Emotionales Gakpo-TorMit einem 3:1 gegen Tunesien hatten sich die Niederlande den Gruppensieg gesichert. Ronald Koeman vollzog daraufhin einen positionsgetreuen Wechsel (Summerville für Malen) und brachte außerdem van de Ven für Reijnders, was zu einer Umstellung auf eine Dreierkette führte. Bemerkenswert war indes, dass Gakpo trotz seines privaten Schicksalsschlags erneut in der Startelf stand. Der Linksaußen und seine Partnerin hatten am Samstag mitgeteilt, dass sie ihren gemeinsamen Sohn noch vor der Geburt verloren haben.Punktgleich mit Spitzenreiter Brasilien hatte Marokko wiederum die Gruppe C als Zweiter abgeschlossen. Im Vergleich zum 4:2 gegen Haiti rotierte Mohamed Ouahbi wieder eins zu eins zurück, indem er Diop, Mazraoui, Bouaddi und Ounahi statt Halhal, Salah-Eddine, Amrabat und El Kaabi beginnen ließ.Platzwunde bei van Hecke - Verbruggen zweimal zur StelleDie Intensität war in Monterrey von Beginn an hoch, schon früh wurden die Zweikämpfe robust, aber nicht unfair geführt. Immer wieder stand dabei van Hecke im Fokus, der zunächst mit Saibari aneinandergeraten war (8.) und letztlich aufgrund einer Platzwunde behandelt werden musste, die ihm jedoch Mitspieler van Dijk unfreiwillig zugefügt hatte (38.).Fußballerisch ging die größte Gefahr unterdessen von den Atlas-Löwen aus, die sich binnen weniger Augenblicke gleich zweimal gefährlich annäherten. Sowohl El Aynaoui (20.) als auch Hakimi zwangen Oranje-Keeper Verbruggen zu guten Paraden.Kaum Oranje-Chancen - Saibari kratzt an der PausenführungIn puncto Ballbesitz boten die Niederländer den Marokkanern derweil bis zur Pause ein Spiel auf Augenhöhe, was allerdings nicht für die Chancenqualität galt. Mit wenigen Ausnahmen - einem Distanzversuch von van de Ven etwa (44.) - führte die Elftal ihre Vorstöße nur selten zwingend zu Ende.Dass es nach der ersten Hälfte weiterhin 0:0 stand, hatte die Koeman-Elf letztlich ihrem aufmerksamen Torhüter, aber auch dem gewissen Quäntchen Glück zu verdanken. In der sechsten Minute der Nachspielzeit verpasste Saibari kurz vor der Torlinie eine Hakimi-Hereingabe hauchzart.Marokko kommt stark aus der KabineUnverändert kamen die beiden Teams aus den Kabinen, den besseren Start legten aber zweifelsohne die Nordafrikaner hin. Nachdem Hakimi, der womöglich knapp im Abseits stand, am Querbalken gescheitert war (52.), konnte der marokkanische Kapitän gerade noch rechtzeitig vom grätschenden van de Ven aufgehalten werden (56.).In der Anfangsphase der zweiten Hälfte war es ein dominanter Auftritt der Atlas-Löwen, die die Niederlande kaum zur Entfaltung kommen ließen. Koeman entschied sich schließlich für einen Doppelwechsel und erhoffte sich von Koopmeiners sowie Weghorst (für Aké und Brobbey) neue Impulse (71.).Gakpo jubelt emotional - Atlas-Löwen erzwingen VerlängerungUnd tatsächlich fruchtete vor allem die Einwechslung von Weghorst direkt, denn der Joker sammelte unmittelbar darauf den Pre-Assist vor dem Führungstreffer. Weghorst verlängerte einen Abschlag auf den durchstartenden Summerville, der im Fallen auf Gakpo querlegte. Der 27-Jährige vollstreckte eiskalt und wurde beim anschließenden Jubel wenig überraschend von seinen Emotionen übermannt (72.).Plötzlich standen die Marokkaner unter Zugzwang - und sie lieferten. Nach einer maßgenauen Flanke von Talbi köpfte der aufgerückte Diop seine Mannschaft verdientermaßen in die Verlängerung (90.+1).Mega-Parade von Verbruggen - Entscheidung im ElfmeterschießenDie erste Hälfte der insgesamt 30 Extra-Minuten hielt eine Großchance bereit, die Rahimi im Eins-gegen-eins mit dem bärenstark parierenden Verbruggen aber nicht nutzen konnte (97.). Da der zweite Abschnitt ohne große Höhepunkte über die Bühne ging, musste die Entscheidung im Elfmeterschießen her.Und dieses sollte insgesamt gleich fünf Fehlschüsse bereithalten - wovon vier ohne Einwirkung eines Torhüters zustande kamen. Das nötige Glück hatten hierbei die Marokkaner auf ihrer Seite, die letztlich durch den entscheidenden Treffer von Saibari das Ticket für die nächste Runde buchten.Während sich die Niederländer bei ihrer zwölften WM-Teilnahme damit frühzeitig aus dem Turnier verabschiedeten, geht die Reise für Marokko weiter. Am kommenden Samstag (19 Uhr) wartet das Achtelfinalduell mit Kanada.