Man würde denken, dass Presse-Essen um Welten besser sind als das Erlebnis für normale Gäste. Nicht ganz zu Unrecht. Oft genug sitze ich bei solchen Veranstaltungen und gebe zu: Wir Gastrokritikerinnen und -kritiker werden dort sehr gut behandelt. Man fährt uns die ganze Bandbreite der besten Gerichte auf, der Service rackert sich scheinbar unangestrengt ab, das Küchenteam erscheint persönlich, der Inhaber plaudert charmant ein paar Anekdoten aus.

Manchmal verhält es sich allerdings auch andersherum. Dann wirkt so ein Presse-Essen etwas lieblos, hektisch oder banal. Sehr selten geht es sogar komplett nach hinten los. Ich kann es nicht beschönigen: Im Fall der Ende April eröffneten Théodor Brasserie war genau das passiert.

Nicht, weil der Service nicht genug gelächelt hätte. Nicht, weil der Inhaber Yoram Roth und seine Hospitality Group die neue Brasserie nicht charmant präsentiert hätten. Die Geschichte dahinter ist in der Tat gut: Das ehemalige Mommsen-Eck, für viele West-Berliner jahrzehntelang der Treffpunkt für den ersten Kaffee am Morgen und den letzten Drink am Abend, soll mit dem Théodor als Brasserie wieder zu dieser Art Wohnzimmer werden.

Das Essen war eine Katastrophe

Auch der Küchenchef Michael Czernetzki kam persönlich an die Tische und erklärte seine Philosophie: französischer Genuss von der Côte d’Azur bis zur Normandie, blablabla – großzügig gedacht, hedonistisch, üppig und voller Freude am gemeinsamen Essen. Exzellente Produkte, große Aromen und die Überzeugung, dass manchmal mehr tatsächlich einfach mehr ist. All das also bekommt die Bestnote.