Die erneute Kostenexplosion bei Stuttgart 21 und die erneute Verschiebung der Eröffnung machen die Bahn und die politisch Verantwortlichen zum Gespött im In- und Ausland. Es ist Zeit für eine Entschuldigung, einen Untersuchungsausschuss und eine Denkpause, in der alles auf den Prüfstand kommt.
Die damalige Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte doch recht: Der Bau von Stuttgart 21 sei der Maßstab für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands, erklärte sie 2010, als die Kritiker:innen über Monate hinweg viele 10.000 Menschen auf die Straße brachten. Der neue Stuttgarter Verkehrsknoten, so die Kanzlerin damals, müsse unbedingt gebaut werden, sonst zeige sich, dass Deutschland unregierbar ist, weil so viel protestiert werde. Hätten Merkel und ihre S 21 unterstützenden Verkehrsminister lieber auf die Argumente der Demonstranten gehört, dann hätten sie zumindest für mehr Zukunftsfähigkeit bei der Bahn gesorgt. Und sie hätten gezeigt, dass in der deutschen Demokratie Protest ernst genommen wird – vor allem dann, wenn er am Gemeinwohl aller orientiert ist.
Nach den jüngsten Enthüllungen des SWR und der Meldung über die erneute Verschiebung der Eröffnung des angeblich bestgeplanten Projekts der Deutschen Bahn gibt es bundesweit fast nur noch "Mitleid, Spott und Resignation" (Stuttgarter Zeitung). Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) spricht von einem "Fiasko" und sieht den Ruf der Stadt in Gefahr. Und die FAZ nennt das Milliarden-Grab ein "Symbol deutscher Selbstüberschätzung".















