Die Besetzung auf dem Frankfurter Parkett ist ungewohnt prominent. Börsen-Chef Stephan Leithner kommt nur zu einem Bruchteil der „Glockenläut-Events“ auf dem Parkett, mit denen die Deutsche Börse seit einigen Jahren vermehrt Unternehmen eine Bühne bietet. Am Freitag gab es in Frankfurt nicht einmal einen Börsengang. OHB feierte eine Kapitalerhöhung und 25 Jahre Börsennotierung.Leithner war trotzdem da und hielt die Begrüßungsrede. Denn OHB ist nicht irgendein Unternehmen. Auf der teils verzweifelten Suche nach europäischen Leuchttürmen, die den USA und China Paroli bieten können, ist OHB einer der Treffer. Am Bremer Manfred-Fuchs-Platz residierend, klingt die Adresse nicht ganz so „spacig“ wie Elon Musks „Starbase“ in der Rocked Road in Texas. Doch bei dem deutschen Raumfahrtunternehmen klingt etwas anderes durch: Die lange Expertise, auf die eine nach Unternehmensgründer Manfred Fuchs benannte Adresse hindeutet.Sein Sohn Marco führt heute OHB, die Familie ist dominierender Aktionär. Am Freitag konnte sie sich freuen, dass Investoren über eine Kapitalerhöhung 482 Millionen Euro in die Unternehmenskasse spülten. 1,6 Millionen neue Aktien wurden begeben und zu 300 Euro veräußert. Ebenfalls freuen konnte sich der US-Finanzinvestor KKR, der 1,4 Millionen seiner Aktien abgab und dafür gut 400 Millionen Euro erlöste.KKR hat seinen Einsatz in zwei Jahren versiebenfachtWer sich den Aktienchart von OHB anschaut, erkennt schnell, dass Aktienmärkte eben nicht perfekt sind. Als der Ukraine-Krieg schon lange währte und die Rüstungsinvestitionen rund um den Globus stark erhöht wurden, da dümpelte der Aktienkurs von OHB noch um 44 Euro. Zu diesem Preis stieg KKR im Jahr 2024 ein, erwarb 29 Prozent der Anteile und verkauft nun knapp ein Drittel davon, bleibt aber mit 20 Prozent Anteil zweitgrößter Aktionär. Familie Fuchs hält statt 65 nun rund 60 Prozent der Aktien.Wer Raumfahrt macht, kennt sich mit Satelliten aus. Und die werden in Kriegen immer wichtiger. Längst kooperiert OHB mit Unternehmen wie Rheinmetall. Rüstung und Raumfahrt, das sind zwei Stichworte, die Investoren immer noch locken: KKR hat wegen der großen Aktiennachfrage von rund 200 institutionellen Investoren kurz vor Toresschluss noch für 50 Millionen Euro mehr OHB-Aktien verkauft als zunächst geplant.Damit beläuft sich die Kapitalerhöhung und Privatplatzierung in der Summe auf 900 Millionen Euro. Zusammen mit dem zuvor sehr geringen Anteil frei verfügbarer Aktien von gut 300 Millionen Euro, kommt OHB nun auf eine für die Aktienindexaufnahme relevante Free-Float-Marktkapitalisierung von gut 1,2 Milliarden Euro, ein Fünftel des Gesamtbörsenwertes von sechs Milliarden Euro.Für den M-Dax reicht es wohl noch nichtDas reicht nach Analyse von Indexfachmann Achim Matzke von Matzke Research im ersten Schritt noch nicht für die Aufnahme in den M-Dax. Dort liege die Untergrenze für eine Aufnahme nach der Regel „Fast Entry“ derzeit bei rund 1,6 Milliarden Euro. Aber für den S-Dax wird es bei der nächsten Entscheidung im September sicher reichen und für den Tec-Dax auch.Und da niemand weiß, wie sich der Kurs entwickelt, kann es bei entsprechendem Verlauf auch schon früher für OHB in den M-Dax gehen. Im Mai war die Aktie zeitweise auf Kurse um 600 Euro nach oben geschossen. Am Freitag sackte der OHB-Kurs etwas ab und lag knapp unter dem Ausgabepreis der neuen Aktien von 300 Euro. Bis zum 8. Juli werden noch Bezugsrechte für die alten Aktionäre gehandelt.Börsenchef Leithner sah jedenfalls „no limit to the sky“ und freute sich „wenige Tage nach SpaceX“, ein Unternehmen an der Frankfurter Börse feiern zu dürfen, „das aus Visionen erfolgreiche unternehmerische Konzepte“ gemacht habe. Zugleich betonte er, bewiesen zu haben, dass der europäische Kapitalmarkt in der Lage ist, deutschen Unternehmerfamilien ein hervorragendes Umfeld zu bieten für die Wachstumsfinanzierung dank der guten Zusammenarbeit mit internationalen Investoren.Theodor Weimer zurück auf dem ParkettKKR war nicht nur mit dem Ko-Vorstandsvorsitzendem Joseph Bae vertreten, sondern auch mit Theodor Weimer, Vorgänger von Stephan Leithner als Börsen-Vorstandsvorsitzendem, heute für KKR tätig und als KKR-Vertreter im Aufsichtsrat von OHB. KKR habe vor 30 Jahren erstmals in Europa und drei Jahre später erstmals in Deutschland investiert, daran erinnerte Bae. Fünf Jahre später habe man dieses Initialinvestment an die Börse gebracht, und die einstigen KKR-Portfoliounternehmen MTU Aero und Hensoldt seien heute im Dax und M-Dax geführt.OHB ist kein Börsengang, kein Initial Public Offering (IPO), weil es bisher schon frei handelbare Aktien gab. Dieser Streubesitz war mit weniger als sechs Prozent aber sehr gering. Der Auflauf an Prominenten zu der Transaktion am Freitag legt nahe, dass die Beteiligten ihn selbst de facto aber als Rückkehr an die Börse (Re-IPO) sehen.Die IPO-Bilanz ist in diesem Jahr bisher immer noch flau wie schon in vergangenen Jahren. Immerhin: Der Münchner Finanzinvestor Aequita strebt mit seiner SMAG Mobile Antenna Masts AG an die Börse, wie am Donnerstag bekannt wurde – ein weiterer IPO der Rüstungsbranche, die in Form von KNDS einen großen Kandidaten für Frankfurt und Paris bereithält.Ansonsten weitgehend Flaute bei IPOsIPO-Berater leiden seit Jahren darunter, dass Finanzinvestoren beim Ausstieg aus einem Portfoliounternehmen bevorzugt einen Direktverkauf wählen. Sie kündigen oft an, zweispurig zu fahren („Dual Track“), sehen den IPO aber meist als Plan B. Manche Fachleute machen geltend, dass die Option Börse inzwischen attraktiver sei. Der IPO gewinne „als strategische Alternative in Dual-Track-Prozessen wieder an Bedeutung“, sagte Philipp Klöckner, Partner bei der Kanzlei Milbank und dort Spezialist für den Eigenkapitalmarkt, diese Woche.Zu beobachten war in den vergangenen Jahren auch, dass deutsche Unternehmen sich im Ausland notieren ließen, namentlich in den Vereinigten Staaten, wo die Bewertungen tendenziell höher liegen. Das allein reiche aber nicht aus, sagten Fachleute bei einer Kapitalmarktveranstaltung diese Woche in Frankfurt. Voraussetzung sei, dass der Börsenkandidat im betreffenden Land bekannt sei, über den Umsatzanteil und die Marke. „Das funktioniert nur, wenn die Investoren einen dort kennen, auch die Brand [Marke] gut kennen“, sagte Alexander Rang, Partner bei der Kanzlei Hengeler Mueller. Thorsten Zahn, der für J.P. Morgan das Eigenkapitalgeschäft im deutschsprachigen Raum leitet, sprach in diesem Zusammenhang von einem „Natural Home Market“, etwa wenn das Unternehmen 50 oder 60 Prozent des Geschäfts in den USA mache.Während Börsengänge die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ist der restliche Eigenkapitalmarkt viel größer. In Deutschland addierte sich das Volumen aus Eigenkapitalmaßnahmen im bisherigen Jahresverlauf nach Berechnung der Investmentbank J.P. Morgan auf umgerechnet zehn Milliarden Dollar – das ist die übliche Währung in den internationalen Statistiken – aus 21 Transaktionen. OHB ist darin noch nicht eingerechnet. Sieben Prozent des Volumens entfielen auf IPOs, 25 Prozent auf Wandelanleihen, der Rest auf Zweit- oder Folgeplatzierungen.
Satellitenhersteller OHB: Großes Interesse an der deutschen SpaceX
Der Bremer Raumfahrtkonzern verkauft mehr Aktien an Investoren als zunächst geplant. Das Ziel ist zunächst der M-Dax.









