PfadnavigationHomeSportFußballWMDuell mit den Niederlanden„Haben alle Zutaten, um eine großartige Mannschaft zu sein“, sagt Marokkos TrainerVeröffentlicht am 29.06.2026Lesedauer: 4 MinutenMarokko gewinnt sein drittes Gruppenspiel, doch die schönsten Tore erzielt der Außenseiter. Haiti geht gleich zweimal durch Traumtore in Führung, doch die Marokkaner drehen spät das Spiel. Die Highlights im Video.Der Halbfinalist von 2022 hat sich bei der WM viel vorgenommen und spricht gerne darüber. Marokkos neuer Trainer Mohamed Ouahbi traut seinem Team sogar den Titel zu. Zuvor gilt es jedoch, die Hürde Niederlande zu nehmen.An diesen Spielort hat Mohamed Ouahbi gute Erinnerungen. „Ich habe als Kind die WM 1986 am Fernseher verfolgt“, sagte der marokkanische Trainer. Das hätte in dem damals Zehnjährigen die Begeisterung für Fußball geweckt.Vor 40 Jahren hatte sich Marokko zum zweiten Mal für eine Endrunde qualifiziert – und es dann bei der WM in Mexiko als erstes afrikanisches Team ins Achtelfinale geschafft. Die „Löwen vom Atlas“ hatten sich überraschend in einer schweren Vorrundengruppe mit England, Portugal und Polen durchgesetzt. Vor allem das dritte Spiel sei ihm noch präsent, so Ouahbi. In Monterrey kämpften die Marokkaner Portugal nieder und gewannen 3:1.Nun reist Ouahbi mit dem Team, das er erst im März von Walid Regragui übernommen hat, an diesen geschichtsträchtigen Ort, gut 200 Kilometer südlich der Grenze zu den USA gelegen. Am Dienstag (3 Uhr MESZ/Magenta TV und im WELT-Liveticker) trifft Marokko in Monterrey auf die Niederlande. Es wird nicht nur aufgrund der äußeren Bedingungen – die Hitze, die Höhenluft – ein schweres Spiel. Denn es treffen auch, glauben nicht wenige, zwei WM-Geheimfavoriten aufeinander.Ouahbi will da nicht widersprechen – zumindest nicht in Bezug auf die Einordnung seiner Mannschaft. „Wir werden mittlerweile von der Welt ganz anders wahrgenommen – als eine Mannschaft, die auf einem internationalen Level etwas erreichen kann. Wir werden jetzt respektiert“, erklärte der 50-Jährige den Unterschied zwischen 1986 und 2026. Marokko sei in einer „ganz neuen Dimension“ angekommen. Die Euphorie in der Heimat ist riesig. „Die Fans glauben daran, dass wir bei dieser WM etwas erreichen können – und die Spieler und ich auch“, so Ouahbi.Das sind selbstbewusste Töne – die allerdings, davon ist der frühere U20-Nationaltrainer überzeugt, ihre Berechtigung haben. In der Vorrunde mussten die Marokkaner lediglich Brasilien den Vortritt in der Tabelle lassen – allerdings forderten sie dem fünfmaligen Weltmeister bei dem 1:1 im Auftaktspiel alles ab. Seine Mannschaft habe das Zeug, jeden Gegner zu schlagen – auch die Niederlande.Eklat beim Afrika-Cup Dass mit den Marokkanern zu rechnen ist, ist nicht neu. 2022 hatten sie es in Katar bis ins Halbfinale geschafft – und im Januar hätten sie beinahe den Afrika-Cup gewonnen. Das verlorene Finale in Rabat wirkt allerdings nach – vor allem die turbulenten Ereignisse, die es begleiteten: Tumulte, Schlägereien und ein Finalgegner, der unter Protest den Platz verlassen hatte. Die Senegalesen fühlten sich verschaukelt, weil ihnen beim Stand von 0:0 in der Schlussphase ein Treffer aberkannt – und den Marokkanern kurz darauf ein umstrittener Strafstoß zugesprochen worden war.Lesen Sie auchEs waren skurrile Szenen. Da stand Brahim Díaz minutenlang am Elfmeterpunkt, während die Senegalesen in den Katakomben verschwunden waren und um ihn herum Ordner und Fans aufeinander einprügelten. Als die Partie endlich fortgesetzt werden konnte, hatte sich bei Díaz so viel Druck aufgebaut, dass er verschoss. Es kam zur Verlängerung, der Senegal siegte 1:0.Das eigentliche Drama aber spielte sich nach dem Schlusspfiff ab. Marokkos Coach Walid Regragui strafte Díaz, der bis dahin bester Spieler des Turniers gewesen war, exemplarisch ab und wechselte ihn in der Verlängerung aus. Das nahmen ihm viele übel – und es könnte auch beim Trainerwechsel eine gewisse Rolle gespielt haben.In Ouahbi hat Díaz einen Fürsprecher – der den Star von Real Madrid gegen alle Kritiker in Schutz nimmt. „Er ist ein großer Spieler. Jemand, der uns sehr viel gibt. Das hat er auch schon mit zwei Assists bei dieser WM bewiesen. Er bekommt von mir alle Unterstützung“, erklärte Ouahbi, nachdem er Díaz, der beim 4:2 im letzten Gruppenspiel gegen Haiti leistungsmäßig abgefallen war, ausgewechselt hatte. Der Coach geht fast schon fürsorglich mit den Stars um. Auch Kapitän Achraf Hakimi und Top-Scorer Ismael Saibari sind deshalb voll des Lobes.Doch hinter dem Trainerwechsel steckte auch eine strategische Überlegung. Die FRMF, der marokkanische Verband, denkt bereits über die WM hinaus. 2030 ist Marokko neben Spanien und Portugal selbst Hauptgastgeber. Derzeit werden bereits sechs Stadien renoviert, und der Neubau des Grand Stade Hassan II in der Nähe von Casablanca hat begonnen. Es soll eine Riesenarena mit 115.000 Plätzen werden. Marokko will bei der WM im eigenen Land auf jeden Fall um den Titel mitspielen.Deshalb wird auf Ouahbi gesetzt – und dessen Expertise als Nachwuchsförderer. Der Coach, der die U20 im vergangenen Jahr zum WM-Titel geführt hat, soll verstärkt Talente integrieren. Bei der Kaderauswahl hat er das bereits getan. Er setzt nun auch auf junge Spieler – und lässt sie auch spielen. Gessime Yassine, ein 20-jähriger Stürmer, kam gegen Haiti von der Bank – und erzielte in seinem ersten WM-Spiel gleich sein erstes Tor. Er soll einer der Atlas-Löwen von 2030 werden.Ob es trotzdem 2026 schon zum Titel reichen kann? Das möchte Ouahbi zumindest nicht ausschließen. „Wenn wir jedes Spiel mit 200 Prozent Bereitschaft angehen, würden wir die Voraussetzung erfüllen. Denn wir haben alle Zutaten, um eine großartige Mannschaft zu sein.“
Duell mit den Niederlanden: „Haben alle Zutaten, um eine großartige Mannschaft zu sein“, sagt Marokkos Trainer - WELT
Der Halbfinalist von 2022 hat sich bei der WM viel vorgenommen und spricht gerne darüber. Marokkos neuer Trainer Mohamed Ouahbi traut seinem Team sogar den Titel zu. Zuvor gilt es jedoch, die Hürde Niederlande zu nehmen.













