Es mag vielleicht nicht allen bekannt sein, doch in München gibt es einen Melting Pot. An der Schwanthalerhöhe, dort, wo sich Ganghoferstraße und Kazmaierstraße kreuzen, befindet sich Münchens kulinarischer und kultureller Schmelztiegel. Sein Name: Etisch. Beim Betreten des Cafés ist nicht ganz klar, worauf man sich hier einlässt. Ein Blick nach rechts führt zu den eindringlichen Augen eines Zebra-Gemäldes, ein Blick nach links gibt Anlass zur Frage, ob man nicht doch im Botanischen Garten gelandet ist, und auf dem Weg zur Bestell-Theke ist dort als Schutzsymbol das prangende Auge von Nazar nicht zu übersehen.„Einmal einen FSK bitte!“, sagt ein junger Mann in blau-weiß-gemustertem Hemd. Er bestellt damit keine freiwillige Selbstkontrolle, sondern einen „Fancy Schmäncy Kaffee“ - eine Kreation aus Chai, Kakao und Espresso gemischt mit Milch (6,50 Euro). Die heilige Dreifaltigkeit also. Fehlt nur noch der Matcha. Aber den gibt es selbstverständlich auch, er wird ganz charmant in einem Marmeladenglas serviert.Der Star der Speisekarte ist definitiv das „König:innen Frühstück Serpme“, das es allerdings nur am Wochenende gibt. Mit 19,90 Euro hat das königliche Frühstück zwar auch einen königlichen Preis, aber das royale Gefühl ist garantiert. Das Wort „Serpme“ kommt aus dem Türkischen und bedeutet so viel wie „verstreut“. Viele kleine Schälchen gefüllt mit einem Edelnuss-Mix, Tofu-Scramble, Paprika-Hummus, Sesamkringel, Oliven, Tomaten und Tahin-Pekmez stehen – verstreut – auf dem Tisch.Das süße Gebäck, das ebenfalls auf der Karte steht, schmeckt wie frisch aus einer Pariser Boulangerie, der Börek wie vom türkischen Basar in Istanbul. Das Mega Superfood Müsli (9,90 Euro) hält, was es verspricht und ist mit Chia-, Lein- und Hanfsamen ein wahrer Segen für die Darmflora. Falls es bei dem gustatorischen Spektakel doch langweilig werden sollte, gibt es eine kleine Auswahl an Büchern – von tibetischen Sagengeschichten bis zu Kafkas „Die Verwandlung“. Ebenso wie das Menü funktioniert die komplette Einrichtung des Cafés offenbar nach dem Mix-and-Match-Prinzip.Mit seinen vielen Pflanzen und bunter Einrichtung ist das Etisch eine wahrhaftige Villa Kunterbunt. Stephan RumpfDas „König:innen Frühstück Serpme“ gibt es nur an Wochenenden. Stephan RumpfDie Inhaberin des Lokals ist die in Pasing geborene Aylin Kunt. Sie ist das menschliche Pendant zu Etisch. Sie lebte zehn Jahre lang in New York und hat sich ihr gastronomisches Wissen durch viele helfende Hände angeeignet, eine gastronomische Ausbildung hat sie nicht. Und braucht sie auch nicht, findet Kunt: Sie will das Lokal zusammen mit den Kundinnen und Kunden verändern. Der einzigartige Fancy Schmäncy Kaffee etwa entstand auf Anregung eines Stammkunden.Im Etisch kommen, wie der Name schon erahnen lässt, nur „ethische Gerichte“auf den Tisch. Bedeutet: Alles ist vegan. Die Inhaberin Kunt möchte sich dieses Merkmal allerdings nicht auf die Stirn schreiben. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass dies Menschen unnötig abschrecke. „Ich wollte einen Raum schaffen, wo es leckeres Essen gibt, das halt zufällig auch vegan ist.“Übrigens: Kunt selbst ist ausgebildete Yogalehrerin, weshalb sie im Etisch neben Speis und Trank auch verschiedene Arten von Yoga anbietet. Das passt perfekt zum nicht vorhandenen Konzept.Etisch, Kazmaierstraße 38, 80339 München, Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag 10 Uhr bis 16.30 Uhr, Mittwoch Ruhetag, Samstag 10 bis 16 Uhr, Sonntag und Feiertage 11 Uhr bis 16 Uhr