Auch ein für ganz Italien typischer Negroni Sbagliato fehlt nicht, der „falsche Negroni“. Stephan RumpfEine tiefgrüne Eigenkreation ist das „Grüne Licht an der Frankreich-Italien-Grenze“, gemixt aus Calvados, Marsala und Curaçao. Stephan RumpfEine Auswahl von sechs unterschiedlichen Cicchetti gibt es für 12,90 Euro. Die Häppchen sind eine kleine Reise durch die Ideenwelt der Küche. Stephan RumpfKhrushchenko empfängt die Gäste mit ausgesuchter Freundlichkeit, nimmt Jacken und Mäntel ab, empfiehlt Weine und mixt Cocktails. Alexandra Ehrlich steht in der Küche. Ihre Leidenschaft gilt nicht nur dem Kochen, sondern auch dem Wein. Das zeigt sich vor allem an der fast etwas zu groß geratenen Flaschenweinkarte, die auf 14 Seiten eine beachtliche Auswahl versammelt, darunter etliche Flaschen kleinerer Winzer, die das Paar persönlich kennt. Auch eine Eigenkreation kann man bestellen: Das „Grüne Licht an der Frankreich-Italien-Grenze“, ein tiefgrüner Cocktail für 9,50 Euro, gemixt aus Papidoux Calvados VSOP, Marsala und Curaçao. Auch ein für ganz Italien typischer Negroni Sbagliato fehlt nicht, der „falsche Negroni“, bei dem Campari auf Vermouth Rubino und, anders als im echten Negroni, nicht auf Gin, sondern auf Prosecco trifft.Doch wie in den venezianischen Bacari sind die Getränke nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte heißt Cicchetti. Sechs Stück kosten 12,90 Euro und bieten eine kleine Reise durch die Ideenwelt der Küche. „Sarde e Limone“ verbindet Salzigkeit und Frische, „Peoci e Rabarbaro“ paart Muscheln mit der feinen Säure des eingelegten Rhabarbers, „Fragola e Basilico“ spielt mit scharf-salziger Erdbeere und Basilikum, „Mortadella mit Pesto“ schlägt einen aus Venedig vertrauten Ton an. Gerade die Mischung aus klassisch-italienischen Zutaten und unerwarteten Kombinationen macht den Reiz aus. Diese Lust am Ausprobieren hebt das Lokal, das für laue Sommerabende auch Tische im Freien hat, vom gefälligen Italien-Einerlei ab. Das Cicchetti & Vino übernimmt Venedigs schönste Idee: dass ein guter Abend mit einem Glas Wein oder einem Drink beginnt, mit ein paar kleinen Häppchen weitergeht – und oft viel später endet als geplant. Astrid BeckerCicchetti & Vino, Agnesstraße 2, Dienstag bis Freitag, 17 bis 23 Uhr, Samstag 17 bis 1 Uhr, cicchetti-und-vino.deMarina Monaco: Ein Yachthafen in MünchenDie kleinen Boote, die hier im Sand geparkt sind, kann man für mehr Privatsphäre reservieren. Catherina HessDie Marina Monaco fühlt sich mit dem See in der Mitte, den Booten im Sand und den Kaltgetränken ein wenig nach Urlaub an – dabei liegt der erste selbst postulierte Yachthafen Münchens auf einem alten Fabrikgelände am Frankfurter Ring. Urlaub am Mittelmeer, das ist tiefblaues Wasser, Wein, Oliven und ein kleiner Hafen mit schaukelnden Booten – und neuerdings eine Bar am Frankfurter Ring, so ein bisschen zumindest. In der Marina Monaco in Münchens Norden soll es laut Homepage nach „Urlaub am Mittelmeer aussehen“ und sich nach „Dolce far niente“ anfühlen, dem süßen Nichtstun.Als erster Yachthafen Münchens wird die Bar beworben, ein Ziel, das im April dieses Jahres noch einige auf Instagram für einen Aprilscherz hielten. Und ganz wörtlich darf man das mit dem Hafen tatsächlich nicht nehmen: In der Marina Monaco liegt weder ein Schiff im Wasser, noch könnte es irgendwohin schippern. Und doch erreicht man über einen Schotterweg eine etwa 4000 Quadratmeter große Grube, in der die Ende Mai eröffnete Strandbar liegt. Dort, auf einem ehemaligen Fabrikgelände neben der viel befahrenen Straße, dient sie als Zwischennutzung, bevor ab 2029 ein Gewerbequartier entsteht. Nachdem die Bauarbeiten allerdings im Norden beginnen, bleibt die Marina Monaco wohl insgesamt fünf Jahre.Für die Bar wurde ein künstlicher See angelegt, der von einem Holzsteg eingerahmt ist. Der See ist zwar nicht groß genug, um darüber zu schippern, aber die acht Kleinboote hier dienen auch nicht der Überfahrt. Sie liegen gestrandet im tonnenweise aufgeschütteten Sand um den See herum, an Bord können sich Gäste in privater Atmosphäre zusammensetzen. Wer sich eins für den Abend sichern will, kann online reservieren – und das ganz kostenlos. Darauf den Abend ausklingen zu lassen, fühlt sich laut einem Gast tatsächlich „ein bisschen wie in Italien“ an.Auf der Karte in der Marina Monaco stehen Slushies mit und ohne Alkohol. Catherina HessFürs extra Mittelmeer-Feeling bietet ein Foodtruck zudem Pinsa an. Catherina HessAnsonsten gibt es in der Marina Monaco auch Liegestühle sowie Lounges und Tische mit Bänken unter mehreren Pavillons. Über die Theke daneben werden nicht nur Helles (4,20 Euro) oder Longdrinks (ab 12,50 Euro) gereicht, sondern auch besonders erfrischende Slushies (ab 7 Euro), etwa in der Geschmacksrichtung Caipirinha. Fürs extra Mittelmeer-Feeling bietet ein Foodtruck zudem Pinsa (ab 12 Euro) und Eis (3,50 Euro) an. Aus Boxen kommt lässige Musik, im See plätschert eine Wasserfontäne.So wie manche Gäste in Sandalen, Flip-Flops oder sogar barfuß in der Strandbar unterwegs sind und wenn der Sonnenuntergang die Marina Monaco in einen orangefarbenen Ton taucht, könnte tatsächlich die Illusion eines Yachthafens an der Rivieria entstehen – wäre da nicht die Aussicht auf den Parkplatz, aufgeschüttete Kieshügel und die Baustelle hinter der Bar, die man je nach Sitzplatz hat. Dort sollen bis Herbst eine Sporthalle für Paddletennis und bis zum Frühjahr eine Soccer-Arena entstehen.Dass die Marina Monaco nicht ganz ans Mittelmeer herankommt, scheint kaum zu stören: Das Konzept kommt bei den Gästen gut an und wird an Werktagen etwa für Sommerfeste von Unternehmen gebucht. So ein Kurzurlaub mit der Firma ist ja schließlich auch nicht schlecht. Und im Winter, wenn Strand und See nicht mehr passen? Dann soll es dort Eisstockbahnen geben. Anna BoltenMarina Monaco, Frankfurter Ring 227, Mittwoch und Donnerstag von 16 bis 22 Uhr, Freitag von 16 bis 24 Uhr, Samstag von 15 bis 24 Uhr und Sonntag von 15 bis 22 Uhr. Abgesehen von den Kleinbooten ist die Bar barrierefrei, marinamonaco.deFigo Tagesbar: Urlaub vor dem UrlaubDie Figo Tagesbar kommt recht schick daher, passt aber dennoch in das eher alternative Westend. Johannes SimonDunkles Rot und Braun, diese beide Farben dominieren im Figo in der Schwanthalerstraße, aufgelockert hier und da durch Elemente aus Edelstahl und ein kleines, rot-weißes Poster mit der Aufschrift „Antifa Grill“ in Anlehnung an die italienischen Autobahn-Gaststätten auf dem Weg zum Klo. Im farblichen Kontrast dazu stehen die blauen Arbeitsjacken mit dem aufgestickten Logo auf der Brust, die die Kellnerinnen tragen. Und damit wäre optisch der Ton gesetzt für den gastronomischen Neuzugang: Die Figo Tagesbar mag ein wenig schicker daherkommen als ihr Vorgänger, das Bean Batter. Sie ist aber auch nicht zu schick für das immer noch eher alternative Westend.Ähnlich verhält es sich mit der Speisekarte: Einerseits findet man auf ihr zahlreiche italienische Klassiker wie Pappardelle mit Ragù und Bruschetta. Doch gerade beim Frühstück, das bis 15 Uhr serviert wird, wagen die Betreiber Enis Nart und Benjamin Jevtic einen Blick über Italien hinaus. Klassisch und dabei doch modern, ausgefallen und dabei doch lecker, so könnte man das kulinarische Konzept des Figo zusammenfassen. Die beiden Gastronomen und Freunde Nart und Jevtic, die schon im Café Zeitgeist und der Bar Lucky Who zusammengearbeitet haben, sagen selbst, ihnen gehe es vor allem um ein „Lebensgefühl“: um gute Zutaten, einfache Gerichte und eine entspannte Atmosphäre.French Toast mal anders: In der Figo Tagesbar wird das Brioche in gemahlenen Pistazien gewendet und mit einer Ricottacreme und eingelegten Zitronen serviert. Johannes SimonDas Avocado-Brot wird in der Figo Tagesbar mit einem pochierten Ei, eingelegten Zwiebeln und Kiwi serviert. Johannes SimonEnis Nart (im Bild) betreibt die Figo Tagesbar gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Benjamin Jevtic. Gemeinsam wollen die beiden ein entspanntes Lebensgefühl transportieren. Johannes SimonSo wird das Egg Benni (14,50 Euro), wie sie Egg Benedict hier nennen, zwar wie üblich mit Sauce Hollandaise serviert. Statt Räucherlachs oder Kochschinken wird die Brioche aber mit Pancetta, einem italienischen Bauchspeck, belegt, dazu kommen Blattspinat und Parmesan. Oder das Avocado-Brot (13 Euro): Hier verleihen Kiwis und eingelegte Zwiebeln der sehr fein pürierten Avocadocreme und dem pochierten Ei auf dem Vollkornbrot den gewissen Kick. Für alle, die es morgens süß mögen, stehen eine Açai-Bowl (9,50 Euro), Tiramisu Oats (10,50 Euro) oder ein French Toast (12 Euro) auf der Karte. Letzterer klingt besonders verlockend: Statt mit roten Beeren und Ahornsirup wird die goldbraun gebratene Brioche im Figo in gemahlenen Pistazien gewendet und mit einer Ricottacreme und eingelegten Zitronen serviert, hübsch dekoriert mit einem Minzblatt. Kein Zweifel: Das Auge isst im Figo mit.Ähnlich wie am Autogrill an den italienischen Raststätten, die auf dem Weg gen Süden den Urlaub einläuten, bekommt man auch in der Tagesbar keinen Specialty Coffee. Der Espresso doppio (3 Euro) und der Cappuccino (3,50 Euro) werden mit Saquella Kaffee serviert und kommen noch dazu ganz ohne aufwendige Latte-Art aus. Gegen den Durst sind außerdem zu empfehlen: die hausgemachte Zitronen-Ingwer-Limonade und der Zitroneneistee (je 4,50 Euro), den man wahlweise auch in den Geschmacksrichtungen Pfirsich, Bergamotte oder Lavendel hätte haben können. Weniger italienisch, dafür sehr zeitgeistig stehen freilich auch die üblichen Matcha-Kreationen auf der Karte.Und nachdem das Figo ja eine Tagesbar ist, kann man hier, gerade am Wochenende, auch bestens vom Frühstück gleich zum Aperitif übergehen, wahlweise mit einem Bellini (10 Euro), sprich Prosecco mit einem Püree aus weißen Pfirsichen, einem Limoncello Spritz (7,50 Euro) oder, wenn es etwas mehr knallen soll, auch mit einem Espresso Martini (12 Euro). Für alle, die alkoholfrei unterwegs sind, gibt es als Alternative zur Limo auch ein 0,0-Peroni (3,50 Euro). Dazu noch ein Teller Honigmelone mit Parmaschinken, und man kann sich fast den Weg über den Brenner sparen – oder zumindest die Zeit bis zum nächsten Urlaub überbrücken. Jacqueline LangFigo, Schwanthalerstraße 123, Dienstag bis Samstag 10 bis 22 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr, figowestend.de
Wie im Italien-Urlaub: Gastro-Tipps für München 2026
Drinks und Häppchen wie in Venedig, ein Hafen mitten in der Stadt und ausgefallene italienische Frühstückskreationen: drei besondere Münchner Cafés gegen Fernweh.








