Die Ukraine greift gezielt russische Raffinerien an, Benzin wird landesweit knapp. Auch in Sankt Petersburg bilden sich jetzt Schlangen vor Tankstellen.

Lange Warteschlangen an einer Rosneft-Tankstelle in Moskau

S eit den massiven ukrainischen Angriffen auf Ölraffinerien bis weit hinter dem Ural lassen sich russische Tankstellen in zwei Kategorien aufteilen – entweder gibt es dort Benzin oder es gibt keines. Au­to­fah­re­r*in­nen in Russland machen zunehmend die Erfahrung, dass der gewünschte Kraftstoff nicht mehr verfügbar ist. Der Spritpreis ist da fast schon nebensächlich.

Manche Menschen verlieren wegen der Benzinknappheit jetzt schon die Nerven. Auf Social Media gehen Szenen mit heftigen Beschimpfungen und Handgreiflichkeiten an Tankstellen viral. Anders als in einigen abgelegenen Regionen Russlands bilden sich in Sankt Petersburg zumindest keine kilometerlangen Autoschlangen, aber es kommt durchaus vor, dass sich ein oder zwei Dutzend Wagen diszipliniert aneinanderreihen.

Vor einer Temoil-Tankstelle, die zum russischen Mineralölkonzern Lukoil gehört, stehen am frühen Mittwochnachmittag über 40 Pkws. Noch gibt es dort alle handelsüblichen Benzinsorten. „Ob es für alle reicht, weiß ich nicht, weil heute nur eine Lieferung kam“, kommentiert ein Mitarbeiter, der über den ordnungsgemäßen Ablauf beim Tanken wacht. Auf Nachfrage nach den Perspektiven für die kommenden Tage winkt er ab. „Für morgen mache ich keine Versprechungen.“