OHB strebt die Rückkehr an die Börse im großen Stil an. Der Bremer Hochtechnologiekonzern kündigte am Montag eine Kapitalerhöhung um etwa 500 Millionen Euro an, zudem will der Großaktionär KKR einen Teil seines Pakets veräußern. Nach F.A.Z.-Informationen soll der Streubesitz nach der Transaktion einen Wert von mehr als einer Milliarde Euro erreichen, und OHB soll über kurz oder lang zum Kandidaten für den Mittelwerteindex M-Dax an der Deutschen Börse werden.Der Satellitenkonzern ist bisher nur zu sechs Prozent in Streubesitz, dem Vernehmen nach sind das hauptsächlich Privatanleger und passive Fonds. Der anstehende Schritt zielt auf institutionelle Investoren und bekommt Rückenwind durch das kommerziell erfolgreiche Börsendebüt des US-Raumfahrtkonzerns SpaceX. OHB würde mit der Transaktion zu einem gelisteten Unternehmen mit nennenswerter Liquidität zurückkehren, weswegen dem Plan in Frankfurter Finanzkreisen Züge eines „Re-IPO“ beigemessen werden, also eines neuerlichen Börsengangs (IPO, Initial Public Offering). Die neuen Mittel sollen in den Ausbau der Produktion, in Investitionen in Trägerraketen und Anlagen sowie in mögliche Übernahmen fließen.Firmengebäude von OHB in Bremen.dpaMehrheitseigner Familie und ein Investor als weiterer GroßaktionärDie Eigentümerfamilie Fuchs hält momentan 65 Prozent, KKR 29 Prozent. Der US-Finanzinvestor war 2024 eingestiegen. Eine Zeit lang war geplant, das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Bei der Kapitalerhöhung sollen die bisherigen Aktionäre Bezugsrechte für ihre Papiere erhalten; die beiden Großaktionäre wollen sie aber nicht wahrnehmen, wie es in einer Mitteilung hieß. Die ihnen zustehenden Aktien sollen stattdessen an der Börse platziert werden.Die Familie lässt ihren Anteil somit schrumpfen, wird aber den Angaben zufolge Mehrheitseignerin bleiben. KKR will nach Informationen aus Finanzkreisen etwa ein Drittel seines Pakets veräußern. Die künftige konkrete Aktionärsstruktur einschließlich Höhe des Streubesitzes steht noch nicht fest. Zentrales Ziel sei vielmehr der milliardenschwere absolute Wert des gesamten Streubesitzes, mit Blick auf eine Aufnahme in den M-Dax, ist zu hören.Als übergeordnete Berater in dem Vorhaben agieren Rothschild und KKR mit der Spezialeinheit KKR Capital Markets, als Koordinatoren Deutsche Bank, J.P. Morgan und Goldman Sachs. Die Berater sehen dem Vernehmen nach als prominente Vertreter der Vergleichsgruppe – im Börsenjargon „Peer Group“ – die börsennotierten Weltraumkonzerne Avio aus Italien und Rocket Lab aus Amerika. Vergangene Woche ging Elon Musk mit seinem US-Weltraumunternehmen SpaceX an die Börse.OHB ist vor allem als Satellitenhersteller bekannt, namentlich für das europäische Navigationssystem Galileo. In einem Kapitalmarkt-Update für Investoren stellte sich das Unternehmen als „Europäischer Raumfahrtchampion“ vor. In der Präsentation steht dieses Thema im Vordergrund, nicht sosehr der Rüstungsaspekt. Ein Fünftel der Gesamtleistung entfällt auf Kunden in der Verteidigung, der Rest auf andere Institutionen.Weil viele Produkte zivil und militärisch relevant sind, profitiert OHB aber auch von den rapide steigenden staatlichen Rüstungsinvestitionen. Für ein satellitengestütztes Kommunikationssystem für die Bundeswehr tat sich OHB kürzlich mit Rheinmetall zusammen. In der militärischen Aufklärung aus dem Weltraum macht das Unternehmen gemeinsame Sache mit dem Münchner Drohnen-Start-up Helsing. Unter dem Arbeitstitel KIRK (Künstliche Intelligenz und Raumfahrt-Kompetenz) haben beide ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, das ein weltraumbasiertes taktisches Überwachungs-, Aufklärungs- und Zielerfassungssystem entwickeln soll.
KKR verkauft Aktien: OHB macht sich fein für den M-Dax
Der Anbieter von Satelliten hat nur einen kleinen Streubesitz. Das soll sich ändern. Dafür gibt der Finanzinvestor KKR Anteile ab, und es kommt eine Kapitalerhöhung. Rückenwind kommt vom SpaceX-Börsengang.












