Der andere BlickManche AfD-Kritiker wähnen sich im Endkampf gegen Faschismus und relativieren Gewalt gegen missliebige Journalisten. Dieses Denken ist totalitärJe weniger erfolgreich der Kampf gegen die AfD ist, desto wahlloser wird die Jagd auf vermeintliche Faschisten. Einigen ist das gleichgültig. Das zeigt: Teile der Linken haben sich aus dem demokratischen Diskurs verabschiedet.06.07.2026, 17.40 Uhr3 LeseminutenLinke Demonstranten in Erfurt am vergangenen Wochenende.Christian Mang / ReutersSie lesen einen Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Abend», heute von Len Sander, Redaktor der NZZ Deutschland. Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos. Nicht in Deutschland wohnhaft? Hier profitieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es war kein gutes Wochenende für die Antifa. Schon vor dem AfD-Parteitag in Erfurt distanzierten sich einzelne Politiker des linken Lagers von dem Ansinnen, ihn zu verhindern. Trotz einer deutschlandweiten Mobilisierung kamen gemäss Polizei nur 30 000 anstatt der erhofften 50 000 Anti-AfD-Demonstranten. Der Parteitag der Rechtsaussenpartei konnte pünktlich beginnen und verlief reibungslos.Stattdessen verlegten sich die Radikalen darauf, missliebige Journalisten anzugreifen. Laut dem Thüringer Polizeipräsidenten wurden drei Reporter des in linken Kreisen verhassten Portals «Apollo News» am Rande einer Anti-AfD-Demonstration attackiert. Einer von ihnen sei mit Tritten gegen den Hinterkopf traktiert worden, sagte dessen Chefredaktor.🔴 Drei Reporter von Apollo News wurden in Erfurt aus einer Antifa-Demo heraus gejagt und zusammengeschlagen. Als sie die Demonstration filmten wurden sie von ca. einem Dutzend Personen verfolgt und zu Boden geschlagen, als sie am Boden lagen wurde immer wieder nachgetreten… pic.twitter.com/yICrfMvtXo— Max Mannhart (@maxmannhart) July 4, 2026 Auf Videos, die in den sozialen Netzwerken kursieren, sieht man, wie eine Gruppe aus rot Vermummten die Reporter verfolgt und unter «Wir kriegen euch alle»-Rufen auf sie einschlägt. Auch ein Reporter der rechtskonservativen Wochenzeitung «Junge Freiheit» soll angegriffen und beraubt worden sein.«Faschisten mit einem Presseausweis»Die Videos vom Samstag lassen es einem kalt über den Rücken laufen. Dass ein wütender Mob Journalisten jagt und zusammenschlägt, ist in einer freien Gesellschaft nicht hinnehmbar.Noch mehr aber gilt das für das Gebaren von Vertretern des Bündnisses «Widersetzen» an einer Pressekonferenz im Nachgang. Erst weigerten sie sich, einem «Apollo»-Journalisten auch nur eine Frage zu den Angriffen zu beantworten, und verwiesen ihn des Ortes. Als ein anderer Journalist nachbohrte, kam allen Ernstes die Antwort: «Faschisten mit einem Presseausweis sind immer noch Faschisten.»Soll heissen: Wer als Faschist markiert worden ist, ist vogelfrei. Gewalt gegen Journalisten ist gerechtfertigt, wenn es Journalisten mit der angeblich falschen Meinung trifft, so wird impliziert.Solch eine Relativierung, hervorgebracht mit der kalten Miene von Politbüro-Funktionären, zeigt, wie weit sich Teile der linken Szene längst vom demokratischen Diskurs entfernt haben. Sie halluzinieren sich im Endkampf gegen den Faschismus und meinen damit alles von moderat konservativ bis rechtsextrem. Und natürlich fällt ihnen immer die Rolle von Ankläger und Richter zugleich zu.Je weniger erfolgreich diese Strategie ist – die AfD hat sich seit Monaten an der Spitze der Umfragen festgesetzt und könnte bald ihren ersten Ministerpräsidenten stellen –, desto wahlloser werden die Angriffe auf vermeintliche Faschisten.Totalitäres DenkenBesonders eingängig kann man das beim «Zentrum für politische Schönheit» des Aktivisten Philipp Ruch beobachten, das jahrelang mit plumpen Agitprop-Aktionen im Mitte-linken Lager für Verzückung gesorgt hatte. Es bezeichnete die angegriffenen Journalisten als Vertreter einer «nationalsozialistischen Presselandschaft» und legte dem konservativen Journalisten Jan Fleischhauer die folgenden Worte in den Mund: «Jetzt reicht’s! NS-Reich kann kommen.»Im gleichen Zuge erklärte es «Apollo News» und «Junge Freiheit» zu rechtsextremen Medien, die «mit Sicherheit» nicht unter die Pressefreiheit fielen. Wer in der Pressefreiheit kein unveräusserliches Recht sieht, sondern ein Privileg, das nach politischer Verlässlichkeit verteilt wird, der denkt totalitär.Trotz dieser unzweideutigen Lage fällt es einigen Journalisten immer noch schwer, die auf der Hand liegenden Schlüsse zu ziehen. Die ARD-Moderatorin Anja Kohl, bekannt für ihre Börsenanalysen, verurteilte am Sonntag in einer Talkshow nicht etwa die Extremisten von links, sondern die AfD. Diese habe eine Distanzierung von den Angriffen vermissen lassen. Solch einen Ausfall des Urteilsvermögens kann man nur damit erklären, dass für manche offenbar der Satz gilt: Wenn Schlechtes geschieht, muss die AfD daran schuld sein.Doch nicht die AfD hätte sich von der Gewalt gegen Journalisten distanzieren müssen, sondern die Organisatoren des Protests. Es ist endlich an der Zeit, linksextreme Angriffe auf die bürgerlichen Freiheiten zu benennen und klar zu verurteilen. Andernfalls geraten Letztere in Gefahr.Passend zum Artikel