PfadnavigationHomePanoramaZugfunkausfallBahn führt deutschlandweite Störung auf Austausch von „technischer Komponente“ zurückStand: 12:07 UhrLesedauer: 5 MinutenIm ganzen Land standen Züge der Deutschen Bahn für rund anderthalb Stunden still. Nun rollen die ersten wieder. Es wird aber noch lange mit Verspätungen und Ausfällen gerechnet.Eine massive Funkstörung hat den Bahnverkehr am Dienstagabend bundesweit vorübergehend zum Stillstand gebracht. Der „planmäßige Tausch einer technischen Komponente“ sei Ursache des Problems gewesen, heißt es.Die Deutsche Bahn führt den vorübergehenden Ausfall des Zugverkehrs in ganz Deutschland auf den „planmäßigen Tausch einer technischen Komponente“ zurück. Dieser sei aus derzeitiger Sicht „ursächlich für die gestrige Störung des digitalen Bahnfunks GSM-R“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Infrastruktursparte des Konzerns, Philipp Nagl, am Mittwoch. „Wie es dadurch genau zu der Störung kam, analysieren wir nun mit höchster Priorität.“„Wir entschuldigen uns in aller Form bei unseren Kundinnen und Kunden für die Einschränkungen“, fuhr Nagl fort. Die Möglichkeit einer Sabotage erwähnte er nicht. Hinweise auf einen Cyberangriff als Ursache wurden nach dpa-Informationen nicht festgestellt. Die Deutsche Bahn habe einen Angriff schon relativ früh für sehr unwahrscheinlich gehalten, hieß es.Eine Störung im digitalen Funknetz hatte in der Nacht den Bahnverkehr in ganz Deutschland ab circa 22 Uhr vorübergehend zum Erliegen gebracht. Neben dem Fern- und Regionalverkehr waren auch private Bahnbetreiber sowie S-Bahnen in verschiedenen Städten betroffen. Lesen Sie auchKurz nach Mitternacht wurde das Problem behoben. Gegen 0.30 Uhr fuhren die ersten Züge wieder. Danach lief der Verkehr am frühen Morgen Schritt für Schritt wieder an.Am Mittwoch erklärte der Konzern, der Zugverkehr in Deutschland sei am Morgen „weitgehend reibungslos“ wieder angelaufen. Es könne aber „noch vereinzelt zu Einschränkungen kommen“. Reisende sind gebeten, ihre Verbindungen zu prüfen.11 Stunden im Zug Einige Fahrgäste hatten eine ziemlich lange Nacht hinter sich. „Wir waren jetzt mehr als elf Stunden in dem Zug drin“, sagte ein Bahnkunde der dpa, als er am Berliner Hauptbahnhof aus dem ICE steigt. In Mannheim sei er am Dienstagabend mit seinen Freunden in den Zug gestiegen. Lesen Sie auch„Wir hätten um 1.54 Uhr ankommen sollen und sind jetzt um 7.38 Uhr angekommen.“ Das Zugpersonal hätte sie auf dem Laufenden gehalten. Was wirklich passiert sei, hätten sie aber im Internet durch eine kurze Google-Suche erfahren.Viele Reisende saßen durch den Ausfall fest. Zwar wurden laut einem Bahnsprecher Taxi- und Hotelgutscheine ausgegeben – in Frankfurt am Main berichteten Menschen aber zum Beispiel, es gebe in der ganzen Stadt gar kein Hotelzimmer mehr. Und: Ein ICE nach Mannheim und Stuttgart fuhr dort nahezu ohne Passagiere los. Niemand hatte den vielen Wartenden vor der Abfahrt Bescheid gegeben. Unter anderem am Berliner Hauptbahnhof beklagten Fahrgäste, dass es keine Auskünfte gab. Aber die Bahn-Mitarbeiter seien freundlich und ansprechbar gewesen, hieß es.WELT-Reporterin Ricarda Breyton berichtete aus dem ICE 70 von Karlsruhe in Richtung Hamburg, dass der Zug um kurz vor 22 Uhr zum Stehen gekommen sei. „Wir haben jetzt alle Wasser bekommen“, berichtete sie zwischenzeitlich. Im ICE 846 von Berlin nach Köln wurde durchgesagt, der Zug verspäte sich um 300 Minuten. Letztlich setzte sich der ICE um kurz nach Mitternacht wieder in Bewegung.In Berlin war der Verkehr im gesamten S-Bahn-Netz eingestellt. Betroffen waren alle Linien. „Bitte nutzen Sie zur Umfahrung die Verkehrsmittel der BVG“, hieß es. Am Berliner Hauptbahnhof war auf Durchsagen zu hören, dass auch der Fernverkehr eingestellt sei.Auch alle S-Bahnen in Stuttgart standen zwischenzeitlich still. „Derzeit werden alle S-Bahnen im gesamten S-Bahn-Netz an den Bahnsteigen zum Halten gebracht“, teilte die S-Bahn Stuttgart auf X mit. „Prüft in der Reiseauskunft eure Verbindung auf alternative Verkehrsmittel. Wir geben euch Bescheid, sobald wir neue Informationen haben und einschätzen können, wie lange die Störung dauert.“Massive Kritik an der BahnBundesverkehrsminister Patrick Schnieder verlangt eine umfassende Aufklärung durch die Bahn. Sollte es sich um Probleme mit Hardware-Komponenten oder um ein Update-Problem eines Servers handeln, müsse die Bahn ihre Systeme so aufstellen, dass sich das nicht wiederhole, so der CDU-Politiker.Der SPD-Wirtschaftspolitiker Armand Zorn sagte, der Vorfall zeige einmal mehr, wie verwundbar Teile der kritischen Infrastruktur in Deutschland seien. Der Bahnverkehr sei auch eine Frage der nationalen Sicherheit. „Wenn eine technische Störung den Bahnverkehr in großen Teilen Deutschlands beeinträchtigen kann, dann muss schnell und umfassend gehandelt werden.“Auch der Verband der privaten Güterbahnen fordert eine genaue Aufarbeitung. Die Ursache für den Ausfall dürfe „nicht allein durch eine ‚Selbstauskunft‘ der DB InfraGo als Betreiberin beantwortet werden“, sagte Verbandsgeschäftsführer Peter Westenberger der dpa. Es brauche eine bessere Überwachung und Steuerung des Schieneninfrastrukturbetriebs. Der Verband fordert dazu seit Langem die Gründung eines Bundesamts für Schieneninfrastruktur. Die privaten Güterbahnen, also die Konkurrenten von DB Cargo, waren ebenfalls von der Störung betroffen – und das ausgerechnet am späten Abend. „Da der Güterverkehr zu einem erheblichen Teil in den Nachtstunden unterwegs ist, sind die Beeinträchtigungen durch den Shutdown auch sehr hoch“, sagte Westenberger. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Ploß (CDU), sagte der „Rheinischen Post“, ein erneuter Vorfall in dieser Größenordnung dürfe sich in den Sommerferien nicht wiederholen, es wäre ein herber Schlag für alle Reisenden und den Tourismus in Deutschland. Unionsfraktionsvize Stephan Stracke nahm Bahn-Chefin Evelyn Palla in die Pflicht. „Ich erwarte von Frau Palla, dass Lösungen gefunden werden.“ Der Vorfall zeige, wie dringend die Bahn auf Vordermann gebracht werden müsse.NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Das macht mich fassungslos. Dass durch einen technischen Defekt der komplette Bahnverkehr in Deutschland zum Erliegen kommt, ist ein neuer Tiefpunkt bei einer ohnehin schwachen Betriebsqualität.“ Der Minister äußerte auch Kritik am Notfallmanagement der Bahn. „Hier braucht es Notfallmechanismen, die ein solches Desaster in Zukunft vermeiden. Menschen verlassen sich darauf, mit der Bahn wenigstens einigermaßen pünktlich ans Ziel zu kommen“, forderte Krischer.dpa/afp/nw/saha/lay/ll
Deutsche Bahn: Software-Update soll Störung verursacht haben – Reisende sitzen stundenlang fest - WELT
Eine massive Funkstörung hat den Bahnverkehr am Dienstagabend bundesweit vorübergehend zum Stillstand gebracht. Der „planmäßige Tausch einer technischen Komponente“ sei Ursache des Problems gewesen, heißt es.














