro) etwa ist beladen mit Lachs, Spinat, Kirschtomaten und Senf-Dill-Hollandaise. Und das Wort beladen ist hier im besten aller Sinne zu verstehen: Endlich gibt es mal genug Soße. Zum Brot gibt es einen „Feeling da Beet“ (6,50 Euro), einen frischgepressten Saft aus Roter Bete, Apfel, Orange, Karotte, Ingwer und Zitrone, und einen Brownie, der genau den richtigen Grad an Süße hat.Neben Broten und Toasts (ab 8,90 Euro) gibt es eine Auswahl an Bowls (6,50 bis 12,50 Euro), warme Gerichte wie Shakshuka (13,50 Euro) oder einen Frühstücksburger (12,90 Euro). Viele Gerichte sind glutenfrei oder können auf Wunsch glutenfrei bestellt werden, das Brot dafür kommt von der Bäckerei echt jetzt. Generell ist hier viel vegan oder vegetarisch, es gibt aber auch Gerichte mit Fisch oder Fleisch.Viele der Gerichte sind vegetarisch oder vegan, auch glutenfrei ist im Good Greens Deli möglich. Catherina HessNeben den üblichen Kaffeevariationen kann man zwischen zwei Proteinshakes wählen: den „Berry Glow Kefir“ mit Erdbeeren, Datteln und Chiasamen oder den „Peanut Bliss“ mit Erdnussbutter, Banane, Zimt sowie ebenfalls Datteln und Chiasamen (ab 8 Euro). Wer etwas zum Anstoßen braucht, kann mit einem Glas Mimosa (6,50 Euro) in den Tag starten.Inhaberin Bianca Schauer erklärt das vielseitige Angebot damit, dass sie eine breite Zielgruppe erreichen wolle. Ihr Motto: „Iss alles, aber iss Qualität!“ Schauer ist es deshalb wichtig, dass die Gerichte, die sie serviert, viele Nährstoffe enthalten.Angefangen hat Good Greens Deli als Cateringservice, Schauer hat es 2014 gegründet. Sie habe das „leidenschaftlich gerne“ gemacht, sagt sie. „Nichtsdestotrotz war ich die Hetzjagd durch die Stadt im Kampf gegen die Zeit irgendwann leid.“ Stets habe sie mit Liebe Kisten gepackt, nie aber die Reaktion der Kunden gesehen. Caterings bietet Schauer noch heute an, seit Oktober 2025 steht das Café aber an erster Stelle – und ist seitdem der perfekte Ort zum Frühstücken im Werksviertel, egal ob man nun gerade vom Sport oder vom Feiern kommt. Asja WortmannGood Greens Deli, Atelierstraße 16, Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 8.30 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag von 9 bis 16 Uhr, Frühstück gibt es wochentags bis 11 Uhr, an Samstagen und Feiertagen den ganzen Tag.