Beim geplanten Vorstoß an der Börse hat OHB die Investorenansprache aufgenommen. Der Bremer Hochtechnologiekonzern hat nach F.A.Z.-Informationen damit begonnen, mit institutionellen Anlegern zu sprechen, die Anteilspakete erwerben könnten. Das Unternehmen lege dabei den Schwerpunkt der „Börsenstory“ mehr auf seine Aktivität in der Raumfahrt als jene in der Rüstung, ist aus Kreisen zu hören, die mit dem Verfahren vertraut sind.Es präsentiert sich mit Blick auf den Verteidigungszweig als Dual-Use-Unternehmen: also Anbieter von Produkten, die zivil wie auch militärisch nutzbar sind. Als prominente Vertreter der Vergleichsgruppe – im Börsenjargon „Peer Group“ – sehen die Bankenberater und OHB dem Vernehmen nach die börsennotierten Weltraumkonzerne Avio aus Italien und Rocket Lab aus Amerika.Eigentümerfamilie und Finanzinvestor KKR arbeiten an „Re-IPO“Die Familie Fuchs als Mehrheitseignerin und der Finanzinvestor KKR arbeiten an Plänen zum Verkauf bestehender Aktien und neuer Aktien über eine Kapitalerhöhung (F.A.Z. vom 18. April). Da OHB noch zu sechs Prozent in Streubesitz liegt, ist das kein echter Börsengang, wohl aber die Rückkehr zu einem gelisteten Unternehmen mit nennenswerter Liquidität. Der Plan trage daher Züge eines „Re-IPO“, also eines neuerlichen Börsengangs (IPO: Initial Public Offering), heißt es in der Frankfurter Kapitalmarktszene.Die Familie Fuchs hält zwei Drittel, der Finanzinvestor KKR 29 Prozent. Der Streubesitz ist weitgehend in der Hand von Kleinanlegern. Und das soll sich mit dem geplanten Schritt ändern. Als übergeordnete Berater agieren nach Informationen aus Bankenkreisen Rothschild und KKR mit der Spezialeinheit KKR Capital Markets, als internationale Koordinatoren Deutsche Bank, J.P. Morgan und Goldman Sachs. OHB lehnte eine Stellungnahme ab. Vorstandsvorsitzender Marco Fuchs bestätigte der F.A.Z. aber vor einem Monat, OHB prüfe „gemeinsam mit unseren Ankeraktionären verschiedene Optionen, einschließlich Finanzierungsoptionen für die Gesellschaft, um uns zum Beispiel weiter auf die Serienproduktion von Satelliten vorzubereiten“.Blicke richten sich auf Börsengang von SpaceXDas Vorhaben fällt in eine Zeit, in der Elon Musks US-Weltraumunternehmen SpaceX seinen Megabörsengang vorbereitet. Der Emissionsprospekt wurde am Mittwoch veröffentlicht. Fachleute trauen der Gesellschaft eine Marktkapitalisierung von 1,75 Billionen Dollar zu. OHB gab Anfang der Woche ein Kapitalmarkt-Update für Investoren, darin wird das Unternehmen als „Europäischer Raumfahrtchampion“ vorgestellt. In der Präsentation, die neuerdings im Internet einsehbar ist, steht dieses Thema im Vordergrund. Bekannt ist das Unternehmen vor allem als Satellitenhersteller, zum Beispiel für das europäische Navigationssystem Galileo.Nur etwas mehr als ein Fünftel der Gesamtleistung entfällt laut Investorenpräsentation auf Kunden in der Verteidigung, der Rest auf andere Institutionen. Weil viele Produkte zivil und militärisch relevant sind, profitiert OHB aber auch von den rapide steigenden staatlichen Rüstungsinvestitionen. Für ein satellitengestütztes Kommunikationssystem für die Bundeswehr tat sich OHB kürzlich mit Rheinmetall zusammen.Gemeinschaftsunternehmen mit Drohnen-Start-up Helsing gegründetAm Dienstag wurde bekannt, dass der Bremer Konzern in der militärischen Aufklärung aus dem Weltraum gemeinsame Sache mit dem Münchner Drohnen-Start-up Helsing macht. Unter dem Arbeitstitel KIRK (Künstliche Intelligenz und Raumfahrt-Kompetenz) haben beide ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, das ein weltraumbasiertes taktisches Überwachungs-, Aufklärungs- und Zielerfassungssystem entwickeln soll. Mit dem Joint Venture tritt OHB auch dem Konsortium um Helsing, den Radar- und Sensorspezialisten Hensoldt und den norwegischen Rüstungskonzern Kongsberg bei, das sich um einen milliardenschweren Auftrag der Bundeswehr für das Weltraum-Aufklärungsprojekt mit dem Namen Spock 2 bewerben will.Die OHB-Aktie schnellte am selben Tag um 25 Prozent nach oben und durchbrach die 600-Euro-Marke, fiel dann aber wieder zurück und haussierte am Donnerstag nach den SpaceX-Nachrichten wieder mit einem Kurs von rund 630 Euro. KKR war im Jahr 2024 mit 44 Euro je Aktie eingestiegen.
Raumfahrtunternehmen: OHBs offensive an der Börse rückt näher
OHB ist bekannt für Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo. Das Unternehmen mit dem Ministreubesitz will zurück in den nennenswerten Börsenhandel. Gespräche mit Investoren haben begonnen.







