Der geheimnisvollste Ort der WM: Aus dem Schweizer Camp drangen gemischte Signale – was bleibt vom Geist von San Diego?Die Stimmung im WM-Camp wird immer als gut verkauft. Doch bei den Schweizer Fussballern würde man sich dieses Jahr besonders gerne umhören.01.07.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenVon Geigenspielern empfangen: Gregor Kobel kommt am 2. Juni im Luxushotel «Fairmont Grand Del Mar» in San Diego an.Denis Poroy / APAn der kleinen Strasse, die zum «Fairmont Grand Del Mar» führt, dem Hotel der Schweizer Nationalmannschaft, steht ein mächtiges Tor. Es wird von einem Pförtner bewacht und schwingt nur für jene auf, die Zutritt haben zum Luxushotel, das im Umland von San Diego liegt und über einen eigenen Golfplatz verfügt. Journalisten sind hier unerwünscht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In den vergangenen vier Wochen wurde das Hotel für die Schweizer Fussballer zur zweiten Heimat. Am Dienstag haben sie das Tor zum letzten Mal passiert; für den Rest des Turniers reisen sie nun von Spielort zu Spielort, zuerst nach Vancouver, wo sie am Freitag (5 Uhr MESZ) auf Algerien treffen.Newsletter «Sport – WM-Spezial»Das Wichtigste von der Fussball-WM auf einen Blick: Unser Spezial-Newsletter liefert Ihnen Eindrücke aus Nordamerika sowie Einordnungen und Hintergründe zu den entscheidenden Entwicklungen.Jetzt kostenlos abonnierenOb der eine oder andere Nationalspieler beim Abschied aus San Diego Wehmut verspürte, ist nicht überliefert. Überhaupt weiss man wenig darüber, was sich im Schweizer Lager wirklich zugetragen hat – das WM-Camp ist der geheimnisvollste Ort des Turniers. Und einer der wichtigsten: Vieles, was auf dem Platz passiert, hängt damit zusammen, was daneben passiert.Siege als StimmungsaufhellerDie Vorgänge im WM-Camp sind deshalb ein beliebter medialer Forschungsgegenstand. Gerne fällt dann der Begriff «Geist». So war das etwa, als die Deutschen 2014 in Brasilien Weltmeister wurden und in Campo Bahia ein Camp aufgeschlagen hatten, dessen Bedeutung für den Team-Spirit seither fleissig überhöht wird. 2024 wiederum trug der «Geist von Waldau» die Schweizer Fussballer an der EM bis in den Viertelfinal.Wie dereinst über den Geist von San Diego berichtet wird, hängt davon ab, wie es den Schweizern in den kommenden Tagen ergehen wird: im Sechzehntelfinal, im allfälligen Achtelfinal.Über die Stimmungslage im Schweizer Team wurde in den vergangenen Wochen viel spekuliert, was vor allem mit Granit Xhaka zu tun hatte. Nachdem sowohl das letzte Testspiel als auch der Auftakt gegen Katar 1:1 geendet hatten, sah sich der Captain veranlasst, Kritik an seiner Mannschaft zu üben: Man müsse «aufwachen», mit «beiden Beinen in der Realität ankommen».Der Captain Granit Xhaka macht klare Ansagen – und erntet wegen der Kollegenschelte selbst Kritik.Peter Klaunzer / KeystoneDer «Blick» berief sich in den Tagen nach dem Spiel auf eine Quelle, die im Zusammenhang mit dem Auftreten des Captains im WM-Camp das Wort «toxisch» verwendet habe. Natürlich bekräftigte danach fast jeder Protagonist aus dem Schweizerischen Fussballverband (SFV), dass es bestens stehe um die Stimmung im Team; so sehen es die WM-Ritualien vor. Doch wer genau hinhörte, fand Sätze, die auf Spannungen hindeuteten.Da war Ruben Vargas, der nach dem Katar-Spiel sagte, es brauche nun Zusammenhalt, «auf jeden Fall», und man dürfe sich nicht «selbst auffressen». Fabian Rieder erzählte, man habe sich nach dem Auftaktspiel «klar und direkt» ausgetauscht. Und da war schliesslich Murat Yakin, der bei «Blue» sagte, mit Xhaka zu reden, sei «immer eine grosse Freude», aber «nicht immer angenehm».Wahrscheinlich stand es um die Stimmung im Schweizer Team nach dem 1:1 gegen Katar tatsächlich nicht zum Besten, was ja auch keine Überraschung ist. Schliesslich war beim Aufgalopp zur WM einiges zusammengekommen. Die Einreiseprobleme von Breel Embolo. Der Doppeladler im Baseball-Stadion. Nebengeräusche überall. Und dann noch dieses 1:1 gegen Katar. Doch darauf folgten die beiden Erfolge gegen Bosnien-Herzegowina und Kanada, und weil es keine besseren Stimmungsaufheller gibt als Siege, gerade an Turnieren, dürften sie vieles verändert haben.Die Schweizer Siege gegen Bosnien-Herzegowina und Kanada liessen die Nebengeräusche verstummen.Timothy Matwey / ImagoDer SFV transportiert eine gute Atmosphäre nach aussenDer SFV bemühte sich in den Tagen nach dem Gruppensieg jedenfalls, eine gute Atmosphäre zu transportieren. Einmal schickte der Verband Patrick Foletti zum Medientermin, der seit 15 Jahren der Torhütertrainer im Verband ist. Foletti hat etwas Mitreissendes, er sprach von der «geilen Energie» und den «guten Vibes», die im Schweizer Team herrschten. Wobei das schon nicht immer so gewesen sei in den vergangenen Wochen, wie er sagte: «Das Ganze war nach dem Remis gegen Katar nicht ganz ohne.» Konkreter wurde er nicht.Am Tag darauf sassen Roger Kaspar und Damien Mollard, der Materialwart und der Teammanager, auf dem Podium. Die beiden berichteten von den logistischen und organisatorischen Herausforderungen, die eine WM bereithält. Und schwärmten, scheinbar nebenbei, von den Abenden im WM-Camp. Nicht selten vermischten sich da die Staff-Mitglieder und die Spieler, erzählte Kaspar. «Solche gemeinsamen Erlebnisse finde ich sehr wichtig. Man spricht dann auch einmal über private Sachen.»Eine kluge Strategie, wie die Verantwortlichen im SFV häppchenweise Anekdoten zu «schönen Momenten» im WM-Camp streuten. Aber natürlich erfährt man da nur Positives. Wie es wirklich ist, das wissen nur die Mäuschen im «Fairmont Grand Del Mar». Sofern es im Luxushotel überhaupt welche gibt. Auf jeden Fall wäre man gerne eines, das gilt in diesem Jahr ganz besonders.Dann hätte man mithören können, wie die Gespräche zwischen Granit Xhaka und Murat Yakin vonstattengingen. Und womit sich Xhaka in den letzten Tagen beschäftigt hat. Er soll ja von Sunderland zu Chelsea wechseln wollen, was sein Klub laut Medienberichten verhindern will.Es liesse sich auch in Erfahrung bringen, wie es Noah Okafor, dem ewigen Reservisten, wirklich geht. Okafor lobte nach dem Gruppensieg demonstrativ die gute Stimmung im Camp. Zu seinen eigenen Ambitionen sagte er, es habe ihn schon etwas «angepisst», dass er noch keine WM-Minute gespielt habe. Was ja doch schon einiges sagt.Oder wie es um die Laune von Denis Zakaria, Ardon Jashari und Zeki Amdouni steht. Alle drei standen beim 1:1 gegen Katar zum ersten und zum letzten Mal auf dem Platz.Der Genfer Denis Zakaria stand bisher nur einmal auf dem Platz – Noah Okafor kommt auf null Minuten.Peter Klaunzer / KeystoneDie nächtliche Spritzfahrt von Porto SeguroManches von dem, was in einem Team-Camp vor sich geht, ist erst zu erfahren, wenn die Zelte wieder abgebrochen sind. Wer wem auf die Nerven gegangen ist. Wer in Porto Seguro, wo die Schweizer an der WM 2014 logierten, beteiligt war, als bei einer nächtlichen Spritzfahrt ein älterer Spieler einen jüngeren in die Nähe einer angebeteten Dame chauffierte.Oder dass Valon Behrami in Togliatti vor allem deshalb mit dem Handy beschäftigt war, weil er, frisch verliebt, seiner späteren Ehefrau Lara Gut die Reise an die WM 2018 organisierte. Wie am gleichen Ort Granit Xhaka kreidebleich zum Abschlusstraining vor dem Match gegen Serbien erschien, weil er und seine Familie massiv bedroht worden waren.Gut möglich, dass auch aus dem Camp in San Diego die eine oder andere Geschichte auftaucht; bis jetzt weiss man nur, dass der Trainer Murat Yakin sich nach dem Katar-Spiel veranlasst sah, die Spieler daran zu erinnern, sich an die Camp-Regeln zu halten.Spielen die Schweizer Fussballer wie erhofft die «beste WM der Geschichte», so wird sich hinterher kaum jemand daran erinnern. Fliegt ein Nationalteam aber früh aus dem Turnier – wie am Montag die Deutschen –, sucht man danach besonders intensiv nach den Gründen. Und wird nicht selten auch im WM-Camp fündig.Mitarbeit: Stephan RammingPassend zum Artikel
Das WM-Camp ist der geheimnisvollste Ort – wie ist die Stimmung bei der Schweiz?
Die Stimmung im WM-Camp wird immer als gut verkauft. Doch bei den Schweizer Fussballern würde man sich dieses Jahr besonders gerne umhören.







