Wer die Occamstraße in München entlangschlendert, bleibt vor den großen Fenstern des kleinen Cafés „Haus 12 Longevity“ stehen. „Opening 28 March“ steht unter dem Namen – ein Datum, das für Sophie Gradow mehr als eine Eröffnung war. Es war eine Entscheidung für ein Leben, von dem sie, wie die 28-Jährige sagt, jahrelang geträumt hatte, sich aber nicht zu realisieren traute.Im Inneren lässt sich das Haus 12 schwer einordnen: Es ist ein Café, in dem man einkaufen kann, und ein Laden, in dem man etwas trinken und essen kann. An einem langen, massiven Holztisch arbeiten Menschen am Laptop, andere gönnen sich eine Pause. Bei gutem Wetter steht auch mal ein kleinerer Tisch vor der Tür. Das Ambiente ist minimalistisch, aber nicht karg, sondern freundlich und hell.In den Regalen stehen Produkte mit kurzen Zutatenlisten: keine Konservierungsstoffe, keine künstlichen Aromen, kein raffinierter Zucker. Einige Lieferanten kommen aus München, alle scheinen sorgfältig ausgewählt zu sein. Verkauft wird hier nicht nur, was gut schmeckt, sondern auch die Idee, den eigenen Körper möglichst bewusst zu versorgen und ihm so zu einem langen, gesunden Leben zu verhelfen. Longevity eben.Damit trifft das Haus 12 den Zeitgeist. Food und Health verbinden sich zu einem Lebensstil, in dem Matcha, Kollagen, Superfoods und funktionale Zusätze für Achtsamkeit und Selbstfürsorge stehen. Wer sich auf Instagram mit gesunder Ernährung beschäftigt, dürfte sich hier sofort angesprochen fühlen. Was auf dem Tisch steht, lässt sich schließlich nicht nur konsumieren, sondern auch fotografieren und teilen.Auch der „Everglow“ für zehn Euro folgt diesem Muster. Mango, Ananas, Sanddorn, Kurkuma, Kokosreismilch, Amlabeere und Astaxanthin ergeben einen fruchtigen, leichten Drink. Auf der Kreidetafel stehen die Zutaten allerdings auf Englisch. Dass „turmeric“ Kurkuma bedeutet, dürfte wahrscheinlich nicht jedem auf Anhieb geläufig sein. Aber dass das alles so formuliert ist, offenbart, an wen sich das Angebot richtet: an ein internationales und wellnessorientiertes Publikum.Auf der Speise- und Getränkekarte stehen unter anderem (v. hinten li.) Brainboost Tiramisu Oats, der Longevity Booster Smoothie (ein Sommerspecial), der Iced Matcha Latte, (vorne li.) der vegane und glutenfreie Lemon Passionsfruit Raw Cake und das Collagen Booster Bircher Müsli. Catherina HessEin langer Tisch aus Holz bietet Platz zum Arbeiten, aber auch zum Austausch. Catherina HessZu kaufen gibt es diverse Gesundheitsprodukte. In einem Kühlregal finden sich zudem Milchalternativen, Obst und Gemüse, aber auch frisch zubereitete Speisen des Lokals zum Mitnehmen. Catherina HessAm deutlichsten zeigt sich das am Matcha-Latte. Er wird aus hochwertigem japanischem Pulver zubereitet und mit Kokosreismilch aufgeschlagen. Die geeiste Variante schmeckt dezent süß und erfrischend. Für diejenigen, denen das nicht genügt, gibt es Agavensirup. Sechs Euro kostet die einfache Version, sieben Euro die mit Spirulina oder Fruchtpüree, acht Euro mit Kokoswasser. In Online-Portalen und auf Instagram nennen manche Gäste ihn bereits „den besten der Stadt“.Auch beim Essen bleibt das Haus 12 seiner Linie treu. Der glutenfreie Chocolate Protein Chia Pudding und das Collagen Booster Bircher Müsli mit Vanille Protein, Mandelcreme, Beeren, Apfel und Zimt – beides natürlich vegan – kosten jeweils acht Euro. Sophie Gradow erzählt gern, was in den Schalen steckt und was die einzelnen Zutaten bewirken sollen. Sie tut das ruhig und ohne erhobenen Zeigefinger. Das passt zu einem Angebot, das mit vielen Gesundheitsversprechen arbeitet – auch wenn nicht jedes davon leicht zu überprüfen ist.Bald gibt es zudem herzhafte Brote aus Bio-Sauerteig, auch in einer glutenfreien Variante (12 bis 15 Euro). Belegt werden sie beispielsweise mit Miso-Champignons, Hummus, Pumpkin Seed Crunch, Chili-Sesam-Öl und Frühlingszwiebeln. Dazu gibt es Toppings wie Tempeh, Tofu Scramble oder Ei, die man für zwei bis drei Euro dazu bestellen kann. Die Brote, die es vom 1. August an geben soll, werden der Karte guttun, die sonst stark von Süßem, Smoothies und Superfoods lebt – und jedermanns Sache dürfte das nicht immer sein. Auch einen Cappuccino bekommt man, auf Wunsch sogar mit Bio-Kuhmilch – was den Laden ein wenig alltagstauglicher macht, ohne aber die Idee dahinter aufzuweichen.Billig ist das Haus 12 allerdings nicht. Aber wer dort einkehrt, will wahrscheinlich ohnehin nicht nur für Zutaten und Zubereitung zahlen, sondern auch für eine bestimmte Vorstellung von Qualität und Gesundheit: bewusst, schön angerichtet und passend zum derzeit modernen Lifestyle.Haus 12 Longevity, Occamstraße 12, Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 8 bis 18 Uhr, samstags 9 bis 17 Uhr