Die Regierungspläne für verschärfte Regeln bei der Krankschreibung stoßen unter Ärzten und Gewerkschaftern auf massiven Widerstand. Die Rede ist von einer neuen Misstrauenskultur gegenüber Beschäftigten.

02.07.2026, 14.13 Uhr

Sprechzimmer eines Hausarztes: Warnung vor übervollen Praxen

Das geplante Ende der telefonischen Krankschreibung und die Attestpflicht ab dem ersten Fehltag haben eine große Welle an Kritik losgetreten. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte der »Rheinischen Post«, es grenze an Irrsinn, »Abertausende Menschen zusätzlich in die Praxen zu jagen für das reine Ausfüllen von Zetteln. Wer hustet, eine Magen-Darm-Infektion hat, gehört ins Bett – und nicht in die übervolle Praxis.« In der »Bild«-Zeitung plädierte er stattdessen für die Einführung eines Karenztags. Das heißt, dass der erste Tag der Krankschreibung unbezahlt bliebe.

Für niedergelassene Ärzte sei das, was die Regierungsparteien vereinbart haben, »eine Zumutung, die an Unverschämtheit grenzt«, sagte Gassen – und verwies unter anderem auf die schwierige finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung. Der schleswig-holsteinische Hausarztverbandsvorsitzende, Jens Jensen, warnte vor einem »sprunghaften Anstieg der Patientenkontakte«. Dadurch bleibe weniger Zeit für die Versorgung der Menschen, »die schwer erkrankt sind und in die Praxis kommen müssen«.