PfadnavigationHomeDebatteKommentareArtikeltyp:MeinungAdieu, AntifaEin Gruß zum ersten Mai, dem traditionellen Krawalltag der LinksextremistenVeröffentlicht am 30.04.2026Lesedauer: 5 MinutenLinksextremisten, hier bei einer Anti-AfD-Demonstration 2024 in Essen. Viel besser wäre „Wir sind alle gegen Extremismus!“Quelle: Jannis Große/SZ Photo/picture allianceGewalt im Namen des Antifaschismus wird nicht mit der nötigen Konsequenz verfolgt. Das gilt auch, wenn die Opfer AfD-Politiker sind. Vor allem linke Demokraten müssen mit ihrer naiven Antifa-Schwärmerei brechen.Gewalt, Drohungen und Einschüchterungen sind nicht hinnehmbar – unabhängig davon, gegen welche Partei sie sich richten. Und unabhängig davon, ob sie vermeintlich hehr motiviert sind. Es kann also kaum verwundern, dass die AfD in Bund und Ländern seit Wochen parlamentarische Initiativen mit wilden Titeln wie „Den Antifa-Sumpf austrocknen“ startet. Diese Woche initiierte sie zum Beispiel in NRW eine Debatte, der eine Anhörung vorangegangen war.Mit gutem Grund. Schon 2024 zählte der Bund immerhin 93 Gewalttaten gegen AfD-Vertreter (von 157 Gewaltdelikten gegen Politiker insgesamt), im ersten Halbjahr 2025 waren es von insgesamt 98 bereits 68 zulasten von AfDlern – Drohungen, Sachbeschädigungen, Beleidigungen nicht mitgezählt. Dass die AfD in ihren parlamentarischen Anträgen nun über das Ziel hinausschießt, war zu erwarten. Überraschend ist eher, dass keine andere Partei das AfD-Anliegen weniger erhitzt aufgreift. Ist blutige Gewalt tolerabel, weil sie auf die AfD zielt?Denn Gewalttaten extremistischer Antifa-Aktivisten gegen AfD-Politiker zielen ja nicht nur (was schlimm genug wäre) auf Mitglieder dieser Partei, sondern auch auf die Demokratie, die Herrschaft des Volkes, dessen rechtmäßig gewählte Repräsentanten sie sind. Dagegen müssten alle Demokraten eine Strategie ersinnen. Stattdessen schauen sie zu, wie die AfD allzu undifferenziert gegen die Antifa poltert, dann schütteln sie bedächtig ihre Köpfe – und das Thema ist durch. Ist Systemfeindschaft denn tolerabel, wenn sie an AfD-Politikern ausgelebt wird?Dabei ist Kritik an den AfD-Vorstößen durchaus berechtigt. Zum einen: Man kann autonome Antifa-Gruppen, die in lockeren informellen Beziehungen zueinander stehen, nicht so leicht als kriminelle oder terroristische Vereinigungen einstufen. Dazu müssten alle vermeintlichen Mitglieder gut organisiert und arbeitsteilig auf Dauer zusammenarbeiten, um ihr gemeinsames Ziel schwerster Straftaten zu verfolgen. Das lässt sich allenfalls in Einzelfällen nachweisen – darin sind sich Verfassungsschutz, Staatsanwaltschaft und Forschung seit Jahren einig. Zum anderen: Die AfD suggeriert, faktisch alles, was sich links von der SPD „Antifa“ nenne, sei kriminell. Das ist falsch. Neben gewaltverliebt-extremistischen Schlägern zählen dazu nämlich auch legalistische Linksextreme. Zudem gibt es selbst in den informellen Bündnissen der autonomen Antifa (vielleicht furchtbar naive, aber doch) friedliche Aktivisten, die intern massiv Kritik üben, wenn andere Antifaschisten wieder mal die Fäuste geschwungen haben.Wehret auch diesen Anfängen!Trotzdem muss Antifa-Gewalt energischer bekämpft werden, da hat die AfD Recht. Der blutig geschlagene Kopf bei einem gewählten Volksvertreter wiegt schwerer als der bei einem gewöhnlichen Kneipenschläger. Ersterer grenzt an politischen Terror. Hier wird die Funktionsfähigkeit unseres demokratischen Systems und das Gewaltmonopol des Staates angegriffen. Repräsentanten des Volkes sollen daran gehindert werden, ihr demokratisch erteiltes Mandat auszuüben. Mag sein, dass der verprügelte Volksvertreter zuvor scheußliche Reden geschwungen hat. Aber da geht es nicht um Sympathie, sondern um den Sieg des Rechts. Und um die Unterdrückung von Selbstjustiz.Auch sollten zumindest gebildete Antifa-Aktivisten wissen, dass das von ihnen praktizierte Recht des Stärkeren auf übelsten Sozialdarwinismus hinausläuft und damit auf ein wesentliches Element der Nazi-Ideologie. Wehret auch diesen Anfängen!Erstaunliche Blindheit der Mitte-ParteienGenau diese ideologische Sumpflandschaft lockt zu allem Überfluss unablässig junge Menschen an. Darauf verwies Hendrik Hansen, Extremismusexperte der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, bei einer Anhörung zu einem AfD-Antrag: „Eine besondere Gefahr gehe derzeit von ‚Offenen Antifaschistischen Treffen‘ (OAT) aus, die in zahlreichen Städten gegründet wurden und junge Menschen – insbesondere Schüler, die sich gegen die AfD engagieren wollen – radikalisieren“. Diese OAT „sind überwiegend extremistisch und zum Teil offen gewaltbejahend“, so Hansen im Gespräch mit WELT. Er warnt Union und SPD: „Beide sollten ein vitales Interesse daran haben, gegen diese Gefahr vorzugehen.“ Die Union sei „ohnehin schnell im Visier, sobald Linksradikale zum ‚Kampf gegen rechts‘ blasen. Aber auch die SPD gilt autonomen Antifaschisten als letztlich faschistoid, weshalb ja auch ihre Geschäftsstellen schon Zielscheibe der Antifa wurden.“ Lesen Sie auchDoch solche Mahnungen verhallen. SPD-Vorsitzende rühmen sich ihrer Antifa-Nähe, bei Demonstrationen verspüren SPD und Grüne kaum Berührungsängste gegenüber der autonomen Antifa (was auch der Verfassungsschutz seufzend kritisiert). Und damit machen sie Systemfeinde salonfähig – während sie sich der Illusion hingeben, „Antifa“ wäre eine unschuldige Vokabel. So wie im Italien der 1920er-Jahre, als sich dahinter wirklich noch Sozialdemokraten, Liberale und Konservative versammelten, um für die Demokratie und gegen den Faschismus Mussolinis zu streiten.Der Antifa-Begriff bräuchte eine EntgiftungskurUm den Antifa-Begriff derart von seinen extremistischen Schlacken zu reinigen, müsste jedoch einiges passieren. Durch die Gewalt in seinem Namen ist er „kontaminiert“, so Hendrik Hansen. Er bräuchte eine Entgiftungskur. Vor allem müssten auch linke Demokraten strikt mit den linken Extremisten brechen: keine gemeinsamen Demonstrationen, Unterschriftenlisten, Appelle. Wo Extremisten bei Aufmärschen neben SPD und Grünen, Kirchen und DGB ihre rot-schwarze Doppelfahne entrollen (das Symbol der Einheitsfront von Kommunisten und Anarchisten), müssen auch linke Demokraten protestieren, blockieren, boykottieren. Wenn irgendwo die Radikalen-Parole „Alerta, alerta, Antifascista“ skandiert wird, muss man künftig auch von Grün-Rot ein lautes „Pfui!“ erwarten. Und um all die bereits angerichtete Verharmlosung linksextremer Gewalt wieder gut zu machen, sollten SPD und Grüne darauf drängen, die Verbrechen des Kommunismus und des Linksextremismus in Schulen verstärkt zu lehren. Adieu zu dieser Antifa!All das wird natürlich nicht geschehen. Folglich bleibt der Antifa-Begriff auf absehbare Zeit vergiftet. Aber es lässt sich auch ohne „Antifa“-Vokabular gut leben. Schließlich gibt es weit unproblematischeren Ersatz – vor allem das grundsolide Begriffspaar Links- und Rechtsextremismus. Wer zum Kampf gegen die Extremisten aufruft, verfolgt weit seltener eine heimliche Volksfront-Agenda. Und möchte uns auch nicht in die Welt der Selbstjustiz (ver)führen. Stattdessen signalisiert er: Zwischen den Extremisten zur Linken und zur Rechten stehen wir, die Demokraten. Was braucht's mehr? Also: Adieu zu dieser Antifa!
Linksradikalismus: Adieu zu dieser Antifa! - WELT
Gewalt im Namen des Antifaschismus wird nicht mit der nötigen Konsequenz verfolgt. Das gilt auch, wenn die Opfer AfD-Politiker sind. Vor allem linke Demokraten müssen mit ihrer naiven Antifa-Schwärmerei brechen.







