Mehdi Taremi spricht das Offensichtliche aus nach Irans letztem Spiel, aber das Offensichtliche ist entscheidend. Nachdem Taremi gesagt hat, dass diese WM ein Desaster sei für seine Mannschaft; nachdem er sich beklagt hat, dass sie in der Nacht gleich wieder zurückreisen müssen nach Mexiko, ohne Erholungspause, da sagt er vier banal klingende, aber entscheidende Worte: „Das ist nicht fair.“ Und weil die Worte zutreffen, steckt darin das Scheitern des Internationalen Fußballverbandes (FIFA).Die wichtigste Aufgabe des Verbandes ist in diesem Sommer, einen Fußballwettbewerb auszurichten, bei dem für alle die gleichen Regeln gelten. Das ist fair, das ist der Kern des Ganzen. Nun aber ist eine Teilnehmermannschaft in der Vorrunde dieses Turniers ausgeschieden, so knapp, wie man sich das nur ausmalen kann – und diese Mannschaft ist nicht unter den gleichen Bedingungen gestartet wie andere Mannschaften.Andere Bedingungen als andere MannschaftenDie iranische Mannschaft hat die Spiele unter anderen Bedingungen bestritten als andere, weil sie zweimal erst am Tag vor dem Anpfiff ins Land des Spielorts reisen durfte. Sie hat auch nach den Spielen andere Bedingungen erlebt, weil sie schnellstmöglich aus dem Stadion und dem Land gebracht worden ist. Der Physiotherapeut des Teams habe Spieler im Bus oder im Flugzeug behandeln müssen, berichtete die „New York Times“. Das sind nicht die Umstände, unter denen Profisport bei einer Weltmeisterschaft üblicherweise stattfindet.Niemand kann sagen, ob dieses Team unter anderen Umständen weitergekommen wäre. Vielleicht hätte sich nichts geändert, vielleicht hätten sie sogar schlechter gespielt, weil all die Widerstände die Spieler zu Trotzleistungen beflügelt haben. Aber dass man eben nicht sicher sagen kann, ob die iranische Mannschaft nur an ihren Gegnern scheiterte bei dieser WM – das ist fatal. Denn es bedeutet, dass die FIFA in ihrer Kernaufgabe gescheitert ist.Der Weltfußballverband trennt Politik und Fußball gerne, wenn auch nur in seiner Kommunikation. Davon profitiert auch der iranische Verband, ein Organ des Regimes in Teheran, das die Regeln der FIFA seit Jahrzehnten verletzt und das im Januar Tausende, wahrscheinlich Zehntausende umgebracht hat, die für mehr Freiheit auf die Straße gegangen sind. Es hätte gute Gründe gegeben, die Islamische Republik Iran von diesem Turnier auszuschließen. Die FIFA hat sich dagegen entschieden. Bei diesem Turnier aber ist sehr offensichtlich passiert, was auch aus Sicht der FIFA niemals passieren darf: Die Politik, in dem Fall die des FIFA-Friedenspreisträgers, hat das Fußballturnier direkt und für alle sichtbar beeinflusst.Niemand würde behaupten, es sei einfach, ein Riesenevent in einem Land zu veranstalten, das von Donald Trump regiert wird. Man könnte also fast mitfühlen mit diesem Verband und seinem Präsidenten, der betont, wie hart er an den Lösungen für solche Probleme arbeitet. Nur hat Gianni Infantino leider nie den Eindruck erweckt, dass er an Problemlösungen auch dann hart arbeitet, wenn das einen möglichen Konflikt mit Donald Trump beinhalten würde.Nach dem ersten Spiel Irans, sagt Mehdi Taremi, sei Infantino in die Kabine gekommen und habe gesagt, sie würden alle Probleme lösen. Nach dem letzten Spiel sagte Taremi dann, was aus seiner Sicht daraus geworden ist: „Eigentlich hat die FIFA gar nichts gemacht.“