PfadnavigationHomeSportUruguay-AusLegende verhängt gegen sich selbst die Höchststrafe – „Ich bitte um Verzeihung“Stand: 14:54 UhrLesedauer: 4 MinutenMarcelo Bielsa zieht bei Uruguay eine außergewöhnliche Konsequenz: Nach einem folgenschweren Fehler wird Torhüter Fernando Muslera zur Halbzeit ausgewechselt. Sergio Rochet übernimmt zwischen den Pfosten.Das stolze Uruguay scheidet sang- und klanglos aus der Fußball-WM aus. Torwart Muslera bittet erst um die eigene Auswechslung und dann die Nation um Vergebung. Der Trainer des Teams scheint schon Geschichte zu sein.Das personifizierte WM-Desaster Uruguays richtete sich an die ganze Nation. „Ich hätte mir nie vorstellen können, wegen dieses Sports so sehr zu leiden“, sagte Fernando Muslera. Nach dem Tiefpunkt seines Weltmeisterschafts-Missverständnisses bat der routinierte Torwart sogar selbst um seine Auswechslung. Die Höchststrafe für jeden Torwart verpasste er sich damit selbst. Nach dem Spiel betonte er mit letzter emotionaler Kraft: „Ich möchte meine Mitspieler und alle Uruguayer um Verzeihung bitten.“40 Jahre, über 150 Länderspiele, eine Legende im Tor der Südamerikaner – am Boden zerstört. Wie alle. Beim Tor der Spanier zum 1:0-Sieg durch Álex Baena hätte Muslera unbeholfener nicht wirken können. Bei allen drei Gegentoren, die letztlich zum verdienten Aus des ersten Weltmeisters und kommenden WM-Mitgastgebers führten, war er irgendwie beteiligt. „Uruguay ist die Enttäuschung Südamerikas“, urteilte die uruguayische „El País“. „Ein Realitätsschock nach einem Traum, der in Frustration endete“, befand „El Observador“. „Was für ein Reinfall“, spottete „El Diario“ und das Montevideo Portal titelte gar: „Die Chronik eines angekündigten Todes.“Uruguay, Land der ersten Weltmeisterschaft. Heimat von Ex-Stars wie Diego Forlan, Enzo Francescoli oder Edinson Cavani. Immer ein höchst unangenehmer Gegner. Immer eine Mannschaft, die Eindruck hinterlassen konnte und Fans weltweit faszinierte.Der Trainer allein auf der GetränkekühlboxDiese nicht. Es war eine Mannschaft, die keine mehr war. Ein Trainer namens Marcelo Bielsa, über den kaum etwas mehr sagte als die Szene, als er mit seinem grimmig-kauzigen Blick auf einer Getränkekühlbox zusammengekauert saß und vor allem mit sich selbst zu reden schien. Lesen Sie auchEine Mannschaft und ein Trainer, deren Entzweiung auf der Weltbühne des Fußballs ihren finalen Akt erlebte, der beim Zusehen nicht nur wegen der Roten Karte des völlig außer Kontrolle geratenen Agustin Canobbio in der Nachspielzeit fast Schmerzen bereitete.Als Bielsa Kapitän Fede Valverde vom Platz nahm, ignorierten sie sich gegenseitig. Der Real-Profi ging zur Bank, sprach mit Sinnesgenossen und hielt sich dabei das Trikot vor den Mund. „Rache ist ein kalter Genuss! Das hat Marcelo Bielsa im Spiel gegen Spanien unter Beweis gestellt“, schrieb Spaniens „Sport“.Der argentinische Coach soll als Reaktion auf eine Meuterei vom Vortag von Teilen der Mannschaft gegen seine Art und sein Training unpopuläre Personalentscheidungen getroffen haben. „Wir haben nur zwei Punkte geholt. Das zeigt meine Leistung als Manager“, räumte Bielsa ein: „Ich habe das Potenzial der Spieler nicht abrufen können.“ Die aktuellen Kaderspieler sind nicht die ersten, die mit Bielsa offensichtlich massive Probleme haben. Allen voran war es auch Torjäger-Legende Luis Suárez, der sich öffentlich mit Bielsa zoffte. Der 39 Jahre alte Profi gilt selbst allerdings auch nicht als besonders pflegeleicht oder skandalfrei.„Was ich Uruguays Fußball gegeben habe, ist nichts“Dass sich Bielsa selbst aber auch schon als „toxisch“ bezeichnet haben soll und „El Loco“ (Der Verrückte) genannt wird, sagt vieles. Dass er es war, der Keeper Muslera zurückholte, passt ins Bild. „Was ich Uruguays Fußball gegeben habe, ist nichts“, rechnete Bielsa mit sich selbst ab und richtete den Blick nach unten. „Wenn sie mich fragen, wie man sich an mich erinnert, dann als jemand, der nichts erreicht hat.“ Seit Mitte Mai 2023 ist Bielsa im Amt. Der wie Lionel Messi und viele andere Fußball-Größen in Rosario geborene Coach hatte auch sein Heimatland schon trainiert von Oktober 1998 bis August 2004. Auch Chiles Auswahl war mal dran (August 2007 bis Februar 2011). Danach ging es erstmal als Vereinscoach weiter unter anderem in Bilbao, Marseille und Leeds. Das Kapitel Uruguay dürfte beendet sein nach diesem Totalschaden mit nur mickrigen zwei Punkten. Geschlagen im Gruppenranking auch von Kap Verde. „Es ist eine absolut beschissene, harte und traurige Realität, mit der wir uns auseinandersetzen müssen“, sagte Abwehrspieler José María Giménez: „Es gab kein einziges Gesicht in der Kabine, das nicht traurig und angeschlagen aussah. Es ist die Traurigkeit von uns allen und ganz Uruguay.“dpa/SUF
Uruguay-Aus: Legende verhängt gegen sich selbst die Höchststrafe – „Ich bitte um Verzeihung“ - WELT
Das stolze Uruguay scheidet sang- und klanglos aus der Fußball-WM aus. Torwart Muslera bittet erst um die eigene Auswechslung und dann die Nation um Vergebung. Der Trainer des Teams scheint schon Geschichte zu sein.













