Sozialwerke in Schieflage: Der IV droht in den nächsten fünf Jahren das Geld auszugehen – und auch bei der AHV sieht es wieder schlechter ausDie Lage bei der Invalidenversicherung spitzt sich zu, nun will Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider die nächste Reform beschleunigen. Bei der AHV ist im November das Volk am Zug.02.07.2026, 10.05 Uhr3 LeseminutenJugendliche mit psychischen Problemen stellen auch die IV vor neue Herausforderungen.NZZEs sieht noch schlechter aus als angenommen: Wenn die Politik nicht rasch handelt, schlittert die Invalidenversicherung in ein Desaster. Am Donnerstag hat das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) neue Finanzperspektiven zu den grossen Sozialwerken präsentiert. Sie zeigen, dass der IV im mittleren von drei Szenarien bereits im Jahr 2031 das Geld auszugehen droht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Weil die IV trotz aller Versprechungen von Bundesrat und Parlament immer noch Schulden hat, muss sie dem AHV-Fonds weiterhin Schuldzinsen bezahlen. Rechnet man diese ein, sind bei der IV gemäss den neuen Zahlen jährlich wiederkehrende Defizite zu erwarten, die bereits um 2030 herum ein Ausmass von 800 Millionen Franken erreichen.Angesichts der dramatischen Lage hat das Departement von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider beschlossen, die bereits geplante IV-Reform zeitlich um einige Wochen vorzuziehen. Statt Ende Jahr soll die Vernehmlassung bereits im Herbst beginnen. Die Eckwerte der Reform sind bereits bekannt: Mit strukturellen Massnahmen wie einer neuen Integrationsleistung will der Bund versuchen, den Anstieg der Neurenten zu bremsen.Vor allem aber soll die erwerbstätige Bevölkerung höhere Abgaben an die IV bezahlen. Baume-Schneider plant eine Erhöhung der Lohnbeiträge um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte. Die jährliche Mehrbelastung für Angestellte und Arbeitgeber würde 0,5 bis 1 Milliarde Franken betragen.Niemand kann behaupten, die Probleme kämen überraschend. Dass die Finanzlage des zweiten grossen Sozialwerks neben der AHV weniger stabil ist, als der frühere Sozialminister Alain Bersets dies stets dargestellt hat, steht schon länger fest. Bereits Ende Mai hat sich zudem gezeigt, dass die Zahl der Neurenten noch rascher zunimmt als bisher vermutet. Dahinter steht in erster Linie eine Zunahme psychischer Erkrankungen bei jungen Erwachsenen, aber auch bei Personen kurz vor der Pensionierung.Bei der AHV sieht es wieder etwas schlechter ausAuch für das grösste Sozialwerk gibt es keine guten Nachrichten: Die finanziellen Aussichten der AHV haben sich gegenüber dem vergangenen Jahr wieder «leicht verschlechtert», wie es das BSV formuliert. Der Hauptgrund sei ein unerwartet schwaches Beschäftigungswachstum. Gemäss den neuen Zahlen dürfte sich die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben der AHV (Umlagedefizit) stark vergrössern: Im mittleren von drei Szenarien wächst der Fehlbetrag von voraussichtlich 1,3 Milliarden Franken im Jahr 2026 auf knapp 5 Milliarden 2035.Das liegt vor allem daran, dass ab dem Jahr 2026 die 13. AHV-Rente ausbezahlt werden muss, die das Volk vor zwei Jahren beschlossen hat – deren Finanzierung aber nach wie vor nicht gesichert ist. Erst im Juni hat das Parlament beschlossen, für die AHV ab 2028 die Mehrwertsteuer um 0,4 Prozentpunkte zu erhöhen. Für die Konsumenten würde dies eine Mehrbelastung von rund 1,5 Milliarden Franken im Jahr bewirken.Das reicht zwar nicht, um die AHV im Lot zu halten, aber ihr Umlagedefizit liesse sich damit ungefähr halbieren (im Jahr 2030 läge es voraussichtlich noch bei 1,2 statt 2,7 Milliarden Franken). Allerdings ist ungewiss, ob das Geld tatsächlich fliessen wird. Am 29. November werden Volk und Stände darüber abstimmen.Passend zum Artikel
Sozialwerke in Gefahr: IV droht das Geld auszugehen, AHV ist in Schieflage
Die Lage bei der Invalidenversicherung spitzt sich zu, nun will Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider die nächste Reform beschleunigen. Bei der AHV ist im November das Volk am Zug.







