PfadnavigationHomePanoramaNotstand ausgerufenBis zu 100.000 Tote nach Erdbeben befürchtet – Pistorius schickt Luftwaffe nach VenezuelaStand: 11:03 UhrLesedauer: 6 MinutenNach zwei sehr starken Erdbeben in Venezuela werden bis zu 100.000 Tote befürchtet. Rettungskräfte suchen unter den Trümmern nach Verschütteten. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der Beben mit 7,2 und 7,5 an.Zwei der stärksten Erdbeben des laufenden Jahres treffen Venezuela. In der Hauptstadt Caracas herrscht Panik – Gebäude sind eingestürzt, Menschen unter den Trümmern verschüttet. Auch am Flughafen gibt es erhebliche Schäden.Zwei starke Erdbeben haben Venezuela erschüttert und Gebäude in der Hauptstadt Caracas zum Einsturz gebracht. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke des ersten Bebens mit 7,2 an, die des zweiten mit 7,5. Demnach waren die Beben zwei der weltweit stärksten des laufenden Jahres. Das Epizentrum des ersten Bebens am Mittwoch um 18:04 Uhr lag den Angaben zufolge 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des südamerikanischen Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite Erdbeben ereignete sich nur wenige Kilometer weiter nördlich. Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Es habe bereits 20 Nachbeben gegeben, sagte Interimspräsidentin Delcy Rodríguez. Rodríguez sprach von mindestens 32 Toten und mehr als 700 Verletzten. Sie wies darauf hin, dass noch keine Daten aus dem Bundesstaat La Guaira vorliegen, der an die Hauptstadt Caracas grenzt und am stärksten betroffen ist. USGS schätzt die Zahl der möglichen Todesopfer jedoch auf 10.000 bis 100.000.Deutschland hat Venezuela kurzfristig Hilfe in Aussicht gestellt. Die Bundeswehr könne bis zu sechs Transportflugzeuge vom Typ A400M bereitstellen, um Personal und Hilfsgüter etwa des Technischen Hilfswerks und des Deutschen Roten Kreuzes zu befördern, teilte das Verteidigungsministerium mit. „Die Nachricht von den vielen Tausenden Toten in Venezuela hat mich tief erschüttert“, erklärte Verteidigungsminister Boris Pistorius. „Jetzt gilt es, schnell Hilfe zu leisten.“Auch Spanien hat Unterstützung zugesichert. „Spanien und ich persönlich bieten der venezolanischen Bevölkerung nach den verheerenden Erdbeben von heute Nacht unsere volle Unterstützung an“, schrieb der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez auf der Plattform X. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien.“ Außenminister Jose Manuel Albares ergänzte, das Land sei bereit, jede erforderliche Nothilfe zu leisten. Nach den schweren Erdbeben hat Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez nach eigenen Angaben mit US-Außenminister Marco Rubio telefoniert. Er habe dabei „Solidarität und Unterstützung für das venezolanische Volk in diesen für unsere Nation schwierigen Zeiten zum Ausdruck gebracht“, erklärte Rodríguez im Onlinedienst X. Venezuela sei dankbar für die Solidaritätsbekundung der USA.Lesen Sie auchRubio hatte zuvor die sofortige Entsendung von US-Rettungskräften angekündigt. „Amerika steht in dieser schwierigen Zeit an der Seite des venezolanischen Volkes“, erklärte der US-Außenminister auf X. Auf Anweisung von Präsident Donald Trump würden unverzüglich Such- und Rettungsmannschaften, medizinische Ressourcen und humanitäre Hilfe in das südamerikanische Land gesandt.Menschen evakuierten Gebäude in Caracas und blieben im Freien; viele waren sichtbar schockiert, als sie sahen, dass ganze Wände eingestürzt waren und Möbel von der Straße aus sichtbar wurden. Die Rettungskräfte suchen unter den Trümmern nach zahlreichen Verschütteten. Allein in der Stadt Tucacas an der Karibikküste würden 15 Menschen unter den Trümmern eines eingestürzten fünfstöckigen Gebäudes vermutet, sagte der Gouverneur des Bundesstaates Falcón, Víctor Clark, dem Fernsehsender VTV. Rund 22 Verletzte würden dort in Kliniken medizinisch versorgt. In zwei Stadtvierteln der Hauptstadt Caracas, in denen Restaurants und andere Geschäfte normalerweise stark frequentiert sind, waren Staubwolken zu sehen. Im Stadtteil Altamira wurde ein 22-stöckiges Hochhaus nahezu völlig zerstört. Im Bezirk Chacao konnten laut Bürgermeister Gustavo Duque aus einem Haus 18 Überlebende gerettet werden.Lokale Medien berichteten von erheblichen Schäden am Flughafen in Caracas, wo Teile des Daches einstürzten und ebenfalls graue Staubwolken zu sehen waren. Der Betrieb ist eingestellt. In einem Krankenhaus der Hauptstadt stürzten Deckenplatten herab, in anderen wurde das Personal für die Nachtschicht verdoppelt, um die Verletzten zu versorgen. Mobilfunkempfang, Internet- und Stromversorgung waren im Land teilweise lahmgelegt.Notstand in VenezuelaDie Regierung in Venezuela rief den Notstand aus. Das kündigte Präsidentin Rodríguez in einer Ansprache an. Sie sprach von einem „Vorfall mit schwerwiegenden Folgen“. Priorität hätten nun die Rettungsarbeiten, sagte Rodríguez. Der Schulunterricht werde ausgesetzt, der Zugverkehr eingestellt.Innenminister Diosdado Cabello hatte zuvor gesagt, das Beben sei in mehreren Bundesstaaten zu spüren gewesen, und fügte hinzu, dass es im Stadtteil Altamira in Caracas „alarmierende Situationen“ mit eingestürzten Häusern und Gebäuden gegeben habe. Er forderte die Menschen auf, im Freien zu bleiben, da Nachbeben weitere Schäden verursachen könnten. Um Explosionen zu verhindern, hätten die Behörden angeordnet, die Gaszufuhr zu unterbrechen.Das US-Außenministerium richtete nach eigenen Angaben einen Krisenstab ein, um in Absprache mit der venezolanischen Regierung Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe zu schicken. Auch US-Präsident Donald Trump sicherte schnelle Hilfe zu.Die beiden Erdbeben seien von „massivem Ausmaß“ gewesen und hätten zu einer „verheerenden Zahl Toter“ geführt, schrieb Trump. Er machte dabei keine Angaben dazu, auf welche Informationen sich seine Aussage zur Opferzahl stützte. „Wir werden für unsere neuen und großartigen Freunde da sein“, schrieb er – wohl mit Blick auf die Übergangsregierung in Caracas. Weiter erklärte er in Bezug auf das wahrscheinliche Ausmaß der Folgen: „Die ersten Berichte sind nicht gut!!!“Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, schrieb auf der Plattform X, es stünden 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter bereit, um in die venezolanische Hauptstadt Caracas gebracht zu werden. Auch Brasilien und andere Staaten signalisierten Hilfsbereitschaft. Das US-Tsunami-Warnzentrum gab eine Warnung für Puerto Rico, die Jungferninseln sowie die vor der Küste Venezuelas gelegenen Inseln Aruba, Curaçao und Bonaire heraus. Diese wurde jedoch nach etwa einer Stunde wieder aufgehoben. Beben auch vor Japans KüsteAuf die Beben in Venezuela folgte auch eines vor der japanischen Küste. Das Beben hatte eine Stärke von 7,2, wie die Japanische Meteorologische Agentur (JMA) mitteilte. Zunächst war eine Stärke von 6,9 angegeben worden. Das Erdbeben hatte demnach eine Tiefe von etwa 50 Kilometern. Nach Angaben der japanischen Wetterbehörde besteht keine Tsunami-Gefahr.Das Beben ereignete sich in einer Region, in der in den vergangenen Monaten wiederholt starke Erdbeben registriert wurden, darunter eines, das im Dezember eine einwöchige Mega-Erdbeben-Warnung ausgelöst hatte. Das Beben traf die nordöstliche Region Japans während des morgendlichen Berufsverkehrs und war auch in Tokio leicht zu spüren. Laut Regierungssprecher Minoru Kihara gab es zunächst keine Berichte über Verletzte oder Schäden.Ministerpräsidentin Sanae Takaichi sagte in Tokio, das Notfallteam der Regierung stelle „das Leben der Menschen an erste Stelle“ und werte die Lage aus, um gegebenenfalls Hilfsmaßnahmen vorzubereiten. Sie forderte die Bewohner der betroffenen Regionen auf, wegen möglicher Nachbeben vorsichtig zu sein. Fernsehbilder des öffentlichen Senders NHK zeigten Berichte von Journalisten aus mehreren stark betroffenen Städten, darunter Sendai und Morioka. Demnach war das Beben über einige Minuten spürbar, Schäden wurden jedoch nicht festgestellt.Die East Japan Railway Co. teilte mit, dass einige Hochgeschwindigkeitszüge und Regionalverbindungen aus Sicherheitsgründen vorübergehend gestoppt wurden.AP/dpa/blo/luwi/ll