Die Erdbeben im Norden Venezuelas bedeuten eine Katastrophe für das Land und könnten Tausende von Menschen das Leben gekostet haben. Eine Übersicht26.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenIn einem Abstand von nur 39 Sekunden erschütterten am Mittwochabend zwei heftige Erdbeben den Nordwesten Venezuelas. Die Schäden sind immens: Wie Videos zeigen, liegen ganze Häuserkomplexe in Trümmern. Die Regierung Venezuelas geht derzeit von mindestens 188 Toten und Tausenden Verletzten aus.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das zweite Beben war mit einem Wert von 7,5 auf der Magnituden-Skala deutlich stärker als das erste mit 7,2. Die Skala, mit der die Stärke von Erdbeben gemessen wird, ist logarithmisch aufgebaut: Die Energie steigt von Zahl zu Zahl überproportional. Das zweite Beben setzte etwa dreimal so viel Energie frei wie das erste. Es handelt sich damit um das stärkste Erdbeben in Venezuela seit etwa 100 Jahren.Das erste Erdbeben ereignete sich um 18 Uhr 04 Ortszeit, das zweite folgte wenige Augenblicke darauf. Die Epizentren der beiden Beben liegen etwa 10 Kilometer voneinander entfernt im Nordwesten von Venezuela. Die Folgen der Beben waren bis in die etwa 150 Kilometer entfernte Hauptstadt Caracas zu spüren.Die tektonischen PlattenAusgelöst wurden die beiden Erdbeben durch Verschiebungen in der Plattentektonik. Unmittelbar parallel zur Küste von Venezuela verläuft die Grenze zwischen der südamerikanischen und der karibischen Platte.Die beiden Platten reiben sich aneinander und verhaken sich ineinander, dadurch setzen sie unter der Erdoberfläche Energie frei. Dies führt in Venezuela regelmässig zu leichten Erdbeben.Bei den Reibungen zwischen den tektonischen Flächen entstehen Bruchflächen im Gestein der Erdkruste, sogenannte Verwerfungen. Es ist anzunehmen, dass die beiden Beben vom Mittwochabend aus zwei verschiedenen solchen Verwerfungen entstanden sind.Besonders katastrophal fielen die Schäden in den Küstengebieten aus, etwa in der Hafenstadt La Guaira. Die lockere, oft sandige Bodenbeschaffenheit in der Nähe des Meers transportiert die seismischen Wellen der Erdbeben intensiver. In den Städten im bergigen Terrain wird es zudem wohl zu Erdrutschen gekommen sein.Aussergewöhnliche SchädenSo starke Beben wie jene vom Mittwochabend sind in der Region selten. Übertroffen wurden sie nur von einem Beben mit einer Stärke von 7,7 im Jahr 1900. Die Auswirkungen fielen damals vergleichsweise mild aus, etwa 140 Menschen sollen gestorben sein.Dieses Mal sieht es anders aus. Das Ausmass der Katastrophe ist derzeit noch unüberschaubar. Statistiker gehen in ihren Schätzungen aber teilweise von über 10 000 Todesfällen aus. Die durch die Beben entstandenen wirtschaftlichen Verluste könnten sich laut United States Geological Survey (USGS) auf mehr als 100 Milliarden Dollar belaufen.Passend zum Artikel