PfadnavigationHomeWirtschaft„Desaster“Stuttgart 21 wird teurer und noch später fertig – Bahn-Chefin zeigt sich „erschüttert“Stand: 15:25 UhrLesedauer: 2 MinutenDie Hängepartie um das Bahnprojekt Stuttgart 21 geht weiter. Nach neuesten Planungen der Bahn soll der neue Tiefbahnhof in der Stuttgarter Innenstadt drei Milliarden Euro teurer werden – und erst 2031 in Betrieb gehen.Die Probleme rund um das Bahn-Großprojekt Stuttgart 21 reißen nicht ab. Der neue Hauptbahnhof wird nicht nur noch teurer, sondern auch noch später fertig als gedacht. Die Bahn spricht selbst von gravierenden Mängeln bei Planung und Steuerung.Die Eröffnung des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs verschiebt sich erneut und wird nun drei Milliarden Euro teurer. Die Gesamtkosten dürften nun auf 14,5 Milliarden Euro hinauslaufen, erklärte die Bahn am Freitag zu einer Untersuchung der Konzernrevision. „Der Bericht zeigt gravierende Defizite in Planung, Steuerung und Risikomanagement.“ Das bisherige Prozessmanagement habe nicht ausgereicht, um ein solch komplexes Großprojekt sicher zu steuern. Bahn-Chefin Evelyn Palla sagte, sie sei „erschüttert über die Ergebnisse“. Die zuletzt für Ende 2026 angepeilte Inbetriebnahme sei unrealistisch gewesen. Das Projekt soll von 2027 bis 2033 etappenweise an den Start gehen.Der Bahnhof sollte eigentlich schon 2019 eröffnet werden. Für das Mammutprojekt waren einst drei Milliarden Euro plus Risikopuffer von 1,45 Milliarden eingeplant gewesen. Palla sagte, die Entscheidung zur neuen Inbetriebnahmeplanung sei der Bahn außerordentlich schwergefallen. Man wisse um die Hoffnungen, die viele Menschen in das Projekt setzten. „Wir haben die Erwartungen an frühere Termine nicht erfüllt, das bedaure ich sehr.“ Das neue Management bei S21 habe einen Plan erarbeitet, der sich von unrealistischen Prämissen verabschiedet habe. Risiken seien umfassend analysiert und neu bewertet worden. „Ehrlichkeit und Realismus sind im Projekt eingezogen – nur so können wir verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückgewinnen.“Lesen Sie auchDie Eisenbahngewerkschaft EVG forderte eine ehrliche Aufarbeitung. „Stuttgart 21 ist ein Desaster“, sagte EVG-Chef Martin Burkert. „Ich will genau wissen, ob einer der Verantwortlichen schon zu einem früheren Zeitpunkt gewusst hat, was sich da anbahnt und dazu geschwiegen oder gar gelogen hat.“ Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung des Konzerns müsse das Thema auf die Tagesordnung.Immer wieder Pannen„Stuttgart 21“ sieht im Kern eine Verlegung des Kopfbahnhofs unter die Erde und eine Anbindung an Hochgeschwindigkeitsstrecken durch Tunnel vor. Auch der Stuttgarter Flughafen soll so eine Verbindung bekommen. Am Standort der bisherigen Station sollen die Flächen im Stuttgarter Talkessel unter anderem für Wohnungen genutzt werden.Lesen Sie auchDie Bahn steckt in einer tiefen Krise. Sie soll profitabler, zuverlässiger und pünktlicher werden – und muss dabei ihr marodes Netz bis 2035 umfassend sanieren. Die angestrebte Zuverlässigkeit wird aber immer wieder durch größere Pannen im Betriebsablauf untergraben. So standen diese Woche bundesweit zwei Stunden lang alle Züge still. Zu diesem beispiellosen Vorfall kam es, weil das digitale Funksystem bei einer Überarbeitung Probleme bereitete. Reuters/krö