Normalität ist an diesem AfD-Parteitagswochenende in Erfurt ein erstaunlich relativer Begriff. Wer ausschließlich die Messehalle erlebt, sieht sich mit einem Parteitag konfrontiert, der in weiten Teilen unspektakulär verläuft. Delegierte beraten, stimmen ab, applaudieren ihren Vorsitzenden und wandern zwischen Zigarettenpause und Kaffeestand hin und her. Die Atmosphäre wirkt im Vergleich zu den Vorjahren enorm routiniert und wird von einem Teilnehmer des Parteitags gegenüber Reportern der OAZ und Berliner Zeitung als „Parallelwelt“ bezeichnet. Man werde durch einen Korridor aus Polizei und Sicherheitskräften in die Halle geleitet und bekomme von dem, was draußen geschieht, kaum etwas mit.

Erst vor den Toren der Messe wird deutlich, welchen Preis diese Ruhe hat. Rund 10.000 Polizisten aus der gesamten Bundesrepublik schieben 12-Stunden-Schichten und halten über 30.000 Demonstranten in Schach. Journalisten durchlaufen mehrstufige Prüfverfahren und werden bis zur Halle eskortiert.

Ein neuer Gegner wird ins Visier genommen

Die eigentliche Besonderheit dieses Parteitags liegt deshalb nicht in dem, was in der Halle geschieht. Denn der Eindruck eines beinahe gewöhnlichen Parteitags entsteht erst, weil alles Ungewöhnliche konsequent nach außen verlagert wurde und sich die Wut derer, die eine Verhinderung der Veranstaltung erzwingen wollten, plötzlich nicht mehr gegen die AfD richtet. Ein neuer Gegner wird ins Visier genommen.