Wer wird die AfD in Zukunft führen? Diese Frage wird auf dem Parteitag am Wochenende im Mittelpunkt stehen. Denn die Delegierten wählen den Bundesvorstand turnusgemäß neu. Klar scheint, dass Alice Weidel und Tino Chrupalla in ihren Ämtern als Parteichefs bestätigt werden. Zwar mehren sich die Stimmen, die mittelfristig eine Einzelspitze mit dem Generalsekretär wollen. Anhänger dieses Modells können sich Weidel als Chefin vorstellen und den Landesvorsitzenden in Rheinland-Pfalz, Sebastian Münzenmaier, als General. Aber jetzt ist anderes wichtiger. Vor allem Stabilität.Denn die Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern könnten für die AfD historisch werden – wenn sie an die Macht käme. Da kann sie personelle Turbulenzen nicht gebrauchen. Interessant dürfte werden, ob Weidel oder Chrupalla das bessere Ergebnis bekommt. Vor zwei Jahren schnitt Chrupalla besser ab. Er bekam 82,7 Prozent, Weidel 79,77. Allerdings hatte damals Weidel, die bei der Basis beliebter ist, sehr für Chrupalla geworben. Entsprechend „überwältigt“ gab sich der nach seiner Wahl.Offener ist, wer außer den beiden in den Bundesvorstand gewählt wird. Zwar haben die Parteivorsitzenden in den vergangenen Wochen einige Energie darauf verwendet, das Kandidatenfeld zu beackern, also Konflikte zu befrieden, die zu Kampfkandidaturen führen könnten. Doch ganz dürfte das nicht gelungen sein. In AfD-Kreisen wird damit gerechnet, dass einige Plätze umkämpft sein werden.Möller will Parteivize werdenAls Parteivize kandidiert neben anderen der Bundestagsabgeordnete Stefan Möller aus Thüringen, einer der engsten Vertrauten des dortigen Landeschefs Björn Höcke. Dieser erklärte die Bedeutung von Möllers Kandidatur unlängst mit den Worten, wenn Möller im Bundesvorstand sei, „dann habe ich jemanden, mit dem ich im engsten Austausch bin, ich bin angeschlossen, ohne selbst die Arbeit machen zu müssen“.Heikel ist aus Sicht anderer Bundesvorstandsmitglieder, dass der Jurist Möller die Zuständigkeit für die Auseinandersetzung mit dem Verfassungsschutz übernehmen soll. Die hat bisher Roman Reusch, der aber auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand ausscheidet. In Thüringen verfolgte Möller in der Abwehr der Einstufung durch den Verfassungsschutz bisher eine Strategie, die jener der Bundes-AfD zuwiderläuft. Der „Thüringer Kurs“ wird in deren Kreisen als wenig erfolgreich bewertet. Die Frage ist, ob Möller sich, sobald er Bundesvize ist, anpasst oder ob er versucht, die Bundesstrategie zu ändern.Grundsätzlich sind Weidel und Chrupalla aber bestrebt, Vertreter verschiedener Strömungen im Bundesvorstand zu bündeln. Das soll zur Befriedung der Partei beitragen; Konflikte können gar nicht erst riesig werden, wenn sie im Führungsgremium schon ausgetragen werden, so die Annahme. Gerade vor den wichtigen Ostwahlen will man offene Konflikte vermeiden. Vor dem Hintergrund könnten auch einige Anträge interessant werden, die auf dem Parteitag diskutiert werden sollen.Der kontroverseste dreht sich um die Unvereinbarkeitsliste der Partei. Antragsteller sind neben anderen Höcke und der Fraktionsvorsitzende aus Brandenburg, Christoph Berndt. Der Antrag verlangt vom Bundesvorstand, die Unvereinbarkeitsliste der Partei zu überarbeiten. Es soll neu definiert werden, was „extremistisch“ sei. Explizit genannt werden die Grünen, die als „anti-deutsche Organisation“ aufgeführt werden. Vom Bundesvorstand kommt ein anderer entscheidender Antrag: Die Parteijugend Generation Deutschland soll mehr Einfluss im Bundesvorstand bekommen.