Weder kann ich Noten lesen noch ein Instrument spielen. Trotzdem ruht auf meinem Rechner ein potenzieller Mallorca-Hit, den ich – gewissermaßen – erzeugt habe und unter meinem Namen gegen die Zivilbevölkerung einsetzen könnte. Das Lied dreht sich um eine Räuberpistole, mit der ich einst meine Kinder belustigte: Ihr Vater wäre der Schattenmann hinter der Singegruppe ABBA gewesen, so wie Frank Farian für Boney M. und Milli Vanilli.
Neulich befahl ich einer Musik-KI, diese Höchststapelei zu einem Ballermann-Schlager zu verwursten. Das Ergebnis nennt sich „Der fünfte Stern“ und klingt, gemessen an den Anforderungen des Genres, beeindruckend. Perfekt, um sich mit Sangria zuzulöten. Begeistert wollte ich den digitalen Auswurf meinem Freund Stefan kredenzen. – „Mach’ weg den Dreck!“ Blanker Ekel. Nicht mal wegen des Sounds. Sondern überhaupt. Er findet meine KI-Kunst nicht einfach schlecht, sondern falsch. Wenn Mist, dann von Menschen.
Es hat mit seinem Job zu tun. Er synchronisiert Filme. Künstliche Intelligenz droht seine Branche zu fressen. Computersprecher sind billig und stehen auch dann zur Verfügung, wenn der Stimme von Ryan Gosling die Luft ausgeht. Außerdem glaubt er an den Zauber menschlicher Kreativität. Es befremdet ihn, dass sogar Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk dem Schaffensprozess mit KI auf die Sprünge hilft.










