Und plötzlich knistert da ein Feuerchen und dort eines: Wie den Schweizern vor dem WM-Start die Ruhe abhandengekommen istEmbolos Einreiseprobleme, Xhakas Weckruf und dann noch ein Doppeladler: Es ist einiges zusammengekommen im Schweizer Team in den vergangenen Tagen. Wie schlimm das ist, wird sich noch zeigen. Aber es illustriert, welche Kräfte gerade wirken.09.06.2026, 08.00 Uhr5 LeseminutenDer Captain Granit Xhaka (links) rüttelte das Team wach – der Coach Murat Yakin sagte, ab Dienstag seien sie «sicher im WM-Modus».Peter Schneider / KeystoneUnd dann dringt am Montag tatsächlich die Kunde ins Land, dass es brenne in San Diego, ein Buschfeuer im Sorrento Valley, ganz in der Nähe des Schweizer Trainingscamps, «nur fünf Fahrminuten», meldet der «Blick». Der Reporter steht vor Rauchwolken und spricht mit ernster Stimme.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Szene ist wie geschaffen als Miniatur für alles, was sich in den letzten Tagen um das Schweizer Nationalteam zugetragen hat. Gerade noch herrschte eine Ruhe, wie sie sich jeder Trainer wünscht. Bis vor einer Woche war das so. Da machten sich die Schweizer Fussballer in Zürich zum Flughafen auf, und Sorgen hatten sie nicht viele im Gepäck.Und nun: Buschbrand in San Diego. Rauchwolken über dem Trainingscamp. Und das eine oder andere Feuer hat es im Schweizer Lager in den vergangenen Tagen ja durchaus gegeben. Es hat nicht offen gebrannt. Aber bestimmt: geknistert.Der Fall Embolo. Die Worte Xhakas. Der unvermeidliche Doppeladler.Man muss das alles noch nicht zu gross machen. Schliesslich haben die Schweizer bis anhin keine einzige WM-Partie absolviert; nach allem, was man vom letzten Jahr weiss, sind sie eine sehr gut funktionierende Mannschaft. Aber wer über die letzten Tage Buch führt, ganz nüchtern, und dann alles zusammenrechnet, ganz nüchtern, der kommt schon zu dem Schluss, dass da einiges an sogenannten Nebenschauplätzen zusammengekommen ist. Und zwar in kurzer Zeit.Mit dem Fall Embolo fängt alles anEs fängt am vergangenen Dienstag an, zwei Tage nach dem letzten Test in der Schweiz. Ein lockeres 4:1 gegen Jordanien in St. Gallen, das sich nahtlos einfügt in den sorgenfreien Aufgalopp zur WM. Und jetzt: Abflug in die USA. Doch dann geht die Meldung um, dass Breel Embolo nicht mit an Bord dürfe. Der Stürmer – er ist der beste und auch der einzige seiner Art im Schweizer Team und darum unersetzbar – ist schon am Flughafen eingetroffen. Aber ins Flugzeug darf er nicht einsteigen. Die US-Behörden haben seine Esta-Einreisebewilligung widerrufen.Der Grund ist eine Verurteilung Embolos wegen mehrfacher Drohung, die im April rechtskräftig wurde. Nun muss der Stürmer nachträglich ein Visum beantragen und dafür auf der US-Botschaft in Bern vorstellig werden. Der Prozess wird für den Sportler beschleunigt. Aber für den SFV dauert er trotzdem lange, weil immer alle fragen, wie es denn stehe in der Sache. Wann Embolo endlich komme. Am Freitag, drei Tage nach seinen Teamkollegen, trifft der 29-Jährige schliesslich in San Diego ein.Die Erleichterung im Schweizer Camp ist greifbar. Der SFV stellt am Freitagabend den Medien sogar Videomaterial von Embolos Ankunft zur Verfügung. Der Stürmer steigt aus einem Auto, es gibt viele Umarmungen, in den sozialen Netzwerken werden die Bilder mit pathetischer Musik unterlegt. Der Subtext: Er ist da. Jetzt kommt alles gut.Am Samstag spielt die Schweiz gegen Australien. Embolo ist noch nicht dabei, die Begegnung kommt zu früh für ihn. Auch der Rest des Schweizer Teams macht nur etwa 20 Minuten mit. Die Schweiz trifft zum 1:0, aber dann beteiligt sie sich nicht mehr gross am Spiel.Nach dem Spiel stellt sich Granit Xhaka vor die Fernsehkamera. Der Captain startet langsam ins Interview, doch rasch kommt er in Fahrt. Und lässt sich nicht mehr aufhalten. Er habe gelernt, dass er nicht allzu viel sagen dürfe, gerade er, sagt Xhaka. Und sagt dann doch viel.«So kann man nicht auftreten», etwa. Oder: «Wir müssen aufwachen.» Er macht klar, dass ihm nicht gefallen hat, wie im Training gearbeitet wurde. Xhaka ist unzufrieden, einmal sagt er, dass noch «das mit Breel» passiert sei. Und später, dass er nur beeinflussen könne, was auf dem Platz passiere. Dass der SFV 50 Staffmitglieder dabeihabe, und «jeder hat seine Aufgabe».Es steckt einiges in Xhakas Ausbruch, er adressiert eigentlich alle. Seine Mitspieler. Den Staff des Verbands. Auch Murat Yakin, «den Trainer», erwähnt er explizit. Offensichtlich haben Xhaka, der stets auf Professionalität pocht, und das seit Jahren, da ein paar Sachen geärgert. Bestimmt, dass der Stürmer Embolo erst später anreisen konnte. Und er hat auch wieder eine gewisse Nonchalance im Trainingsbetrieb ausgemacht – ein Thema, das Xhaka schon früher angesprochen hat, bei seiner Kritik an der Trainingsgestaltung im berühmten Krisen-Herbst 2023, als es um die Beziehung mit dem Trainer Yakin nicht gut stand.Am Samstagabend, als die Schweizer Fussballer sich nach dem Australien-Match ein Baseballspiel anschauen und im Stadion von San Diego auf der Grossleinwand gezeigt werden, zeigt Xhaka dann mit Ricardo Rodríguez den Doppeladler. Und weil die Grundtemperatur jetzt schon merklich erhöht ist, weil überhaupt die WM näher rückt und weil der Doppeladler eine Geste mit einer langen Vorgeschichte ist, machen diese Bilder bald in den Medien die Runde.Der SFV sieht sich sogar zu einer Stellungnahme veranlasst; seine Medienleute hatten in den letzten Tagen mehr Themen zu moderieren, als sie sich das vor einer Woche hätten träumen lassen. Dazu gehört auch ein Beitrag von SRF, laut dem sich der SFV-Sponsor VW einst vom Werbeträger Manuel Akanji mit der Begründung getrennt haben soll, dieser wirke «nicht schweizerisch» genug.Noch nicht einmal WM und schon so viele ThemenEs sind verschiedene Geschichten, die da zusammenkommen, und man kann sie unterschiedlich bewerten. Wer findet, dass der SFV im Fall Embolo proaktiver hätte handeln und von Anfang an ein Visum hätte beantragen müssen, der findet Rechtsexperten, die das auch so sehen. Wer findet, dass man dem SFV nichts vorwerfen kann, weil er gegen die Willkür der US-Behörden machtlos war, der findet Rechtsexperten, die das auch so sehen, auch hier, in den USA.Wer findet, dass Xhaka mit seinen Worten nach dem Spiel gegen Australien einfach nur aufrütteln wollte, der findet dafür die passenden Aussagen. Wer eine breitere, strukturelle Kritik ausmachen will, auch an Trainer Yakin, der findet Aussagen, die sich so interpretieren lassen.Und wer findet, dass der Doppeladler im Baseballstadion eine unnötige, gar provokative Aktion war – sie war beides nicht –, der kann auch dafür Argumente auftreiben.Aber eben: Wenn man alles zusammenrechnet, kommt unter dem Strich sowieso einiges zusammen. Es zeigt sich, welche Kräfte im und um das Team herum wirken. Es geht um Charaktere, Temperamente, Beziehungen, auch: die öffentliche Wahrnehmung des Nationalteams. Und jetzt ist WM. Alles liegt unter dem Brennglas. Es ist nicht die Zeit, sorglos zu sein, schon gar nicht nonchalant.Noch kein einziges Spiel bestritten. Und schon so viele Themen. Im SFV hoffen die Verantwortlichen, dass nun wieder etwas Ruhe einkehrt, das war am Montag spürbar. Wie viel von den Geschichten hängenbleibt, wie sie nachwirken, das wird sich noch zeigen. Ein Sieg gegen Katar zum Auftakt, ein klarer, und vieles ist vergessen. Aber was, wenn nicht?Murat Yakin, dem Trainer, fiel am letzten Samstag, als er sich zu den Aussagen seines Captains Xhaka äussern musste, irgendwann der erstaunliche Satz ein, dass sie ab Dienstag «sicher im WM-Modus» sein würden. Das wäre bestimmt nicht schlecht.Und das Feuer im Sorrento Valley? Das war am Montagabend Ortszeit zusehends «contained», also unter Kontrolle.Passend zum Artikel