PfadnavigationHomeSportFußballWMEmotionale Rede„Manche mögen uns nicht. Aber wir fühlen“, sagt Irans Kapitän nach dem „Pride-Match“Stand: 12:28 UhrLesedauer: 4 MinutenDramatik bis zur letzten Sekunde in Seattle: Der Iran glaubt nach einem späten Treffer bereits an den erstmaligen Einzug in die K.-o.-Runde einer Weltmeisterschaft. Doch nach einer VAR-Überprüfung erkennt der Schiedsrichter das Tor wegen einer knappen Abseitsstellung nicht an.Die iranische Nationalmannschaft kann noch hoffen, ins Sechzehntelfinale einzuziehen und damit Geschichte zu schreiben. Nach dem Remis gegen Ägypten aber nutzt Irans Kapitän Taremi die Bühne zu einer emotionalen Grundsatzrede.Irans Kapitän Mehdi Taremi war sichtlich aufgewühlt. Nach dem 1:1 gegen Ägypten packte er seine Gefühle in deutliche Worte. „Kleinigkeiten entscheiden die Spiele. Da sind Erholung und ein freier Kopf wichtig. Wir haben hier keinen klaren Kopf“, sagte der Stürmer mit Blick auf Reiseeinschränkungen und andere Widrigkeiten für seine Mannschaft bei dieser WM: „Wir können es nicht immer für uns behalten. Wir sind der Iran. Manche mögen uns nicht. Aber wir fühlen.“Die furiose Schlussoffensive des Iran mit einem in der Nachspielzeit wegen Abseits aberkannten Tor und zwei Lattentreffern hatte im von Debatten begleiteten „Pride Match“ nicht zum Sieg geführt. Taremi schwankte zwischen Ärger und sportlicher Hoffnung. Trotz des verfehlten dreifachen Punktgewinns kann die Mannschaft von Trainer Amir Ghalenoei weiter auf den erstmaligen Einzug in die K.-o.-Phase bei einer Fußball-WM hoffen. Mit Applaus verabschiedeten sich die Spieler von ihren Fans auf der Tribüne.Irans Trainer ist stolz auf das Team und sauer auf die USADer Iran belegt in der Abschlusstabelle von Gruppe G Rang drei. Seine drei Unentschieden können am Ende reichen, um zu den besten acht Gruppendritten des XXL-Turniers zu gehören. Es wäre der größte Erfolg der iranischen WM-Geschichte – und das vor dem Hintergrund des Krieges der USA und Israels gegen das Land. „Ich bin stolz auf sie“, sagte Ghalenoei über seine Spieler und ergänzte mit Blick auf die USA: „Die Gastgebernation hat uns sehr unfair behandelt.“Lesen Sie auchVisa-Verweigerungen für Funktionäre hatten bereits zu Spannungen geführt. Für die ersten beiden Spiele in Los Angeles durfte das Team zudem nur am Spieltag einreisen und musste anschließend wieder ins WM-Quartier nach Mexiko zurück. Für Seattle und das Duell gegen Ägypten wurde die Regelung gelockert. Dennoch gilt: Das iranische Team darf nur für kurze Zeiträume vor und nach den Spielen in den Vereinigten Staaten bleiben. Iranische Verbandsvertreter kritisierten die Maßnahmen als Benachteiligung. Kapitän Taremi sagte, es sei „eine Katastrophen-Weltmeisterschaft. Das liegt in der Verantwortung der Fifa. Sie müssen hier jedes kleine Problem lösen, aber unseres konnten Sie von Anfang an nicht lösen“.Lesen Sie auchFür Ägypten stand unterdessen der Einzug ins Sechzehntelfinale schon vor dem Spiel fest. Dort ist Australien der Gegner am Freitag (20.00 Uhr, im Sport-Ticker der WELT). „Weiterzukommen bringt uns Stolz und Ehre“, sagte Coach Hossam Hassan. „Wir haben den Erfolg verdient, nach der harten Arbeit, die wir in die drei Spiele gesteckt haben.“Im WM-Stadion von Seattle traf Mahmoud Saber für Ägypten (5. Minute). Ramin Rezaeian glich für den Iran aus (14.). Taremi scheiterte zudem mit einem Foulelfmeter an Ägyptens Torwart Ufa Schobeir (11.).Um das Spiel gibt es seit mehreren Monaten großen Wirbel. Die lokalen Organisatoren hatten schon vor der WM-Auslosung entschieden, die Partie im Rahmen des an diesem Wochenende stattfindenden „Pride Fest“ als „Pride Match“ auszurufen. Der Iran und Ägypten sind weit davon entfernt, die Werte des „Pride Fest“ der LGBTQI+-Gemeinschaft zu teilen. Beide Nationen protestierten gegen das Label – erfolglos.Proteste auch gegen Trump vor WM-Stadion„Unsere Religion akzeptiert das nicht, aber wir respektieren alle LGBTQI+-Menschen“, sagte Taremi. „Es ist ihre Idee, es geht nicht um uns. Wir sind hier, um Fußball zu spielen. Wir respektieren sie alle.“Im Stadion und rund um die Arena war vom „Pride Match“ nicht so viel zu sehen. Einige Fans trugen Regenbogenfahnen, und waren bunt geschminkt. Dass sich der Weltverband Fifa selbst nicht an Aktionen unter dem Pride-Motto beteiligen würde, war ohnehin klar gewesen.Mehr machte sich die politische Lage bemerkbar. Bei der iranischen Hymne waren im Stadion auch Pfiffe zu hören. Rund um die Spielstätte demonstrierten Menschen unter anderem für einen „Regimewechsel im Iran“, für Frieden dort und gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump. Mitunter wurde es dabei hitzig. Auch das politische Verhältnis zwischen dem Iran und Ägypten ist kompliziert, auch wenn es sich zuletzt verbesserte.