Die Börse fällt ein klares Urteil über das Ende des Fregattenprojekts F126 des DAX-Konzerns und die Alternative eines Rivalen: Während die TKMS-Aktie haussiert, bricht der Kurs von Rheinmetall um 20 Prozent ein. Anlegern bietet das Chancen.Arne Gottschalck, «The Market NZZ»27.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenBesucher der Messe Hemus 2026 in Plovdiv, Bulgarien, mit einem Modell der Corvette C90 aus dem Sortiment der Rheinmetall-Tochter NVL.Spasiyana Sergieva / ReutersDies ist ein Artikel aus dem digitalen Finanzmagazin «The Market NZZ».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wie so oft kam die Reaktion schnell und deutlich. Mehrere Medien hatten am Mittwoch berichtet, der Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius plane, den Bau von Fregatten des Typs F126 nicht weiterzuverfolgen. Auf der Website der Bundeswehr wird im knappen Ton bestätigt: Die sechs geplanten Fregatten des Typs F126 für die Deutsche Marine werden nicht beschafft.Stattdessen hat sich der Minister als Alternative für Fregatten des Typs Meko A-200 aus dem Hause TKMS entschieden. Entsprechend zog die Aktie des Kieler Unternehmens an, und die von Rheinmetall brach bis zum Handelsschluss am Mittwoch auf 947 Euro ein, ein Minus von 20 Prozent. Am Donnerstag fiel sie zeitweilig bis auf 900 Euro. Erstmals seit Anfang 2025 wird Rheinmetall wieder unter 1000 Euro gehandelt.Rheinmetall hatte bei der Präsentation der Quartalszahlen im Mai einen neuen F126-Vertrag als möglichen Treiber für Bestellungen eingeordnet. Im gleichen Monat hatte Rheinmetall dem Ministerium ein Angebot gemacht, das Projekt zu übernehmen. Der DAX-Konzern hat die Marinewerft NVL (Naval Vessels Lürssen) zum März übernommen, um sich als umfassender Anbieter für Verteidigungstechnologie zu positionieren.Erweitern Sie Ihr NZZ-Abonnement um «The Market NZZ»Als NZZ-Kunde erhalten Sie «The Market NZZ» für 29.60 Euro statt 37 Euro im Monat. Testen Sie jetzt das flexible Angebot. Monatlich kündbar.Zum rabattierten Angebot für NZZ-AbonnentenVon TKMS heisst es auf Rückfrage, man nehme die Entscheidung des Bundesministeriums der Verteidigung zur Kenntnis und freue sich, einen wichtigen Beitrag für die Stärkung der Deutschen Marine leisten zu können. Nun steht noch die Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestags aus.TKMS stellt neben U-Booten auch Fregatten wie die Meko in verschiedenen Versionen her. TKMS könnte dank dem Grossauftrag die mittelfristige Geschäftsprognose anpassen, schreibt Alexander Neuberger von Metzler Research.F126 war problematisch, auch für RheinmetallDas Aus für das Fregattenprojekt kommt aus meiner Sicht nicht völlig unerwartet. Zum einen, weil die F126 seit Jahren negative Schlagzeilen produziert. Die Entscheidung für den Stopp habe «das Verteidigungsministerium aufgrund von erheblichen zeitlichen Verzögerungen, enormen Kostensteigerungen sowie nicht zu kalkulierenden Risiken getroffen», heisst es bei der Bundeswehr. Weil die grosse Koalition politisch unter Druck steht, war eine Entscheidung in meinen Augen daher naheliegend.Rheinmetall hat mit dem Fregattenprojekt einen Teil seiner «Kronjuwelen» verloren, wie der Analyst Jens-Peter Rieck von MWB Research schreibt. Er geht davon aus, dass der Marineumsatz von Rheinmetall im Finanzjahr 2030 bei 3 Milliarden Euro und nicht bei 5 Milliarden Euro liegen werde. Allerdings bleibt er beim «Buy»-Votum für die Aktie.David Perry von JP Morgan hatte die Rheinmetall-Aktien schon vor einigen Wochen von «Kaufen» auf «Neutral» herabgestuft und lag damit rückblickend richtig. «Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Rheinmetall das für 2026 angestrebte Ziel beim Ordereingang erreichen kann», urteilt Perry nach dem Aus für die F126, die allein 12 Milliarden Euro Ordereingang beitragen sollte. Falls die deutsche Regierung den Auftrag für den Radpanzer Boxer kürzen sollte, würde der DAX-Konzern das Ziel von 80 Milliarden Euro Ordereingang sogar deutlich verfehlen, sagt er.Allerdings sieht Perry auch Vorteile für Rheinmetall in dem Aus für das Fregattenprogramm. «Wir stimmen nicht überein mit Rheinmetalls Strategie, Verträge mit festen Preisen für den Bau von Kriegsschiffen abzuschliessen», schreibt der Analyst. Zwar könne das die Ebitda-Marge erhöhen, falls ein Projekt gut laufe. Doch das sei im Marinegeschäft alles andere als sicher: «Der Bau von Kriegsschiffen ist notorisch schwierig und führt fast immer zu unerwarteten Überschreitungen der geplanten Kosten, die oft sehr signifikant sein können.» Diese Bedenken von Perry sind nachvollziehbar und werden auch innerhalb des Rheinmetall-Konzerns geteilt. «Der Verlust des F126-Vertrags könnte sich letztlich als positiv für Rheinmetall erweisen», urteilt der JP-Morgan-Analyst.Die Bewertung ist nicht mehr hochFür Anleger stellt sich damit die Frage, ob der Investment-Case von Rheinmetall hinfällig ist oder ob das Unternehmen nach dem Kursrutsch eine Chance bekommt.Man muss nicht darum herumreden, dass die Übernahme des F126-Projekts das vergleichsweise neue Marinegeschäft mit Umsatz und Leben gefüllt hätte.Doch Rheinmetall ist kein reiner Marineanbieter, dessen Geschäftsaussichten nun zerstört wären. Das zeigen die Relationen: Im ersten Quartal des Jahres lag der Marineumsatz bei 77 Millionen Euro. Der Gesamtumsatz betrug 1,8 Milliarden Euro. Das gleiche Bild zeigt sich beim Backlog: Über das gesamte Unternehmen gerechnet lag diese Grösse im ersten Quartal bei 72,9 Milliarden Euro, für die Marinesparte bei 5,5 Milliarden Euro. Deutschland plant, in den kommenden Jahren eine Menge Geld in die Marine zu stecken. Die Marinesparte könnte also bei anderen Projekten zum Zug kommen, schreibt auch der JP-Morgan-Analyst Perry.Aus Anlegersicht sollte so eine Unsicherheit mit einem Preisabschlag einhergehen. Tatsächlich ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) inzwischen deutlich gefallen (21). Auch wenn einige Analysten ihre Gewinnprognosen nun nach unten korrigieren dürften, wodurch das KGV bei gleichbleibendem Kurs wieder steigen würde, ist die Bewertung nun alles andere als hoch angesichts des Wachstumstempos. Dazu kommen auf der Habenseite der bereits erwähnte Auftragsbestand und die gute Marktposition von Rheinmetall als Vollsortimenter. Das Unternehmen kann nicht nur von der Panzernachfrage, sondern auch von dem Bedarf an Drohnen und weiterem Kriegsgerät profitieren. Dieses Portfolio erweitert das Unternehmen stetig. Daher ist die Aktie nun auch für Anleger, die bislang abseitsstanden, interessant. Der Kursrutsch ist übertrieben.Allerdings sollten Investoren sehr genau hinschauen, wie sich der Rüstungsprimus (und andere) beim Abarbeiten der Aufträge anstellt. Lieferprobleme wären eine Warnung und könnten weitere Rücksetzer nach sich ziehen. Bestellungen wiederum sollten aus Anlegersicht erst dann honoriert werden, wenn die sprichwörtliche Tinte trocken ist. Mit anderen Worten: Eine gesunde Skepsis ist in meinen Augen nach dem Hype eine gute Entwicklung.