PfadnavigationHomeICONISTModeChanel-StrategieSo wird man WeltmeisterStand: 07:25 UhrLesedauer: 3 MinutenGute Wahl: Chanel-Markenbotschafterin Sandra Hüller in CannesQuelle: Marc Piasecki/FilmMagic/Getty ImagesZwei Hochzeiten, ein Brautkleid – und ein überraschender Sieger der Luxusbranche: Chanel. Warum ausgerechnet jetzt die traditionsreiche Marke wieder zur begehrtesten der Welt aufsteigt.Es mag wie Faulheit wirken, dass in dieser Kolumne bereits zum zweiten Mal die Hochzeit zwischen der Sängerin Dua Lipa und dem Schauspieler Callum Turner zum Thema gemacht wird. Doch vertrauen Sie mir: Das scheint nur so! Die Heiratsfeierlichkeiten wurden zweigeteilt: eine Zeremonie in London im kleinsten Kreis (immerhin: „The Sun“ war auch dabei) und eine größere Party im Zentrum von Palermo.Dort mussten Anwohner Passierscheine vorzeigen, aber irgendwer in der Stadtverwaltung wird sich etwas dabei gedacht haben, die Stadt an die Prominenz zu verhökern. Etwa: Dua Lipa ist auch nicht ärgerlicher als die Kreuzfahrttouristen, immerhin trägt sie keine On-Turnschuhe und kein ausgeleiertes Tanktop von Desigual. Sondern ein Brautkleid von Chanel. Lesen Sie auchEs war das erste dieser Art, das der neue Kreativdirektor Matthieu Blazy schneidern ließ, und da es sich um die Hochzeit des Frühsommers handelte, war das folgerichtig. Denn Chanel eroberte zuletzt Platz eins im sogenannten Lyst-Index, der misst, wie oft eine Modemarke im Internet gesucht wird. Damit ist Chanel – unglaublicherweise zum ersten Mal – die begehrteste Marke der Welt. Wie konnte es dazu kommen? Seit vielen Jahrzehnten ist die Stärke von Chanel eine zeitlose Beauty- und Parfüm-Sparte. Sowie Handtaschen und Kleider, die eine global verständliche Botschaft vermitteln: Geld. In den vielen fruchtbaren Jahren als Dienstleister für Chanel hat Karl Lagerfeld ein Feuerwerk an Varianten und Selbstparodien erschaffen, die immer wieder auf die Codes des Hauses verwiesen, die die Gründerin erfunden hatte: das Twin-Set, das kleine Schwarze (Kleid), die Lieblingsblume, die maritimen Referenzen. Total brillant, aber ohne echte Dringlichkeit. Lesen Sie auchSein Nachnachfolger Blazy wiederum scheint wild entschlossen, den tendenziell bärbeißigen Chanel-Look den lässigeren Bedürfnissen der Neuzeit anzupassen und gleichzeitig ein sonst nur in der Couture übliches Maß an Raffinesse und Komplikationen, Trompe l‘oeils und Materialverdrehungen einzusetzen. Nach den horrenden Preiserhöhungen der vergangenen Jahre hat die Kundin hier eventuell das Gefühl, tatsächlich auch more bang for her buck zu kriegen (in Deutsch etwa: mehr Wums für den Zaster). Lesen Sie auchDas war nicht seine einzige kluge Entscheidung. Dazu kamen erstens beherztes Casting: die strahlende Awar Odhiang, die seine erste Show abschloss, die bis dahin unbekannte Bhavitha Mandava, die seine Show in der New Yorker U-Bahn eröffnete. Blazy setzt nicht (nur) auf Prominenz, sondern auf Entdeckungen. Zweitens die richtigen Verbündeten: Nicole Kidman ist ja mittlerweile wie eine alte, heiß geliebte Stehlampe im Chanel-Universum. Dazu kamen A$AP Rocky und Pedro Pascal sowie, vielleicht am originellsten: Sandra Hüller. Das ist einer der sympathischeren Gründe für den Siegeszug von Blazys Chanel. Trotz der Milliardenmaschine im Rücken vermittelt er das Gefühl, dass er macht, wozu er Lust hat. Kürzlich postete er ein Bild von jungen Menschen, die in Paris von einer gusseisernen Brücke zur Abkühlung in einen Kanal springen. Modebotschaft: null. Außer vielleicht: Leichtsinn.
Chanel-Strategie – So wird man Weltmeister - WELT
Zwei Hochzeiten, ein Brautkleid – und ein überraschender Sieger der Luxusbranche: Chanel. Warum ausgerechnet jetzt die traditionsreiche Marke wieder zur begehrtesten der Welt aufsteigt.






