Die Hemden von Charvet hatten in der ersten Chanel-Kollektion von Designer Matthieu Blazy einen gefeierten Gastauftritt. Nun übernimmt Chanel den altehrwürdigen Pariser Schneider vollständig.Eigentlich ist Chanel schon mit einer Boutique vertreten an der Place Vendôme in Paris. Doch seit kurzem beinhaltet die Präsenz der weltberühmten Maison auch das imposante Haus Nummer 28: «Charvet» steht dort in goldenen Lettern. Der 1838 gegründete «Chemisier», ein Familienunternehmen mit einer illustren Kundenliste und einer Spezialisierung auf massgefertigte Hemden, gehört neuerdings zu 100 Prozent Chanel, wie das Modehaus verkündet. Place Vendôme, Hausnummer 28: der altehrwürdige «Chemisier» Charvet. Chanel Bis vor einigen Monaten fristete Charvet eher ein Nischendasein, wenn auch ein hoch angesehenes. Die meisten Hemden konnte man nur in der einzigen Filiale am Place Vendôme kaufen, wo es auch weiche Finken und seidene Krawatten gibt. Geführt wird Charvet von dem Geschwisterpaar Anne-Marie und Jean-Claude Colban, das es in den neunziger Jahren von ihrem Vater übernommen hatte.Charvet-Hemden auf dem LaufstegDoch nachdem im Oktober 2025 der Designer Matthieu Blazy seine erste Chanel-Show zeigte, richteten sich immer mehr Augenpaare auf Charvet. Denn Blazy sandte Charvet-Hemden über den Laufsteg, die mit Chanel-Details versehen waren: eine Metallkette im Saum, wie sie die Jacken der Maison traditionsgemäss aufweisen, Perlenknöpfe und ein gerader, teilweise gekürzter Schnitt. Die Hemden waren eine Hommage an den Stil von Boy Capel. Der einstige Liebhaber und Vertraute von Gabrielle Chanel war treuer Charvet-Kunde (und Chanel eine treue Ausleiherin seiner Kleider). Glaubt man Kundinnen und Posts auf Social Media, gehören die Hemden zu den begehrtesten Teilen der Frühjahr/Sommerkollektion 2026 von Chanel. Charvet auf dem Chanel-Laufsteg: In der Sommerkollektion 2026 ... Chanel Jene Zusammenarbeit sei auch der Impuls für die Übernahme gewesen, wie in der Pressemitteilung von Chanel zu lesen ist. «Wir teilen dieselbe Einstellung zum Savoir-faire: mit hohen Ansprüchen, Respekt und der Überzeugung, dass solche Fertigkeiten nur dann wirklich zur Entfaltung kommen, wenn sie in einer langen Tradition verwurzelt sind», liess sich der Chanel-Modechef Bruno Pavlovsky zitieren.Chanel und die MännerBereits seit Jahrzehnten kauft Chanel gezielt Manufakturen auf, die für das Haus bedeutend sind, sei das der italienische Schuhhersteller Roveda oder der französische Feder- und Ornamentationsspezialist Lemarié. Die vollständige Übernahme von Charvet scheint aber neben dem Erhalten von Handwerkskunst einen weiteren Grund zu haben: die männliche Kundschaft. Diese wird bei Chanel zwar von Markenbotschaftern wie Jacob Elordi und A$AP Rocky bedient, aber bisher nicht von separaten Kollektionen oder Produkten. Das könnte auch künftig so bleiben, denn Charvet soll laut Bruno Pavlovsky weiterhin als eigenständige Marke geführt werden. Rapper und Chanel-Gesicht A$AP Rocky in einem weissen Hemd von Chanel und Charvet. Getty Images «Wir haben nun einen Namen für Frauen, Chanel, und einen Namen für Männer, Charvet», sagte Pavlovsky gegenüber der «New York Times. «Auch wenn es bei Chanel um Frauen geht, kommen immer mehr Männer zu uns. Und auch wenn es bei Charvet hauptsächlich um Männer geht, sehen wir viele Frauen, die dorthin gehen, um sich Hemden anfertigen zu lassen», sagte er. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Chanel kauft Charvet – ein Pariser Hemdenmacher auf der grossen Modebühne
Die Hemden von Charvet hatten auf dem Chanel-Laufsteg jüngst einen gefeierten Gastauftritt. Nun übernimmt Chanel den Pariser Schneider vollständig.








