PfadnavigationHomePanorama„Citizen Vigilante“„Jury aus älteren woken Liberalen“ – Uwe Boll legt gegen die FSK nachVon Dominik LippeRedakteur Nachrichten und GesellschaftStand: 17:35 UhrLesedauer: 4 MinutenUwe Boll mit seinem Hauptdarsteller Armie Hammer und Schauspieler Costas Mandylor (v.l.n.r.)Quelle: quiver distributionDie FSK lässt „Citizen Vigilante“ nur im Kino laufen, für Streaming bleibt der Film ohne Kennzeichen. Regisseur Boll schimpft über die Jury, während sich sein Hauptdarsteller entsetzt von dem Werk zeigt und ein FSK-Prüfer es mit „Radikalisierungsbiografien“ à la Anders Breivik vergleicht.Er hatte den Vorgang als „indirekte Zensur“ bezeichnet. Zweimal hatte die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) dem Film „Citizen Vigilante“ von Uwe Boll eine Freigabe verweigert. Im dritten Anlauf hat es funktioniert: Dem umstrittenen Selbstjustiz-Thriller wurde eine Freigabe ab 18 Jahren für die Kinoauswertung erteilt. Für den Bereich Home Entertainment sei hingegen ein separates Prüfverfahren erforderlich, wie die FSK auf ihrer Homepage schreibt. Der Appellationsausschuss habe in diesem Fall am 7. Juli 2026 kein Kennzeichen erteilt. Boll beklagte auf der Plattform X, dass „Citizen Vigilante“ damit noch immer für Blu-ray- und Streaming-Veröffentlichungen „verboten“ sei. „Als ich die Jury aus älteren woken Liberalen sah, wusste ich, dass sie es nicht zulassen würden“, kommentierte er.Die fehlende FSK-Freigabe stellt jedoch kein Verbot dar. Alternativ könnte Boll die Juristenkommission der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO/JK) anrufen, die den Film nach rein strafrechtlichen Kriterien bewerten würde. Mit den Siegeln „strafrechtlich unbedenklich“ oder „keine schwere Jugendgefährdung“ ließe sich der Action-Thriller an Erwachsene verkaufen. Filme wie der südkoreanische Action-Horrorfilm „Project Wolf Hunting“ erschienen auf diesem Weg hierzulande. Lesen Sie auchIn einem Gastbeitrag für die „Berliner Zeitung“ gab der ehrenamtliche FSK-Prüfer Stefan Piasecki Einblick in den Vorgang. „Einem Film die FSK-Kennzeichnung zu versagen, ist kein staatliches Verbot. Erwachsene dürfen den Film besitzen und sehen“, schildert der Soziologe darin. „Praktisch aber bedeutet ‚Keine Kennzeichnung‘ einen erheblichen Einschnitt. Große Plattformen, Händler, Kinos und Fernsehsender meiden solche Titel häufig. Ein Film verschwindet damit zwar nicht aus der Welt, aber aus ihrer sichtbaren Mitte.“Bolls Vorwurf, die Organisation sei voreingenommen und links-grün geprägt, bezeichnet Piasecki als „scharf“. Der Regisseur verkürze „die Struktur der FSK, wenn er sie als ideologisch geschlossenes Milieu“ beschreibe. „An Prüfungen sind nicht allein Personen des öffentlichen Lebens beteiligt, sondern auch von der FSK berufene Prüfer sowie ständige Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden. Das macht die Entscheidungen nicht unangreifbar. Es widerlegt aber das Bild einer geheimen Gesinnungsbehörde.“Lesen Sie auchNeben der Haltung des Regisseurs seien die „historischen und politischen Deutungsmuster“ für die Wirkung eines Films entscheidend. Im Falle von „Citizen Vigilante“ liege eine Nähe der Hauptfigur zu „realen Radikalisierungsbiografien“ von Anders Behring Breivik oder dem Amokläufer von Hanau vor. „Wer sie verstehen will, muss ihre Bilder, Erzählungen und Selbstrechtfertigungen analysieren, um ihnen wirksamer widersprechen zu können. Die stärkste Antwort wäre vielleicht von Anfang an Sichtbarkeit unter Widerspruch gewesen.“Kritiker bewerteten Bolls „Citizen Vigilante“ weitgehend negativ. „In politischer Hinsicht“ sei der Film „noch mal deutlich enthemmter als seine früheren Videospieladaptionen und in ihrer handwerklichen Unbeholfenheit eher unfreiwillig komischen Genrefilme“, urteilte etwa der „Tagesspiegel“. Der Regisseur habe „die in der deutschen Kulturszene erbittert geführte Debatte um die ‚Kunstfreiheit‘ damit um eine niederträchtige Pointe bereichert“, beklagte Redakteur Andreas Busche.Lesen Sie auchDer „inszenierte Kulturkampf“ habe „ein handwerklich wie moralisch desolates Machwerk zum globalen Ereignis aufgeblasen, das es ohne den Skandal nie geworden wäre“, beanstandete das Onlinemagazin „Telepolis“. „Wer ‚Citizen Vigilante‘ tatsächlich anschaut, erlebt keine mutige Gesellschaftskritik, wie etwa bei ‚V wie Vendetta‘, sondern die Allmachtsfantasie eines wildgewordenen Spießbürgers.“Lesen Sie auchAuch Hauptdarsteller Armie Hammer soll seinen Unmut über das Werk geäußert haben. Branchenjournalist Matthew Belloni berichtete mit Verweis auf eine Person aus dem Umfeld des Schauspielers, dass dieser entsetzt gewesen sei. „Als er es zum ersten Mal sah, war er in Tränen aufgelöst“, habe die Quelle Belloni geschildert. „Er rief mich an und sagte: ‚Verdammt. Das ist hasserfüllt, widerlich.‘“ Beim Endprodukt handele es sich nicht um jenen Film, den er sich vorgestellt hätte. Hammer hatte einst mit Clint Eastwood („J. Edgar“), David Fincher („The Social Network“) oder Luca Guadagnino („Call Me by Your Name“) gedreht, bevor Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs und Chatverläufe mit kannibalistischen Fantasien seine Karriere vorerst beendeten. „Armie hat den Dreh und das Projekt genossen“, behauptete nun der Regisseur seines Comeback-Films als Reaktion auf die Medienberichte. „Armie ist ein großartiger Schauspieler, und ich war froh, ihn für den Film gewinnen zu können. Ich glaube, er freut sich über den Erfolg.“ Zudem habe der Schauspieler den Film bereits im Schneideraum sehen können. Unterdessen spielt Uwe Boll bereits öffentlich mit dem Gedanken, eine Fortsetzung zu drehen. Laut erstem Plakatentwurf könnte der Film in den Vereinigten Staaten spielen – und erneut mit Hammer in der Hauptrolle aufwarten. Noch habe er nicht ernsthaft mit ihm über ein potenzielles Franchise gesprochen, erklärte der Regisseur im PBD Podcast. „Ich bin sicher, wir machen das – und wenn Armie nicht den Verstand verloren haben sollte, kommt er natürlich zurück.“
„Citizen Vigilante“: „Jury aus älteren woken Liberalen“ – Uwe Boll legt gegen die FSK nach - WELT
Die FSK lässt „Citizen Vigilante“ nur im Kino laufen, für Streaming bleibt der Film ohne Kennzeichen. Regisseur Boll schimpft über die Jury, während sich sein Hauptdarsteller entsetzt von dem Werk zeigt und ein FSK-Prüfer es mit „Radikalisierungsbiografien“ à la Anders Breivik vergleicht.








