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Ranking: KI und Krise – die Gewinner und Verlierer der Managementberater Das dritte Rezessionsjahr in Folge trifft auch die Berater. Wie eine Studie zeigt, spitzt sich die Konkurrenz unter den Top 20 der deutschen Beratungshäuser zu. Aufsteiger ist eine Neugründung.
Tanja Kewes 01.07.2026 - 12:56 Uhr Artikel anhörenKünstliche Intelligenz: Der KI-Einsatz bei den Beratern sorgt für zusätzliche Dynamik im Markt. Foto: Getty ImagesFrankfurt. Die Wirtschaftskrise verändert auch die deutsche Beratungsbranche. 2025 sind die 20 nach Umsatz größten Beratungshäuser Deutschlands im Durchschnitt nur um 4,1 Prozent gewachsen.Manager anderer Branchen würden sich wohl über diesen Wert freuen, doch die Berater liegen damit deutlich unter den Erwartungen – und unter den Raten der beiden Vorjahre, als ihr Umsatz noch um durchschnittlich 7,5 Prozent (2023) und 12,5 Prozent (2024) gestiegen war.Wie die jährliche Analyse des Marktforschers Lünendonk zeigt, gewannen in der härteren Konkurrenz 2025 von Finanzinvestoren getriebene Beratungen an Größe und Einfluss. Der Analyse nach, die am Mittwoch vorgestellt wurde, zählen zwei der fünf führenden Beratungshäuser aus Stuttgart zu den Verlierern. Besonders eine Herausforderung beschäftigt die Branche.Die größte deutsche Managementberatung Roland Berger führt die sogenannte Lünendonk-Liste zwar weiter klar an. Der Gesamtumsatz der nach ihrem Gründer benannten Beratung stieg 2025 aber nur um unterdurchschnittliche 3,9 Prozent. Die Partnerschaft schaffte es damit immerhin zum zweiten Mal nach 2023, die Milliarden-Euro-Umsatzmarke zu durchbrechen, blieb jedoch erneut klar hinter den ambitionierten Wachstumsprognosen von Chef Stefan Schaible zurück.Auf Rang zwei folgt die auf Preisgestaltung spezialisierte Beratung Simon-Kucher aus Bonn mit einem Jahresumsatz von 606 Millionen Euro im Jahr. Das waren knapp sechs Prozent mehr Umsatz als 2024.Strategieberatung Roland-Berger-Chef Stefan Schaible: „Wir wollen global mitspielen“ Das in Finanzthemen etablierte Stuttgarter Beratungshaus Horváth behauptete mit 288 Millionen Euro zwar erneut den vierten Platz in der deutschen Konkurrenz, das Geschäft ging jedoch wie im Jahr zuvor zurück, wenn auch nur um ein statt um knapp fünf Prozent.Berater Porsche Consulting löst sich von Konzern – „2026 werden wir wieder deutlich wachsen“ Weiter an Einfluss verlor auch Porsche Consulting. Die Strategie- und Managementberatung, die zum Porsche-Konzern gehört, verlor zwar nicht mehr zweistellig an Umsatz wie noch 2024, lag mit 263 Millionen Euro und einem Minus von 2,2 Prozent allerdings wieder unter dem Vorjahreswert. Zudem meldete sie einen Mitarbeiterrückgang von 6,8 Prozent.Zu den Gewinnern unter den deutschen Managementberatungen zählt 2025 das vom niederländischen Finanzinvestor Waterland getriebene Haus Horn & Company. Der Umsatz legte – auch durch die Akquisition eines kleinen Wettbewerbers – um 26 Prozent auf 90 Millionen Euro zu.Genauso gut entwickelte sich die ebenfalls von Private Equity mitfinanzierte und auf Infrastruktur spezialisierte Beratung Quattron. Sie erreichte mit Kunden aus dem Schienenverkehr, dem Energiesektor und der Telekommunikation mit ebenfalls 26 Prozent auf 90 Millionen Euro die höchste Wachstumsrate innerhalb der Top 20.Branchenbeobachter Jörg Hossenfelder: „Hohe Dynamik.“ Foto: PRBranchenbeobachter und Lünendonk-Geschäftsführer Jörg Hossenfelder sagte: „Der deutsche Consultingmarkt erweist sich auch im dritten Rezessionsjahr als robust – getragen von zwei strukturellen Wachstumstreibern: KI-Consulting und Restrukturierung.“ Weiter sagte er bei der Präsentation der Studie vor Journalisten: Unternehmen stünden unter enormem Druck, ihre Prozesse zu modernisieren, Geschäftsmodelle zu erweitern und gleichzeitig Kosten zu senken. Beides sorge für eine „hohe Dynamik“.Grundsätzlich zeige sich „eine Spreizung des Marktes“. Denn während sechs der deutschen Top 20 im Jahr 2025 Umsatzeinbußen verbucht hätten, erzielten einzelne Häuser Wachstumsraten von bis zu 26 Prozent. Hossenfelder: „Der Markt differenziert sich, die Konsolidierung schreitet voran.“Dass sich dieser Trend noch verstärken könnte, zeigt ein Struktureffekt bei den Pro-Kopf-Umsätzen: Obwohl die Effizienz durch den KI-Einsatz der Studie zufolge grundsätzlich steigt, sinkt der durchschnittliche Pro-Kopf-Umsatz im Vergleich zum Vorjahr. Lediglich größere Beratungshäuser konnten höhere Pro-Kopf-Umsätze erzielen.Deutscher Markt ist imageträchtigDen deutschen Beratungsmarkt prägen zudem internationale Consultingfirmen – und zwar sowohl die drei führenden globalen Strategieberatungen McKinsey, Boston Consulting Group (BCG) und Bain als auch die Beratungseinheiten der vier weltweit führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte, PwC, EY und KPMG. Für sie ist der deutsche Markt wichtig, weil er groß und imageträchtig ist.An der Spitze steht eigenen Angaben sowie Schätzungen zufolge wie schon 2024 Deloitte mit 38,7 Milliarden Euro weltweitem Beratungsumsatz, gefolgt von Accenture mit 31,1 Milliarden Euro. Es folgen PwC (21,6 Mrd. Euro), EY (20,2 Mrd. Euro) und McKinsey (15,5 Mrd. Euro). KPMG erreicht 14,5 Milliarden Euro. Schließlich folgen BCG (12,7 Mrd. Euro) und Capgemini (12,1 Mrd. Euro). Bain kommt auf 7,4 Milliarden Euro, gefolgt von Mercer (5,5 Mrd. Euro).An Marktanteilen gewinnen auch die drei auf Krisensituationen und Restrukturierungen spezialisierten US-Beratungen Alvarez & Marsal, FTI sowie Alix. Sie legten der Lünendonk-Studie zufolge international jeweils mit zweistelligen Prozentsätzen zu. Und auch in Deutschland sind sie inzwischen nach Handelsblatt-Informationen etabliert.Die Analyse von Lünendonk liegt insgesamt im Trend mit den Berechnungen des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberatungen (BDU). Demnach erreichte das Marktvolumen in Deutschland im Jahr 2025 einen Wert von 49 Milliarden Euro – ein moderates Plus im Vergleich zum Vorjahr mit knapp 48 Milliarden Euro Umsatz.Für das laufende Geschäftsjahr prognostiziert der Verband ein Wachstum von 4,5 Prozent – und damit deutlich mehr, als 2025 erreicht wurde. Auch Lünendonk-Experte Hossenfelder ist optimistisch, aber etwas verhaltener. Er erwartet für 2026 ein Plus von maximal 3,5 Prozent. Treiber blieben die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.Puma-Schützenpanzer: Wachstumshoffnung Rüstung Foto: Philipp Schulze/dpaFür das Wachstum sollen auch neue Umsätze aus der Rüstungsindustrie, der kritischen Infrastruktur und dem Energiesektor sorgen. Allerdings bleibt Experten zufolge abzuwarten, ob diese positiven Impulse wie auch im Rest der deutschen Wirtschaft die vielen negativen Effekte überkompensieren können.Eine Herausforderung für die stark mittelständisch geprägte Branche in Deutschland bleibt der Generationswechsel. Mehr als jede zweite der 68 von Lünendonk in der Studie befragten Beratungen nennt die Besetzung und Nachfolge von Partnerpositionen als „größten Hemmfaktor“. Auch lange Übergangszeiten und ein aufwendiges Onboarding neuer Partner erschwerten die Nachfolgeplanung. Zusätzlich verstärke der Wettbewerb um externe Kandidaten den Druck.Hossenfelder sagte: „Es wird deutlich, dass der Partnernachwuchs zunehmend über Stabilität und Wachstum entscheidet. Wer Übergaben strafft, Partnerpfade und Beteiligungen klarer gestaltet sowie den Wissenstransfer systematisiert, stärkt den eigenen Marktauftritt.“ Das gelinge auffallend häufig dort, wo Private Equity beteiligt sei. Finanzinvestoren seien inzwischen bei acht der 30 größten deutschen Managementberatungen engagiert. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. 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