Mr MarketWie Gold die Kaufkraft bewahrt – eine Glosse zu Lehren aus der VergangenheitGold enttäuscht ausgerechnet seit dem Ausbruch des Irankriegs. Trotz der Kursturbulenzen dürfte es sich lohnen, am Edelmetall festzuhalten. Das zumindest verrät ein Blick in den Opfiker «Stadt-Anzeiger» vom Oktober 1989.Geschätzte Leserin, geschätzter LeserOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Gold wird seinem Ruf als Krisenschutz derzeit alles andere als gerecht. Im Gegenteil, seit Ausbruch des Irankriegs befindet sich der Kurs des Edelmetalls im Sinkflug. Seit dem Ende Januar verzeichneten Allzeithöchst beläuft sich das Minus in Dollar auf rund 25%. Jüngst ist der Kurs sogar unter den gleitenden 200-Tagesdurchschnitt gesunken, was viele Markttechniker als Zeichen der Trendwende interpretieren.Ronald-Peter Stöferle vom Liechtensteiner Vermögensverwalter Incrementum, der mit seinem Team kürzlich den jährlich erscheinenden «In Gold We Trust»-Report herausgegeben hat, beunruhigen die Verluste jedoch nicht. «Man muss sich vor Augen halten, dass Gold letztes Jahr auf Dollarbasis fast 65% avanciert ist. Auch in Euro und Franken waren es mehr als 40%. Das sind massive Kurssteigerungen, die erst einmal verdaut werden müssen», sagte er jüngst im Gespräch mit The Market. Er vergleicht die Avance und die derzeitige Korrektur mit einem Gipfelsturm, bei dem man sich im Basiscamp akklimatisiert, um sich an die Höhenluft zu gewöhnen.Dazu komme, dass der Goldpreis auch in vergangenen Krisen zunächst eingebrochen sei, nur um danach umso kräftiger zuzulegen. Stöferle verweist auf den Ausbruch der Finanzkrise, als Gold anfänglich rund 29% einstürzte, um dann von Ende 2008 bis September 2011 fast 170% vorzupreschen. Auch damals durchbrach der Unzenpreis die 200-Tageslinie (vgl. gelb markierte Stelle in der untenstehenden Grafik), ohne dass der langfristige Aufwärtstrend dadurch beschädigt wurde.Quelle: finance.yahoo.comDass es sinnvoll sein dürfte, an Gold festzuhalten, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Auf der Suche nach einem alten Freund aus der Kantonsschulzeit stiess ich kürzlich auf die online archivierten Ausgaben des Opfiker «Stadt-Anzeigers» vom Oktober 1989, dem Monat unserer Maturafeier. Meinen Mitschüler habe ich in der ausgedehnten Bleiwüste der Lokalzeitung aus dem Zürcher Unterland zwar nicht gefunden, dafür aber einige Trouvaillen, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.Natürlich, angesichts der weltpolitischen Umwälzungen der späten Achtzigerjahre wirken die Themen im «Stadt-Anzeiger» nebensächlich, was aber in der Natur der Sache einer Lokalzeitung liegt. Mit Blick auf die damalige Grösse des Eishockeyvereins aus dem benachbarten Kloten überrascht es nicht, dass dem Sport viel Platz eingeräumt wird. So wird der «neue» Captain Felix Hollenstein präsentiert, der den EHC Kloten zwischen 1993 und 1996 zu vier aufeinanderfolgenden Meistertiteln führen sollte, was in der Schweiz seit Einführung der Play-offs bis heute keinem anderen Verein gelungen ist.Quelle: Opfiker «Stadt-Anzeiger» vom 27. Oktober 1989Ein spezieller Schmunzler verursacht die Legende zu einem Bild mit Hollenstein und Trainer Lindström, die auf die Geburt von Hollensteins «Stammhalter mit dem seltenen Namen «‹Dennis›» verweist (vgl. Bild rechts). Ausgerechnet dieser Dennis, ein ebenso begnadeter Schlittschuhläufer und Torjäger wie sein Vater, sollte später zum Lokalrivalen ZSC Lions wechseln, für dessen Anhang Vater Felix ein rotes Tuch war. Im rauchgeschwängerten Hallenstadion, der damaligen Spielstätte des in den Neunzigerjahren wenig erfolgreichen ZSC, sorgte «Fige», wie er von allen genannt wurde, bei jedem Tor, Check oder auch nur Puckkontakt für emotionale Wallungen, ein gellendes Pfeifkonzert und üble Tiraden. Jahre später skandierten Tausende von «Z-Fans» den früher so verhassten Familiennamen von Dennis.Quelle: Opfiker «Stadt-Anzeiger» vom 6. Oktober 1989Item, The Market ist kein Sport-, sondern ein Finanzmedium. Meine Aufmerksamkeit geweckt hat diesbezüglich eine Tabelle mit der Überschrift «Geldwechsel», die jeweils auf Seite 2 des Dorfblattes erschien (vgl. Bild links, bitte entschuldigen Sie die schlechte Qualität). Sie liess mein Makro-Herz sofort höherschlagen, weil sie bildhaft zeigt, worauf es in der langen Frist wirklich ankommt. So sind neben der anbietenden Bank nicht nur die meisten inserierten Währungen verschwunden, sondern mit Jugoslawien ist sogar ein ganzer Staat in seine Einzelteile zerfallen. Wenig währt also für immer.Gewiss, die meisten aufgelisteten Valuten sind im Euro aufgegangen, wo sie ihre Abwertung zum Franken ungehindert fortsetzen konnten. Verwiesen sei auf die Deutsche Mark, die damals für 88 Rappen zu haben war. Heute würde die Mark, die zu 1.95583 in den Euro aufgenommen wurde, bei einem Euro-Notenkurs um die 94 Rappen rund 48 Rappen kosten – sie hat sich also fast halbiert. Gleiches gilt für den Dollar, der von damals 1.67 Fr. auf unter 84 Rappen gefallen ist. Noch übler erwischte es das britische Pfund, das fast 60% verloren hat.Das führt zur ersten Lektion: Zum Franken haben es die meisten Valuten langfristig schwer. Obwohl der Lack an der Ausnahmestellung der Schweiz ebenfalls langsam zu bröckeln begonnen hat, dürfte die im Vergleich zum Ausland nach wie vor recht stabile politische und wirtschaftliche Lage, die sich u.a. in einer niedrigen Teuerung spiegelt, zumindest vorerst die heimische Valuta weiterhin stärken.Allerdings zeigt die zweite Lektion, dass auch der Franken kein Musterknabe ist, wenn es um den Erhalt der Kaufkraft geht. So hat er sich zur stärksten Währung der Welt, die sich mit dem «20er-Vreneli» ebenfalls auf Seite 2 des Opfiker «Stadt-Anzeigers» findet, fast genauso miserabel entwickelt wie die anderen Papierwährungen. War die wohl beliebteste Goldmünze der Schweiz im Oktober 1989 für 126 Franken zu haben, kostet dasselbe Vreneli heute 663 Fr. Damit hat sich sein Wert mehr als verfünffacht. Umgekehrt ausgedrückt hat der Franken rund 80% seiner Kaufkraft zu Gold verloren.Quelle: Opfiker «Stadt-Anzeiger»Dieser Kaufkraftverlust zeigt sich auch an der Preisentwicklung. Im «Stadt-Anzeiger» findet sich eine Annonce des Opfiker Stadtbades, das Wildspezialitäten zwischen 10.80 Fr. für den Wildpfeffer und 15.80 Fr. für das Rehschnitzel anpreist. Während sich heute auch wegen mangelnder Nachfrage – «Schnipo» und Burger lassen grüssen - wohl kaum noch eine Badi-Beiz findet, die Wild anbietet, dürften die Preise für die erwähnten Speisen in einem Zürcher Landgasthof derzeit grob geschätzt bei 35 bis 60 Fr. liegen, was einer Verdrei- bis Vervierfachung entspricht. Wird berücksichtigt, dass in einem Restaurant wohl auch 1989 etwas mehr bezahlt werden musste als in der Kantine einer Schwimmbadanlage, reduziert sich der Preisanstieg entsprechend.Das führt zur dritten und letzten Lektion: Gold hat die Kaufkraft zumindest für Personen, die wie ich Wild mögen und gerne auswärts essen, nicht nur erhalten, sondern sogar gesteigert. Konnten mit einem Vreneli 1989 in der «Badi» rund acht Teller mit Rehschnitzel erworben werden, bleiben heute bei einem Preis von 60 Fr. neben den acht Portionen noch 180 Fr. für Wein und Nüsslisalat übrig.Gewiss, dieser Artikel ist mit einem Augenzwinkern verfasst und nicht bierernst zu nehmen. So besteht der Einkaufskorb des typischen Schweizers natürlich nicht nur aus auswärts genossenen Wildspezialitäten. Und selbstverständlich relativiert sich der Kaufkraftverlust des Frankens, weil nicht nur die Preise, sondern auch die Löhne gestiegen sind, zumindest ausserhalb des Journalismus und einiger anderer Branchen, die unter permanentem Druck stehen. Zudem sichert Gold die Kaufkraft nicht in jeder Periode gleich gut, wie die Jahre zwischen 1980 und 199x oder von 2011 bis Ende 2015 gezeigt haben.Für Anleger, die wie ich davon ausgehen, dass sich der Kaufkraftverlust der Papierwährungen fortsetzt, dürfte es sich mit Blick auf die lange Frist aber lohnen, an einer Goldposition festzuhalten – auch wenn die Kurse derzeit schwächeln und sich die Hausse nicht so schnell fortsetzen dürfte, wovon selbst Ronald-Peter Stöferle ausgeht. Hat sich Gold dereinst aber an die neuen Höhen akklimatisiert, dürfte der Gipfelsturm weitergehen.Herzlich grüsst im Namen von Mr MarketGregor MastP.S. Wer selbst etwas in den gesammelten Werken des Opfiker «Stadt-Anzeigers» vom Oktober 1989 stöbern möchte, findet hier den Link dazu.