Der Vormarsch der KI sorgt bei Unternehmensberatern für Nervosität. Der Aktienkurs von Accenture bricht um fast die Hälfte einDer amerikanische Konzern ist mit der Implementierung von Softwarelösungen zu einem Koloss geworden. Nun fragen sich Anleger bange, was aus Accenture wird, wenn Kunden zunehmend selber programmieren.04.07.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenDas Beratungsunternehmen Accenture hat in Zürich gleich zwei neue Standorte bezogen.PDDie Büros des Beratungsunternehmens Accenture an den beiden Standorten in Zürich belegen je sechs Stockwerke. Die rundum renovierten Gebäude an bester Lage unweit der Bahnhofstrasse wurden vom amerikanischen Konzern erst Anfang vergangenen Jahres bezogen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Räumlichkeiten bieten mit ihrem edlen Mobiliar den Mitarbeitenden ein schickes Ambiente. In der Schweiz allein hat die weltgrösste Beratungsfirma 2000 Angestellte. Man ist gewohnt zu klotzen.«Wir sind das Versuchskaninchen»Schlecht dazu passt der Kurssturz, den die Aktien von Accenture seit Anfang dieses Jahres erlitten haben. Die Börsenkapitalisierung der Firma hat sich dadurch um fast die Hälfte auf 84 Milliarden Dollar verringert.Die massive Zurückstufung sorgt bei den Mitarbeitenden für lange Gesichter. Viele von ihnen sind mit Aktien direkt am Unternehmenserfolg beteiligt. «Wir sind im Moment das Versuchskaninchen der Beratungsbranche», sagt Petra Jantzer, die als Senior Managing Director in der Zürcher Niederlassung arbeitet. «Alle schauen auf uns und versuchen herauszufinden, wie stark die Verbreitung der künstlichen Intelligenz unser Geschäft tangieren könnte.»Andere grosse Beratungsfirmen wie McKinsey & Company, Boston Consulting Group sowie die vier grossen Wirtschaftsprüfer PwC, EY, Deloitte und KPMG stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Doch sie sind allesamt nicht börsenkotiert.Im vergangenen Geschäftsjahr (per Ende August 2025) erzielte Accenture einen Umsatz von fast 70 Milliarden Dollar. Von den weltweit fast 800 000 Beschäftigten des Kolosses hat fast die Hälfte ihren Arbeitsplatz in Indien.Accenture ist nicht nur damit gross geworden, Firmen Beratungsdienstleistungen vorab beim Einsatz von neuen Softwarelösungen zu verkaufen. Der Konzern gehört auch zu den grössten Anbietern beim Outsourcing von administrativen Funktionen.Das Heer von indischen Mitarbeitern erledigt für Unternehmen weltweit Tätigkeiten im Bereich der IT, in der Buchhaltung oder im Personalwesen. Dank dem deutlich niedrigeren Lohnniveau in Indien sowie Skaleneffekten, welche die riesige Organisation von Accenture ausspielen kann, profitieren Kunden in den USA oder in Europa von Kostenvorteilen.Mit Produkten von Microsoft und Google stark gewachsenIm vergangenen Jahrzehnt verzeichnete der Konzern einen grossen Wachstumsschub. Er half Tausenden von Kunden ihre IT in die Cloud-Infrastruktur von Microsoft oder Google überzuführen. Nun fragen sich Marktbeobachter indes, wie weit Unternehmen überhaupt noch neue Softwarelösungen benötigen, wenn ihre Mitarbeitenden dank KI zunehmend selber programmieren können.Noch verfügten Accenture und andere IT-Beratungsfirmen über ein Zeitfenster, sagt ein Branchenexperte. Sie können ihre Kunden beim Ausrollen der KI unterstützen. Doch sobald sich Unternehmen in der neuen Welt zurechtgefunden hätten, brauche es weder die meisten Softwarefirmen noch Berater. Accenture riskiere, ausradiert zu werden, meint der Marktbeobachter, der namentlich nicht genannt werden möchte.Mitarbeiter müssen umlernenJantzer räumt ein, dass die Mitarbeitenden von Accenture künftig weniger selber programmieren dürften. Der Konzern habe denn auch ein globales Rotationsprogramm gestartet, um Beschäftigte für neue Aufgaben vorzubereiten. Sie bleibe selbst optimistisch, was die führende Marktposition von Accenture betreffe.Die Beraterin verweist auf die fundierten Kenntnisse von Geschäftsprozessen, die sich der Konzern auch dank seiner langjährigen operativen Tätigkeit im Outsourcing-Bereich in den verschiedensten Branchen angeeignet hat. Damit besitze man auch einen grossen Vorsprung auf KI-Firmen. «Diese Unternehmen stehen erst am Anfang, sich in die meisten Branchen tief einzuarbeiten.»Laut Jantzer gehen Unternehmen grosse Risiken ein, wenn sie KI-Werkzeuge voreilig in ineffiziente Betriebsstrukturen integrieren. Accenture bringe das nötige Wissen und die Erfahrung mit, um Kunden im Gegenteil zu ermöglichen, ihre Prozesse mithilfe von KI zu optimieren.Anthropic und Open AI holen rasch aufAllerdings stellt sich auch vor diesem Hintergrund die Frage, wie lange Accenture und andere Beratungsfirmen noch ein Alleinstellungsmerkmal besitzen. Angesichts ihres rasanten Wachstums sollten auch KI-Unternehmen wie Anthropic oder Open AI bald die Bedürfnisse von Firmen aus den unterschiedlichsten Branchen eingehend kennen.Der Kurseinbruch der Accenture-Aktien spiegelt die vielfältigen Bedenken, die der Berater- und der Softwarebranche entgegengebracht werden. Allerdings scheint er die meisten Analysten auf dem falschen Fuss erwischt zu haben. Bei den meisten Wertschriftenhäusern steht Accenture noch immer hoch in der Gunst. Von den 27 Finanzhäusern, deren Einschätzungen in der Datenbank von Bloomberg erfasst sind, empfehlen 14, die Titel der Beratungsfirma weiterhin zu kaufen. 13 raten zum Halten. Kein einziges Institut führt eine Verkaufsempfehlung.Zu den Branchenbeobachtern, welche die Aktien von Accenture weiterhin für kaufenswert halten, gehören die Analysten der amerikanischen Grossbank J. P. Morgan. Sie weisen auf die starke Stellung hin, die das Unternehmen unter internationalen Grosskonzernen geniesst. Accenture habe mehr als 300 Kunden mit einem jährlichen Umsatzvolumen von je über 100 Millionen Dollar unter Vertrag. Dies sei in der Branche einmalig.Accenture schaffe es zudem, einen hohen Cashflow zu erwirtschaften. Dies ermögliche dem Unternehmen nicht nur, Dividenden zu bezahlen, sondern auch Aktien zurückzukaufen sowie Akquisitionen zu finanzieren. Bei Zukäufen habe das Unternehmen seit Jahren viel Geschick bewiesen, finden die Analysten von J. P. Morgan.«Wir sind kerngesund», sagt auch Petra Jantzer. Im jüngsten Geschäftsquartal (per Ende Mai 2026) erreichte die operative Marge von Accenture 17 Prozent.Frustrierender Vergleich mit WalmartUmso mehr wurmt es die Mitarbeiter der Beratungsfirma, dass andere amerikanische Grosskonzerne wie beispielsweise der Detailhandelsriese Walmart trotz deutlich geringerer Profitabilität an der Börse markant höher bewertet werden. Die operative Marge von Walmart dürfte im laufenden Geschäftsjahr (per Ende Januar 2027) laut Schätzungen auf 4,7 Prozent zu liegen kommen. Zugleich weisen die Aktien der Supermarktkette, die weltweit über 2 Millionen Personen beschäftigt, ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 38 auf. Bei Accenture ist diese Kennziffer auf 10 abgestürzt.Dem Beratungsunternehmen könnte eine längere Durststrecke bevorstehen. Es wird nicht nur beweisen müssen, dass es trotz starker Konkurrenz durch KI-Firmen weiter wachsen kann. Accenture steht auch vor der Herausforderung, ein grosses Versprechen bei den Kunden zu erfüllen. Diese erwarten, dank dem Einsatz von künstlicher Intelligenz rasch effizienter und innovativer zu werden.Noch wurde in keiner Branche auf breiter Basis der Erfolgsbeweis dafür erbracht. Die Unternehmensberater sind in der Bringschuld.Passend zum Artikel
Angst wegen des Vormarsches von KI: Aktienkurs von Accenture bricht um fast die Hälfte ein
Der amerikanische Konzern ist mit der Implementierung von Softwarelösungen zu einem Koloss geworden. Nun fragen sich Anleger bange, was aus Accenture wird, wenn Kunden zunehmend selber programmieren.








