KommentarDas Rekord-Rally des Goldpreises ist trotz dem Ausbruch des Iran-Kriegs beendet – oder gerade deswegenDer Preis für das Edelmetall hat nach seinem Rekordhoch Ende Januar stark nachgegeben. Auf den ersten Blick ist dies erstaunlich, denn an Krisen herrscht kein Mangel. Es gibt aber mehrere Gründe dafür.08.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenFür den massiven Rückgang des Goldpreises ab Ende Januar dieses Jahres gibt es mehrere Faktoren – einer davon ist der Iran-Krieg.ImagoGold gilt als «Krisenwährung»: Wenn geopolitische Konflikte toben und die Unsicherheit an den Finanzmärkten steigt, legt sein Preis im Allgemeinen zu. Investoren nutzen das Edelmetall, um ihre Anlageportfolios gegen Verluste abzusichern.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Seit dem Höchststand einen Viertel des Werts verlorenDieses Jahr hat diese Strategie bisher nicht funktioniert. Vielmehr hat der Ausbruch des Iran-Kriegs den Höhenflug des Goldpreises beendet. Ende Januar hatte dieser nach seinem fulminanten Rally im Jahr davor noch ein Rekordhoch von 5417 Dollar pro Feinunze erreicht. Anschliessend fiel er aber bis auf knapp unter 4000 Dollar Ende Juni und stand am späten Dienstagnachmittag bei 4144 Dollar etwas höher. Seit seinem Höchststand hat der Preis für das Edelmetall damit fast einen Viertel seines Werts verloren.Die Entwicklung zeigt zunächst einmal, dass es an den Finanzmärkten keine Sicherheiten gibt. Unweigerlich kommt einem ein Spruch des legendären Finanzexperten André Kostolany in den Sinn: «An der Börse ist alles möglich – auch das Gegenteil!» Abgesehen von der Unberechenbarkeit der Märkte gibt es indessen weitere Gründe dafür, dass der Goldpreis trotz der anhaltend unsicheren Lage im Nahen Osten gesunken ist.Zunächst einmal ist dazu zu sagen, dass der Preis für das Edelmetall ein fulminantes Rally hinter sich hatte. Ende 2024 stand er noch bei 2624 Dollar pro Feinunze, bis Ende Januar dieses Jahres hatte er sich also mehr als verdoppelt. Der Hype hatte viel spekulatives Geld angezogen, und wie so oft bei solchen steilen Anstiegen war eine Korrektur überfällig.Als der Goldpreis dann fiel, hätten sich kurzfristig orientierte Investoren auf der Suche nach schnellen Gewinnen umorientiert, heisst es unter Analysten. Sie hätten das Edelmetall also verkauft und stattdessen auf Aktien aus dem Bereich künstliche Intelligenz (KI) gesetzt oder sich beim Börsengang von SpaceX engagiert.Auch der Iran-Krieg spielte beim Rückgang des Goldpreises eine wichtige Rolle – und zwar indirekt. Nach dem Ausbruch des Konflikts und der Schliessung der Strasse von Hormuz baute etwa die Türkei Goldreserven ab, weil das Land finanziell unter Druck geriet.Zudem lösten der Iran-Krieg und die höheren Erdölpreise Inflationssorgen aus. Weiter betonte Kevin Warsh, der neue Präsident der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, dass seine Institution eine hohe Teuerung nicht akzeptieren werde. Dadurch verschoben sich die Zinserwartungen der Finanzmarktteilnehmer. Vor dem Ausbruch des Iran-Kriegs waren Händler bis Ende Jahr von Zinssenkungen durch die US-Notenbank ausgegangen, nun erwarteten sie plötzlich Zinserhöhungen.Steigende Zinsen wiederum sind im Allgemeinen Gift für den Goldpreis: Das Halten des Edelmetalls wird relativ gesehen gegenüber Aktien und Obligationen weniger attraktiv, da es weder Zinsen noch Dividenden abwirft. Zudem stützten der Iran-Krieg und die gestiegenen Zinserwartungen den Dollar. Dies verteuerte den Kauf von Gold für Käufer von ausserhalb des Währungsraums.Die Faktoren für den steigenden Goldpreis bestehen weiterTrotz dem jüngsten Rückgang des Goldpreises bestehen grundlegende Faktoren für einen erneuten Anstieg weiter. Das geopolitische Umfeld dürfte angespannt, das Vertrauen unter den Ländern beschädigt bleiben. Folglich dürften auch Zentralbanken weiterhin Gold kaufen, um ihre Währungsreserven zu diversifizieren.Laut einem Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB) hat das Edelmetall mittlerweile in der Zusammensetzung der Reserven der Zentralbanken die amerikanischen Staatsobligationen überholt. Ende des vergangenen Jahres kam Gold hier auf einen Anteil von 27 Prozent an den weltweiten Reserven, während US-Staatsanleihen einen solchen von 22 Prozent und der Euro einen von 15 Prozent hatten.Zudem bietet Gold einen Schutz vor Inflation, was in Zeiten einer immer weiter steigenden Staatsverschuldung ein wichtiges Argument für das Halten des Edelmetalls bleibt.Passend zum Artikel
Goldpreis-Rally gestoppt – welche Rolle spielt der Iran-Krieg?
Der Preis für das Edelmetall hat nach seinem Rekordhoch Ende Januar stark nachgegeben. Auf den ersten Blick ist dies erstaunlich, denn an Krisen herrscht kein Mangel. Es gibt aber mehrere Gründe dafür.









