PfadnavigationHomePanoramaUwe Boll bei „Hopf & Kettner“„Wenn man so‘n Typ nicht an Ort und Stelle exekutiert, hat man nicht mehr alle Tassen im Schrank“Von Dominik LippeRedakteur Nachrichten und GesellschaftStand: 19:18 UhrLesedauer: 5 Minuten„Ich will, dass der Film erfolgreich wird, aber ich will natürlich auch, dass das Thema endlich mal ernst genommen wird“, sagt BollQuelle: picture alliance/dpa/Bolu Filmproduktions- und Verleih GmbHUwe Boll attackiert im Podcast „Hopf & Kettner“ den Rechtsstaat, die Medien und die Migrationspolitik. Sein Selbstjustiz-Thriller „Citizen Vigilante“ erhält keine FSK-Freigabe. Der Regisseur spricht von „indirekter Zensur“ – und setzt auf einen weiteren Termin bei der Filmorganisation.Er geht keiner Konfrontation aus dem Weg. Bereits vor 20 Jahren hat der oftmals als „schlechtester Regisseur der Welt“ bezeichnete Uwe Boll seine Kritiker ins ‚Plaza of Nations‘ in Vancouver eingeladen, um gegen ihn zu boxen. „Das hat Spaß gemacht“, erinnert er sich im Podcast „Hopf & Kettner“. Gegenwärtig schlägt sich der Filmemacher mit einem anderen Gegner herum. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft hat darauf verzichtet, seinem Film „Citizen Vigilante“ eine Alterskennzeichnung zuzuordnen. Dadurch kann der Selbstjustiz-Thriller nur sehr eingeschränkt Verbreitung finden.Der Film begleitet den von Armie Hammer gespielten Sanders, der vornehmlich Jagd auf straffällig gewordene Migranten macht und nebenbei Richter, eine SWAT-Einheit und gänzlich Unbeteiligte tötet. Das alles geschieht im Namen der Demokratie, wie der Film weismachen möchte. In einer Schlüsselszene sucht die Hauptfigur eine Familie auf, deren Sohn an einer Gruppenvergewaltigung beteiligt war. Dessen Vater nimmt den Jugendlichen mit Verweis auf familiäre Werte in Schutz, dessen Schwester klagt über die leichte Bekleidung des Opfers. Anklagend hält Sanders ihnen ihr „archaisches Wertesystem“ vor, das sie über Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stellten, – und erschießt alle vier. Es handele sich um „sehr grafische, brutale Szenen“, räumte Philip Hopf im Podcast ein. Ein „Gefühl der Ablehnung“ habe er jedoch nicht verspürt. Vielmehr habe „diese tonnenhafte Last des Unrechts, das seit Jahren über uns ist“, dafür gesorgt, dass „es einem fast wohlig ums Herz wurde“. Wenn er sich selbst reflektiere, halte er das eigene Gefühl für schlimm. Warum habe sich der Regisseur dafür entschieden?Lesen Sie auch„Wir können es einfach nicht mehr fassen, was hier in allen Bereichen abgeht“, beanstandete Boll. Ob Caren Miosga, Dunja Hayali oder Jan Böhmermann: Die Öffentlichkeit werde über das Schlüsselthema Migration „berieselt“ und „belogen“. „Alle Fernsehspiele in ARD und ZDF zeigen immer nur den sensationellen Migranten, der sich total positiv entwickelt hat“, rügte der Regisseur. „Mich hat das alles wirklich so angekotzt, diese ganze Leugnung dieser ganzen öffentlich-rechtlichen Sender, dass sie das nie zugeben, dass sie versuchen, das zu sugarcoaten.“„Wir zahlen unsere Steuern, damit die jeden Monat Bürgergeld kriegen – und acht Kinder kriegen können“, warf er Zugewanderten pauschal vor. Zugleich seien jene für Massenvergewaltigungen und Messerstechereien verantwortlich. Gegen die pausenlos laufende „Kampagne“ der „Massenmedien“ helfe lediglich, mit einem solchen Film dagegenzuhalten. „Wenn wirklich, sagen wir mal, Islamisten 50 Prozent der Bevölkerung erreicht haben, ist es eben leider wahrscheinlich für uns alle zu spät.“Lesen Sie auchAnstelle des Lügenpresse-Vorwurfs hätte es Boll eventuell geholfen, selbst einen Blick in die Zahlen zu werfen. Hochrechnungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zufolge lebten im vergangenen Jahr zwischen 6,6 und 7 Millionen muslimische Religionsangehörige in Deutschland. Damit bekennen sich knapp 8 Prozent der Gesamtbevölkerung zum Islam. In der von Boll befürchteten radikalisierten Variante geht der Verfassungsschutz laut jüngstem Bericht von 28.645 Personen mit Islamismuspotenzial aus. Zu den „Gefährdern“ im Bereich islamistischer Terrorismus zählt das Bundeskriminalamt wiederum 420 Personen. Fraglos eine Gruppe, mit der sich die Justiz auseinandersetzen muss, aber eben weit entfernt von der veranschlagten absoluten Mehrheit.Lesen Sie auchDoch insbesondere mit der Gerichtsbarkeit schien der Filmemacher auf Kriegsfuß zu stehen. „Warum nutzen wir die bestehenden Gesetze nicht, um zu sagen: Guck mal hier, wir haben den erwischt, wie der da mit der Axt durch die Innenstadt gelaufen ist. Der wird dem Richter vorgeführt und abgeschoben. Innerhalb von drei Tagen ist der weg“, schlug er vor. Dafür seien keine „30.000 psychologischen Gutachten“ vonnöten. „Warum wird ein Riesenprozess, der 10 Millionen kostet, mit dem Typ gemacht aus Saudi-Arabien, der in den Weihnachtsmarkt reingefahren ist? Mit einem eigenen Gerichtssaal, der gebaut wird.“Lesen Sie auchDer Attentäter von Magdeburg könne sich ohnehin nur darauf berufen, traumatisiert zu sein. „Jetzt müssen wir mal 10 Millionen ausgeben, damit er durch verschiedene psychologische Institutionen läuft, und dann in zehn Jahren ist er wieder frei und fährt wieder mit dem Auto in den Weihnachtsmarkt“, prognostizierte Boll. Er empfahl dem gegenüber, sich in rechtlichen Fragen an das Herkunftsland des Täters zu wenden: „Das ist ein Massenmörder, viel Spaß Saudi-Arabien, ihr wisst ja, wie man so Leute vor Gericht stellt.“Der Rechtsstaat – immerhin ein Grundpfeiler der liberalen Demokratie, die „Citizen Vigilante“ hochzuhalten vorgibt – ist in Bolls Wahrnehmung lästig und unnötig. „Absichtlich“ verzichte er darauf, tödliche Messergewalt zu ahnden, raunte der Regisseur. Er plädierte bei Gewaltverbrechen für letale Maßnahmen ohne juristische Umwege: „Wenn man so’n Typ nicht an Ort und Stelle exekutiert, dann hat man nicht mehr alle Tassen im Schrank.“ Lesen Sie auchDurch seinen Film werde jedoch kein Zuschauer Amok laufen, versicherte er. Er hofft noch immer auf eine FSK-Alterskennzeichnung. Auch wenn die „linken Filmleute“ von der Zeit und der Süddeutschen behaupteten, dass der Film keinem Verbot unterliege, führe die fehlende Altersfreigabe dazu, dass „Citizen Vigilante“ weder als DVD bei Müller oder Media Markt stehe noch im Streaming-Angebot von Amazon oder Apple zu finden sei. Er könne den Film nur selbst „unter dem Tisch im Sexshop“ an Volljährige „verkloppen“, monierte er. „Da will ich mal den Vertrieb sehen, der das flächendeckend durchziehen will. Und das ist natürlich nichts anderes als eine indirekte Zensur.“Am 7. Juli werde er mit seinem Rechtsanwalt zu einem dritten Screening bei der FSK in Wiesbaden erscheinen. „Da werden wir hoffen, dass wir eine ‚Ab 18‘ kriegen“, sagte der Regisseur. Immerhin stehe der Termin für die Organisation unter anderen Vorzeichen. „Alle, die da sitzen, wissen natürlich, hier ging weltweit die Lutzi ab.“ Boll bemüht sich bei alledem nicht nur, als Kämpfer in eigener Sache aufzutreten, sondern sich als Überzeugungstäter in Szene zu setzen. „Ich will, dass der Film erfolgreich wird, vollkommen klar. Aber ich will natürlich auch, dass das Thema endlich mal ernst genommen wird, dass die Sorgen der Leute ernst genommen werden.“