PfadnavigationHomeSportFußballWMNationalmannschaft„Rüdiger muss sich bei der WM absolut im Griff haben“Von Lothar MatthäusStand: 08:13 UhrLesedauer: 5 MinutenEine frisch erschienene Dokumentation über den WM-Titel von 1990 erinnert nochmals an diesen großartigen Triumph. „Es war ein großer Zusammenhalt, keiner hat sich selbst in den Vordergrund gestellt“, sagt Deutschlands Rekordnationalspieler Lothar Matthäus im Gespräch bei WELT TV.Die WM-Mission der deutschen Nationalmannschaft nimmt Fahrt auf. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus nimmt das Team unter die Lupe. Er warnt Antonio Rüdiger – und wundert sich über die Konstellation im Tor der DFB-Elf.Wieder sind wir in Amerika bei einer Fußballweltmeisterschaft, die nächste Woche beginnt. Ich hoffe sehr und bin zuversichtlich, dass es für unsere Nationalmannschaft dieses Mal besser laufen kann als 1994 für uns. Als Titelverteidiger schieden wir im Viertelfinale in East Rutherford in New Jersey gegen Bulgarien mit 1:2 aus.Es war damals eine WM, die von Anfang an unter keinem guten Stern stand. Es gab Eifersüchteleien, Streitereien, Getuschel hintenrum. Es waren Spielerfrauen dabei, die sich wichtiger nahmen als das, wofür wir in die USA gekommen waren, nämlich den Weltpokal wieder mit nach Hause zu nehmen. Die Yellow Press hat sich gefreut, deren Seiten waren voller als die Sportseiten der Zeitungen. Bundestrainer Berti Vogts war im Mannschaftsquartier und auch sonst als Wachhund unterwegs, hat viel mitbekommen – aber er ist nicht eingeschritten. Es gab Undiszipliniertheiten, Golf schien so manchem wichtiger als Fußball. Einige Spieler und auch Mitglieder des Trainerstabs golften sogar vor dem Training. Wir hatten keinen Fokus auf das Wesentliche, wir waren – ganz anders als beim Titelgewinn 1990 – alles andere als eine Mannschaft.Ich erzähle das, weil es zeigt, dass Erfolg schwer bis unmöglich wird, wenn so etwas passiert. Selbst dann, wenn der Kader mit Weltklassespielern besetzt ist.Klare Ansagen und Richtlinien sind wichtig. Und deshalb finde ich es gut, dass Julian Nagelsmann festgelegt hat, dass die Frauen und Familien jeweils am Tag nach den Spielen ins Mannschaftsquartier kommen und dort auch übernachten dürfen. Man will als Spieler seine Liebsten um sich haben, gerade dann, wenn es hoffentlich ein langes Turnier wird. Das ist wichtig. Aber es muss klar geregelt sein. Richtig so!Es ist logisch, dass alle zu Manuel Neuer aufschauenGenauso wichtig ist, dass die Spieler das Vertrauen des Bundestrainers spüren. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Zeit zwischen den Spielen und Trainingseinheiten. Er muss nicht kontrollieren.Lesen Sie auchIch war für RTL bei vielen Länderspielen dabei. Deshalb denke ich, ich kann den Charakter der Mannschaft ganz gut einschätzen. Ich glaube, dass unsere Nationalspieler so gewissenhaft und ehrgeizig sind, dass sie es rechtzeitig selbst regeln würden, bevor der Fokus verloren geht. Natürlich haben die Führungsspieler dabei eine bedeutende Rolle. Joshua Kimmich ist für mich trotz der Rückkehr von Manuel Neuer ganz klar der Kapitän, aber es ist logisch, dass alle zu Manuel aufschauen aufgrund seiner Erfolge und seiner jahrzehntelangen Top-Leistungen. Diese beiden werden für Nagelsmann die Hauptansprechpartner sein, diejenigen, die er bei seinen Überlegungen und Entscheidungen vorher ins Vertrauen zieht.Aber ich sehe auch David Raum in einer Führungsrolle, den Leipziger Kapitän, aufgrund seiner Leistungen und seines Auftretens. Kai Havertz ebenso, genauso Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah, auch wenn sie zu den Ruhigeren gehören. Nick Woltemade ist auch hier ebenfalls schon sehr weit, ihn zähle ich zu den potenziellen Führungsspielern. Und Leon Goretzka natürlich, nicht zuletzt wegen seiner Erfahrung. Um Führungsspieler zu sein, muss man allerdings Stammspieler sein. Aber Nagelsmann sollte auch jemanden aus der 2. Reihe als Ansprechpartner haben, der die Gruppe derjenigen vertritt, die nicht oder nicht so oft spielen.Lesen Sie auchIch wurde schon mehrmals gefragt, ob ich Konfliktpotenzial in Nagelsmanns Kader sehe. Man muss da Antonio Rüdiger nennen, der mehrmals Dinge gemacht hat, die Schlagzeilen produziert haben, die man nicht braucht und nicht lesen will. Er muss sich bei der WM absolut im Griff haben.Und es hat mich gewundert, dass Alexander Nübel dabei ist als Nummer drei. Der dritte Torhüter ist eigentlich auch dafür da, für Harmonie pur zu sorgen. Wie etwa Sven Ulreich bei Bayern. Neuer und Nübel mögen sich aber nicht, das war nach dem DFB-Pokalfinale zu sehen, das weiß man auch schon länger. Auch Julian Nagelsmann weiß, dass die beiden scharfe Konkurrenten sind und nicht unbedingt ein Doppelzimmer teilen sollten. Das Problem wird die Mannschaft begleiten, weil es einfach so ist. Darauf müssen alle aufpassen.Generell fordere ich von jedem Spieler, dass er bei der WM seine persönlichen Befindlichkeiten hintanstellt und sich zu hundert Prozent in den Dienst der Mannschaft stellt. Derjenige, der nicht spielt, muss den Konkurrenten auf seiner Position unterstützen. Das heißt, er darf nicht beleidigt sein, sondern muss in jedem Training alles geben. Einmal, um selbst bereit zu sein, aber auch, um den Mitspieler noch weiter zu pushen. Wenn das jeder macht, steigert das die gesamte Mannschaftsleistung.In den nächsten Tagen in den USA wird es auf das Feintuning ankommen, darauf, dass sich die verschiedenen Mannschaftsteile auch taktisch miteinander abstimmen. Deshalb erwarte ich, dass wir am Samstag im letzten Test in Chicago gegen die USA zu mindestens 90 oder 95 Prozent die deutsche Nationalmannschaft sehen, die dann auch am 14. Juni in Houston gegen Curaçao in die WM startet. Ich wünsche mir wirklich, dass Neuer zu hundert Prozent fit wird. Könnte er nicht spielen, und Baumann würde überragend halten, ginge die ganze unnötige Diskussion womöglich wieder von vorn los.Und auch gegen diesen krassen Außenseiter Curaçao muss es auf jeden Fall unsere erste Elf sein, damit sie sich für die schwereren Aufgaben danach einspielen kann. Wenn auch sicherlich offensiver ausgerichtet als gegen stärkere Gegner.Apropos erstes Gruppenspiel: Ich selbst habe als Spieler WM-Auftaktpartien miterlebt, in denen wir uns gegen vermeintlich leichte Gegner schwergetan oder sogar blamiert haben. 1982 gegen Algerien 1:2, 1994 gegen Bolivien 1:0 – und nicht zu vergessen die Start-Niederlagen mit 0:1 gegen Mexiko und 1:2 gegen Japan bei den letzten beiden Weltmeisterschaften. Ohne respektlos gegenüber Curaçao sein zu wollen: Alles andere als ein klarer Sieg ist ein No-Go! Ich erwarte dieses Mal ein ähnliches Ergebnis wie 2002 beim 8:0 gegen Saudi-Arabien, was damals der erste Schritt auf dem Weg ins Finale war.Mit einer überzeugenden Leistung und einem klaren Sieg kann unsere Mannschaft sofort für positive Stimmung sorgen und die Fans emotional mitnehmen. Vielleicht sogar ähnlich, wie es uns 1990 beim 4:1 gegen das allerdings starke Jugoslawien gelang. Der Sieg gab uns damals enormen Schub Richtung Titelgewinn.Aufgezeichnet von Jörg Althoff. Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.
Nationalmannschaft: „Hat mich gewundert“ – Matthäus sieht zwei Fälle mit Konfliktpotenzial - WELT
Die WM-Mission der deutschen Nationalmannschaft nimmt Fahrt auf. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus nimmt das Team unter die Lupe. Er warnt Antonio Rüdiger – und wundert sich über die Konstellation im Tor der DFB-Elf.








