Auch drei Stunden nach dem ersten Alarm dringen am Mittwochnachmittag noch schwer bewaffnete und hoch gerüstete Polizisten in die flachen Gebäude des Schulzentrums im oberbayerischen Schongau ein. Die Polizei will ganz sichergehen, dass auf den Gängen und in den Klassenzimmern keine Mittäter oder Nachahmer unterwegs sind.Den 16-Jährigen, der nach Polizeiangaben offenbar um kurz vor ein Uhr am Welfen-Gymnasium zwei Schülerinnen mit einem Messer schwer verletzt hat, haben Lehrkräfte und die ersten eintreffenden Beamten schnell festgesetzt, nur 17 Minuten, nachdem der Amok-Alarm an der Schule ausgelöst worden war. Doch die Aufregung und der Schock werden lange nachwirken in der 13 000-Einwohner-Stadt am Lech. Denn hätte die Pistole des Amokläufers nicht nach einem Schuss versagt, dann hätte alles noch viel schlimmer kommen können.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Etwa 150 Polizisten sind am Mittwoch in Schongau im Einsatz, dazu noch einmal ähnliche viel Kräfte von Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Kriseninterventionsteams, die Schülerinnen, Schüler, Eltern und Lehrkräfte betreuen. Viele stehen unter dem Eindruck der Tat und des Amokalarms, der gegen 12.50 Uhr das Welfen-Gymnasium aufgeschreckt hat. Manche von ihnen gelten daher ebenfalls als Verletzte, einige sind deswegen regelrecht kollabiert.Die beiden 13-jährigen, auch körperlich schwer verletzten Mädchen sind am Nachmittag außer Lebensgefahr. Sie liegen mit Stichwunden im Krankenhaus. Doch der Tag hätte in Schongau noch viel schrecklicher verlaufen können. Der mutmaßliche Täter, ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums, hatte nach ersten Angaben der Polizei eine Pistole bei sich. Erst am Abend macht Bundesinnenminister Alexander Dobrindt die Information öffentlich, dass der 16-Jährige mit dieser Waffe auch einen Schuss abgegeben hat.Anschließend habe die Waffe versagt, so dass der mutmaßliche Täter seinen Amoklauf mit dem Messer fortgesetzt habe. Die beiden schwer verletzten Mädchen bezeichnet Dobrindt als „Zufallsopfer“. Ob und wie gut der Täter und sie einander kannten, bleibt offen.Den genauen Tatort nennt die Polizei nicht. „An der Schule“ lautet ihre Sprachregelung, was offen lässt, ob sich die Gewalttat im Schulgebäude oder im Freien ereignet hat. Hinweise auf Mittäter gibt es laut Polizei entgegen zwischenzeitlich anderslautenden Gerüchten nicht.Einsatzkräfte vor dem Welfen-Gymnasium. Foto: Michaela Stache/AFPDer mutmaßliche Täter soll ein Messer und eine Pistole bei sich gehabt haben. Foto: Lennart Preiss/dpaDer 16-Jährige wohnt nach den Angaben vor Ort offenbar nicht direkt in Schongau, sondern in einem Ort in der Nähe. Er befand sich laut Dobrindt in Behandlung wegen einer psychischen Erkrankung. Die Tat habe er wohl in einer „psychischen Ausnahmesituation“ begangen. Dass er in der jüngeren Vergangenheit oder unmittelbar vor der Tat mit einem Amoklauf gedroht haben soll, bestätigt die Polizei am Mittwoch nicht.Vor einigen Monaten hat es laut lokalen Medienberichten von damals bereits einen Einsatz wegen einer Gefährdungslage an der Schule gegeben. Ob diese in Zusammenhang mit der Tat vom Mittwoch steht, muss noch ermittelt werden.Das Welfen-Gymnasium ist mit gut 800 Schülerinnen und Schülern ein vergleichsweise kleines Gymnasium. Es liegt in der Nähe der Schongauer Altstadt und dort in unmittelbarer Nachbarschaft der Schongauer Grundschule, der Mittelschule und der Pfaffenwinkel-Realschule. Insgesamt musste eine vierstellige Zahl von Schülerinnen und Schülern sicher und einigermaßen koordiniert die Gebäude verlassen. Offenbar hatten nicht alle im Schulzentrum den Amok-Alarm auch als solchen erkannt. Für solche Fälle gelten andere Verhaltensregeln als etwa bei einem Feueralarm, bei dem die Gebäude zügig verlassen werden sollen.Nach Angaben der ADAC-Luftrettung waren an dem Gymnasium mehrere Rettungshubschrauber im Einsatz. Insgesamt sechs Hubschrauber seien beteiligt gewesen, vier davon von der ADAC-Luftrettung, sagte ein Sprecher. Einer der vier Helikopter sei zur Versorgung von Verletzten genutzt worden.Auch Bundesinnenminister Dobrindt hat sich am späten Nachmittag per Helikopter nach Schongau fliegen lassen, das in seinem Bundestagswahlkreis Weilheim liegt. Dort tritt er mit dem neuen Weilheimer Landrat Johann Bertl (CSU) vor die Kameras, beide sichtlich erschüttert.Ministerpräsident Markus Söder (CSU) spricht schon zuvor von einer Amoktat. „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Verletzten der Amoktat von Schongau“, sagt Söder und betont: „Solch eine schreckliche Tat reißt nicht nur sichtbare, sondern auch viele unsichtbare Wunden. Die Heilung der Seelen wird lange dauern.“Der Ministerpräsident fügt hinzu: „Wir stehen in diesen schweren Stunden alle zusammen. Die Schulfamilie und Angehörigen brauchen jetzt Zeit, Kraft und Zuspruch, die Ereignisse zu verarbeiten.“ Söder dankt „allen, die jetzt Hilfe leisten und füreinander da sind“ sowie der Polizei und allen Rettungsorganisationen für ein schnelles und entschlossenes Eingreifen. „Dieses Miteinander gerade in Notsituationen zeichnet unser Land aus.“
Schongau: Polizeieinsatz an Welfen-Gymnasium - Pistole versagt nach einem Schuss - zwei Mädchen schwer verletzt
Der mutmaßliche 16-jährige Täter sei nach dem Vorfall in Schongau festgenommen worden, so die Polizei.













