Die Fahrt mit dem letzten Intercity von Magdeburg nach Hannover dauert planmäßig eine Stunde und 21 Minuten. Die Bahn-App zeigt an, dass der Zug 15 Minuten Verspätung hat. Nicht der Rede wert, das hatte er am Nachmittag auf der Hinfahrt auch schon. Am Gleis deutet sich allerdings schon an, dass die Rückreise an diesem Dienstagabend ungemütlicher werden könnte: Die eine Anzeigentafel zeigt um kurz nach 22 Uhr nur noch Pixelsalat. Auf der anderen heißt es: Großstörung, bundesweit.In der Fahrerkabine einer Regionalbahn beendet ein Lokführer gerade sein Telefonat. Er hat soeben erfahren, dass der gesamte Zugfunk ausgefallen ist. Der Blick des Mannes verrät: Das hier hat eine größere Dimension als eine geänderte Wagenreihung oder Probleme mit der Kühlung im Bordbistro.Über die Lautsprecher am Gleis werden kleinteilige Verspätungen durchgegeben. 25 Minuten hier, 17 Minuten dort. Die Dieselmotoren der eingefahrenen Regionalbahnen dröhnen derweil weiter in der abklingenden Hitze des Tages. Ein gutes Zeichen? Die Zuversicht der Deutschen Bahn ist offenbar immer noch so groß, dass sie die Klimatisierung ihrer Züge aufrechterhält. Gegen 22.30 Uhr meldet die Bahn-App dann: Das mit dem Intercity wird heute nichts mehr, der Zug fällt aus.Wie so häufig: Das Bahnpersonal verkriecht sichMan könnte es mit Regionalzügen versuchen und in Braunschweig umsteigen. Laut Bahn-App geht das noch. Auch die Einheitsstimme formuliert keine Einwände, sondern listet ungerührt weitere Verspätungen auf. Am Gleis der Regionalbahn nach Braunschweig macht sich das Bahnpersonal jedoch rar. Die Reisenden sitzen und stehen herum und wissen nicht, wie und wann es weitergeht. Ob es überhaupt weitergeht.Das kennt man: Sobald bei der Deutschen Bahn ein größeres Problem auftritt, klappt der Laden kommunikativ in sich zusammen. Maximale Distanz zum Kunden, scheint das heimliche Motto vieler Mitarbeiter zu sein.Auch der Lokführer der Regionalbahn wirkt zunächst abweisend. Er habe heute mal wieder keine Glaskugel dabei, antwortet er barsch auf die Frage nach der weiteren Perspektive für den Abend. Aber dann der goldene Tipp: Flixbus.Tatsächlich, um 23.59 Uhr fährt noch ein Bus nach Amsterdam, der um 1.45 Uhr in Hannover hält. Gebucht. 11,98 Euro, auch der Preis ist richtig gut.Bis zur Abfahrt dauert es noch eine Stunde. Zeit für einen Rundgang durch den Bahnhof. In der Haupthalle hat sich vor dem Service Point eine Menschentraube gebildet. Der Umgangston wird von Minute zu Minute rauer. Von Zeit zu Zeit verlässt ein Fahrgast mit einem weißen Zettel die Traube, nachdem er einen der begehrten Taxi- oder Übernachtungsgutscheine ergattert hat.Einige Minuten später kehrt einer der Zettelbesitzer jedoch genervt in die Halle zurück. Das benachbarte Intercity-Hotel hat ihn abgewiesen, die reservierten Gäste hätten Vorrang. Der Tonfall vor dem Service Point wird auf beiden Seiten der Scheibe rauer. Einige Meter daneben schaut ein Mann mit einer orangen Weste und der Aufschrift „Bahnhofsmanager“ ungerührt auf seine große Anzeigentafel, die ebenso wie die Durchsage kleinteilig Verspätungen auflistet, aber offenkundig immer noch keinen Schimmer von der Gesamtlage hat. Auch die Bahn-App bewegt sich in eigenen Sphären. Um 23.07 Uhr erscheint eine Push-Meldung auf der Smartwatch und verkündet eine Verspätung von 301 Minuten an, in der folgenden Push-Meldung sind es dann nur noch 293 Minuten.Gut, dass es den Flixbus gibt. Er fährt pünktlich ab und trifft mit sechs Minuten Verspätung in Hannover ein. Es ist 1.51 Uhr. Der Weg ins ersehnte Bett führt durch den Hauptbahnhof hindurch. Auch dort gibt es einen Service Point. Mehrere hundert gestrandete Reisende warten auf Auskunft und Hilfe, die Schlange reicht bis Gleis 4. Von den Bahnsteigen erschallt weiter die Durchsage für die Verspätungen.
Funkstörung bei Bahn: So hat unser Autor das Chaos erlebt
Als der Zugverkehr zusammenbricht, ist unser Korrespondent auf dem Weg von Magdeburg nach Hannover. Die Kommunikation in den Bahnhöfen ist so schlecht wie gewohnt. Doch ein Lokführer gibt einen goldenen Tipp.















