Pseudoobjektive Diskurssimulation kann die KI sehr gut. Echter Journalismus fängt aber erst danach richtig an – mit dem Mut zur Individualität.

K ünstliche Intelligenz ist eine Kränkung des Autors. Anders ist die Aufregung um den KI-generierten Beitrag des thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt in der FAZ und die KI-generierte Replik von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner in der Welt am Sonntag kaum zu erklären.

Mit frei zugänglichen Statistikprogrammen – und nichts anderes sind Sprachmodelle, auch wenn sie „groß“ heißen –, kann heute jeder Leitartikel oder Berichte verfassen, ohne jemals eine Universität oder Journalistenschule besucht zu haben. Das schmerzt die schreibende Zunft, keine Frage, und deshalb geben sich die Edelfedern alle Mühe, in ihrem Dünkel Döpfners KI-Einwurf als phrasenhaft und hohl zu karikieren, als gälte es, das menschliche Monopol der Kreativität zu verteidigen und die Maschinen aus dem Diskurs auszuschließen.

Dieser als Stilkritik verpackten Technikkritik liegt auch eine romantische Vorstellung des Schreibens zugrunde, als säße der Autor in der freien Natur und würde – allenfalls mit einer Schreibmaschine als höchstem der Technikgefühle ausgestattet – seine Gedanken zu Papier bringen. Dabei war Döpfners Idee ja durchaus originell, ein Performance-Act der KI, der die Automatisierung der „Content-Produktion“ auf die Spitze treibt.