Erinnern Sie sich noch an das WM-Finale 1990? Als Deutschland in Rom gegen Argentinien einen Elfmeter zugesprochen bekam und nicht Lothar Matthäus an den Punkt schritt? Dabei war der Kapitän auch der etatmäßige Schütze, hatte im Viertelfinale gegen Tschechien den 1:0-Siegtreffer vom Punkt erzielt und auch im Elfmeterschießen im Halbfinale gegen England getroffen. Matthäus aber fühlte sich an diesem Abend des 8. Juli 1990 nicht sicher genug, hatte nach eigener Aussage neue Schuhe an und wollte den Erfolg seiner Mannschaft nicht gefährden. Er überließ Andreas Brehme den Ball. Brehme traf. Deutschland wurde Weltmeister.
TV-Bilder zeigen Kimmich im Gespräch mit Goretzka
In der Nacht von Montag auf Dienstag, fast 36 Jahre später könnte sich bei der deutschen Nationalmannschaft eine ähnliche Szene abgespielt haben – nur mit einem ganz anderen Ausgang. Als im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft gegen Paraguay die Schützen für das Elfmeterschießen eingeteilt wurden, fragte Kapitän Joshua Kimmich auch Leon Goretzka. „Oder Leon, du?“, ist auf den TV-Bildern zu hören. Goretzka reagierte zögerlich. Kimmich ordnete ihn daraufhin als neunten Schützen ein. Zu einem Versuch kam es nicht mehr. Deutschland war da bereits ausgeschieden. Seitdem wird über Goretzkas Verhalten diskutiert. Hat sich der Mittelfeldspieler gedrückt? Hat er Verantwortung verweigert? Oder hat er schlicht erkannt, dass er in diesem Moment nicht die Überzeugung verspürte, einen Elfmeter sicher verwandeln zu können?













