AnalyseDas Bremer Unternehmen hatte nurmehr einen kleinen Rest seiner Aktien im öffentlichen Handel. Die Kapitalerhöhung und der Teilausstieg von KKR sollen den Titel nun sogar zum MDax-Kandidaten machen. Die Gewinnprognosen der Analysten weisen steil nach oben, doch ein Rivale ist attraktiver.Es könnte das Comeback des Jahres an den deutschen Börsen werden: Der Bremer Weltraumkonzern OHB platziert Aktien für fast 0,9 Mrd. € bei Anlegern. Davon fliessen 0,5 Mrd. € aus einer Kapitalerhöhung an das Unternehmen. Den Rest erhält die Private-Equity-Gesellschaft KKR aus dem Teilverkauf ihrer OHB-Aktien. Der Anteil von KKR fällt von 29 auf 20,8%.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.OHB-Angestellte mit Zentralrohr der Raumsonde Ramses.ZVGDie Eigentümerfamilie Fuchs verkauft keine Aktien. Ihr Anteil sinkt durch die Verwässerung infolge der neuen Aktien von 65 auf 60%.Der Streubesitz dagegen steigt von knapp 6% auf bis zu 19%. Damit ist erstmals seit dem Einstieg von KKR 2024 wieder ein deutlich zweistelliger Prozentanteil der OHB-Aktien breit bei Investoren verteilt. Das ermöglicht einen liquiden Börsenhandel und macht den Titel für Grossanleger erst investierbar. OHB-Chef Marco Fuchs hat das Ziel ausgegeben, das Unternehmen zum Kandidaten für den MDax zu entwickeln.Der Grossteil der verkauften Aktien wird am 26. Juni in den Handel starten. Eine weitere Tranche für bisherige Minderheitsaktionäre folgt am 14. Juli. Die Minderheitsaktionäre haben das Recht, pro 45 Altaktien vier neue OHB-Aktien zum Angebotspreis von 300 € zu kaufen. Am Dienstag lag der Börsenkurs deutlich höher bei 375 €.Der Kurs hat 2026 einen steilen Anstieg gezeigt, gefolgt von einem erneuten Rückgang. Allein am Dienstag fiel er um mehr als 6%.Was die Branche für Anleger spannend macht, ist der rasch steigende Bedarf an Satelliten und Weltraumraketen für die kommerzielle Nutzung und für das Militär. Aus sicherheitspolitischen Gründen will die Europäische Union (EU) ausserdem unabhängiger werden von den USA bei militärisch relevanten Anwendungen wie der satellitengestützten Navigation. Davon profitieren die wenigen einheimischen Anbieter wie OHB. 33% des Umsatzes erzielte der Konzern 2025 in Deutschland, weitere 61% im übrigen Europa und nur 6% ausserhalb des Heimatkontinents. Weniger als ein Viertel der Produkte gehen an das Militär, mehr als drei Viertel dienen der zivilen Nutzung.Manfred Fuchs, der Vater des derzeitigen CEO Marco Fuchs, formte den Weltraumkonzern OHB aus der Firma Otto Hydraulik Bremen mit fünf Angestellten, die sein Frau Christa zu Beginn der 1980er Jahre gekauft hatte. Zuvor hatte der Raumfahrtingenieur das Weltraumprogramm bei MBB-ERNO geleitet, die später in Airbus aufgegangen ist. Der Börsengang von OHB am Neuen Markt erfolgte 2001.Der Konzern erzielt 80% des Gewinns auf Stufe Ebitda in der Sparte Space Systems, hauptsächlich mit der Herstellung von Satelliten. Als Partner an Raketenprogrammen wie der europäischen Ariane verdient das Unternehmen weitere 13% des Ebitda. Die übrigen 7% entfallen auf die Sparte Digital. Ähnlich ist die Aufteilung bei der Gesamtleistung, die in der folgenden Grafik dargestellt wird.Satelliten ( «Space Systems») bringen Grossteil des GewinnsDie Prozentzahlen geben den Anteil an der Gesamtleistung von OHB 2025 an. Übersetzung des englischen Texts: siehe Liste unten.OHBDie drei Sparten von OHB und ihre ProdukteSpace Systems: Entwicklung, Integration und Missionsdurchführung von Satelliten und Raumfahrzeugen für alle Umlaufbahnen und Anwendungsbereiche.Access to Space: Deutschlands führender Industriepartner für das europäische Ariane-Raketenprogramm, Anbieter von Raumfahrt-Dienstleistungen, Zulieferer für US-Trägerraketen und Entwickler von Startdienstleistungen.Digital: Bodensysteme und Satellitenbetrieb mit KI-gestützte Datenverarbeitung, Cybersicherheit und nachgelagerten Erdbeobachtungsdiensten.Im Hauptgeschäft ist für OHB jüngst ein starker Wettbewerber entstanden: Airbus einerseits sowie ein bereits bestehendes Bündnis aus der französischen Thales und der italienischen Leonardo haben 2025 beschlossen, ihre Satellitengeschäfte zusammenzulegen im sogenannten Projekt Bromo. «Unsere Aktivitäten bei Satelliten waren zu klein», sagt eine Airbus-Führungskraft. Statt zweier Hauptwettbewerber hat OHB damit nur noch einen Hauptrivalen in Europa, der allerdings schlagkräftiger sein dürfte.Konsortialbanken setzen ehrgeizige WachstumszieleDie Analysten der zur Aktienplatzierung mandatierten Banken kalkulieren mit einem sprunghaften Anstieg von Umsatz und Profitabilität, um den Verkaufspreis von 300 € pro Aktie zu rechtfertigen. OHB strebe an, die Gesamtleistung von 1,2 Mrd. € des Jahres 2025 mittelfristig mehr als zu verdreifachen auf über 4 Mrd. €, schreibt Deutsche Bank Research in einer Analystenstudie und geht davon aus, dass dieses Mittelfristziel 2030 erreicht werden soll. Die Gesamtleistung als Steuerungskennzahl von OHB umfasst neben dem Umsatz noch weitere Bestandteile, lag in den vergangenen Jahren jedoch meist nur leicht über dem Umsatz.Der Auftragsbestand per Ende März beträgt 3,4 Mrd. € und liegt somit fast beim Dreifachen des Jahresumsatzes von 2025. Der Ebitda belief sich auf 126 Mio. €. Von 2026 bis 2030 soll dieser Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen jährlich um 30% ansteigen, prognostizieren die Deutsche-Bank-Analysten.OHB verspricht auch einen erheblichen Anstieg der Ebitda-Marge von den 9,5% des Jahres 2025 auf mittelfristig 13%. «Falls OHB tatsächlich das in Aussicht gestellte Umsatzwachstum schafft, halte ich das Margenziel von 13% sogar für zu niedrig», sagt ein Aktienfondsmanager, der nicht namentlich genannt werden möchte, um eine Berücksichtigung bei der Zuteilung der Aktien nicht zu gefährden.Bislang beobachten Besucher am Bremer Stammsitz noch viel Werkstattfertigung anstatt industrieller Massenproduktion. Das soll und muss sich wegen der steigenden Nachfrage ändern: Die Analysten der Deutschen Bank schätzen, dass OHB 40% des Erlöses aus der Kapitalerhöhung für die Industrialisierung der Produktion einsetzen wird.Themen-ETF für Weltraumaktien beflügeln die BewertungDas Wachstum soll auch laut Prognosen der beauftragten Banken erst 2028 kräftig an Tempo gewinnen. Der Grund ist, dass die EU ihre Ausgaben für die Weltraumprogramme nur langsam ausweitet. Ausserdem steckt OHB noch mitten im Kapazitätsausbau.«Anhand der Gewinnprognose für 2026 und 2027 kann ich keine attraktive Bewertung errechnen», sagt der Fondsmanager. Viele Investoren würden die mittelfristigen Chancen höher gewichten als die anspruchsvolle Bewertung; dies gelte insbesondere für US-Fonds.«Das Thema Space wird stark durch US-Themen-ETF getrieben», sagt auch der Managing Partner einer grossen Private-Equity-Gesellschaft aus den USA, die selbst in Rüstung und Weltraumtechnik investiert. Fokussierte ETF wie der Ark Space & Defence ETF von Cathie Wood oder der Tema Space Innovators ETF (Tickersymbol: NASA) haben binnen relativ kurzer Zeit Milliarden eingesammelt. Bis vor kurzem mangelte es an dazu passenden, spezialisierten Unternehmen.SpaceX-Aktienflut als Risiko für Weltraumaktien wie OHB«Allerdings endet die Knappheit, wenn in den folgenden Monaten immer mehr Aktien von SpaceX auf den Markt kommen», warnt der Aktienfondsmanager. Derzeit sind nur 4% des SpaceX-Börsenwerts von umgerechnet mehr als 1900 Mrd. € frei handelbar. Doch laufen schon bald Haltepflichten für Altaktionäre aus, so dass Angestellte und Venture-Capital-Investoren ihre weit unter dem derzeitigen Marktpreis erworbenen Aktien auf den Markt werfen können. «Wir sind weniger als drei Monate entfernt davon, dass der Streubesitz von SpaceX sich vervierfacht», schreibt der ehemalige Investmentbanker Rupert Mitchell in seinem Blog. «Anfang November verdoppelt sich der Streubesitz dann nochmals.» Bei 20% der Altaktien endet die Haltefrist unmittelbar nach Veröffentlichung des Finanzberichts zum zweiten Quartal, die zwischen Ende Juli und Anfang September erwartet wird.«SpaceX-Anlegern droht der Absturz mit historischen Kapitalverlusten», warnte Vermögensverwalter Jens Ehrhardt von DJE Kapital am Freitag (19.6.) in seiner Kolumne für The Market. «Die Aktien sind absurd überteuert.» Allein am folgenden Montag brach der SpaceX-Kurs um 16% ein und vernichtete mit dem Absturz 400 Mrd. $ Börsenwert. Die Aktien wurden am Dienstag zeitweilig bei weniger als 150 $ gehandelt, nur noch 10% über dem Ausgabepreis von 135 $.Passendster Vergleichswert MDA Space ist deutlich günstigerDie wenigen Unternehmen an der Börse, die einen grossen Teil ihres Umsatzes mit Weltraumtechnik erzielen, sind ebenfalls fast alle teuer. Doch selbst innerhalb dieser Vergleichsgruppe wirkt OHB zum derzeitigen Börsenkurs hoch bewertet, ausser eben relativ zu SpaceX. Günstiger ist auch der Titel, der OHB am meisten gleicht.Die Deutsche-Bank-Analysten bezeichnen das kanadische Weltraumunternehmen MDA Space als besten Vergleichswert («closest peer») von OHB. So wie die Bremer in Europa als grosser Systemintegrator der Europäischen Weltraumbehörde ESA bei Aufträgen agieren, tue MDA dies gegenüber der kanadischen Behörden und als Auftragnehmer der US-Weltraumbehörde NASA. Auch MDA erzielt den grössten Teil des Umsatzes von 1,1 kanadischen Dollar des Jahres 2025 mit Satelliten (68%). Allerdings ist MDA deutlich profitabler mit einer Ebitda-Marge von 19,8% im Jahr 2025, doppelt so hoch wie bei OHB. Trotz dieses erheblichen Nachteils sind die OHB-Aktien derzeit rund doppelt so teuer wie die des kanadischen Rivalen, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder dem Verhältnis von Unternehmenswert zu Ebitda (EV/Ebitda).Schon in der ersten Phase an der Börse bis zum KKR-Einstieg 2024 sei es OHB trotz des Wachstums nicht gelungen, die Ebitda-Marge stark zu steigern, sagt der Aktienfondsmanager: CEO Fuchs erwecke zuweilen den Eindruck, dass ihm die Steigerung der Gesamtleistung wichtiger sei als die Marge.Der SpaceX-Trick: knappes Aktienangebot als AnlagerisikoMini-Streubesitz, Mega-Bewertung: Mit dieser Strategie gelang es bereits SpaceX-Gründer Elon Musk, Aktien für 75 Mrd. $ zu platzieren. Der Kursrutsch seit dem Hoch zeigt allerdings auch, wie gross die Risiken dieser künstlichen Verknappung für Anleger sind.Der bisher sehr kleine Streubesitz hat auch bei OHB die Bewertung in die Höhe schiessen lassen, bevor er wieder deutlich zurückfiel. Wegen des grossen Angebots an Aktien, das mit der Platzierung auf den Markt komme, werde der OHB-Kurs weiter unter Druck geraten, warnt der Aktienfondsmanager. Er hält weitere Rückgänge bis auf 330 € für wahrscheinlich. Obwohl auch der Angebotspreis bei der Aktienplatzierung von 300 € teuer sei, erwartet er von diesem Preis aus allerdings einen Zeichnungsgewinn.OHB und seine Alteigentümer haben in der Tat gute Chancen, dass der Kurs zunächst über den Zuteilungspreis von 300 € steigt. Der Grund ist die immer noch starke Nachfrage nach Weltraumaktien. Jedenfalls so lange die Altinvestoren von SpaceX den Markt dafür noch nicht mit ihren Aktien geflutet haben. Der rasante Kursrutsch von SpaceX in der laufenden Woche ist jedoch ein Risikofaktor für Spekulanten, die auf Zeichnungsgewinne wetten wollen.Wegen der hohen Bewertung auch relativ zum besten Vergleichswert MDA Space sind die OHB-Aktien aus Sicht von The Market derzeit kein attraktives Investment, trotz der langfristig guten Wachstumsaussichten des Unternehmens. Die schwankungsanfälligen Weltraumaktien könnten in den kommenden Monaten noch deutlich niedrigere Einstiegskurse bieten.